NIU+ belebt die Unternehmensnachfolge – Neue Perspektiven für KMU und Zugewanderte in Friedrichshain Kreuzberg

Fachgespräch

Pionierarbeit in der Unternehmensnachfolge: Mit dem Modellprojekt „NIU+“ startet in Friedrichshain Kreuzberg ein innovativer Ansatz, um die Unternehmenslandschaft im Bezirk nachhaltig zu stärken. Das Projekt eröffnet Zugewanderten mit Flucht oder Migrationsgeschichte neue Wege in die Unternehmensnachfolge und verbindet wirtschaftliche Stabilität mit Integration und Chancengleichheit.
Seit dem 1. Januar 2026 wird „NIU+ – Newcomer in Unternehmensnachfolge“ von der LOK.a.Motion GmbH umgesetzt, einer Gesellschaft, die langjährige Erfahrung in der Unterstützung von Gründer*innen, Migrant*innen und in der Stärkung lokaler Wirtschaftsstrukturen in den Bezirk einbringt.

Unternehmensnachfolge als zentrale Herausforderung im Bezirk

In den kommenden Jahren stehen zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor der Frage der Nachfolge. Allein in Berlin sind bis Ende 2026 rund 8.600 Betriebe betroffen. Bleiben geeignete Nachfolgelösungen aus, gefährdet dies nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch Arbeitsplätze und die lokale Wirtschaftsstruktur.

NIU+ setzt genau hier an und setzt auf das bislang wenig erschlossene Potenzial von Newcomern, also Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, die seit maximal zehn bis zwölf Jahren in Deutschland leben. Viele von Ihnen verfügen über unternehmerische Motivation und Erfahrung oder sind bereits selbstständig. Bisher wurden sie jedoch selten systematisch in Nachfolgeprozesse einbezogen.

„NIU+ fördert gezielt die Integration dieser Gruppe in Nachfolgeprozesse. Wir wollen zeigen, dass Unternehmensnachfolge vielfältiger gedacht werden kann – und dass Newcomer ein wichtiger Teil der Lösung sind“, sagt Projektleiter Ayham Deeb.

Die Geschäftsführerin Maria Kiczka-Halit

Die Geschäftsführerin Maria Kiczka-Halit

Praxisorientierte Unterstützung für Newcomer und Betriebe

Nach einer intensiven Entwicklungsphase, in der Expert:innen aus Wirtschaft, Verwaltung, Finanzierung und Beratung ein innovatives Nachfolgekonzept erarbeiteten, startet nun die praktische Umsetzung. Newcomer werden Schritt für Schritt an die Unternehmensnachfolge herangeführt und bei konkreten Übernahmeprozessen begleitet.

Maria Kiczka-Halt, Geschäftsführerin der LOK.a.Motion GmbH: „Viele dieser Menschen haben enorme Kraft, Mut und unternehmerisches Potenzial – sie mussten in ihrem Leben oft mehr wagen als andere. Mit NIU+ wollen wir ihnen die Türen öffnen, damit sie diese Stärke in unsere lokale Wirtschaft einbringen können“.

NIU+ setzt dabei auf praxisorientierte Formate wie Workshops, individuelle Beratung und Unternehmensbesuche. Voraussetzungen, Bedarfe und Nachfolgewege werden in persönlichen Coachings herausgearbeitet. Job-Shadowings und Hospitationen ermöglichen den Teilnehmenden authentische Einblicke in den Alltag potenzieller Übernahmebetriebe. Neben fachlichen Kompetenzen werden auch Selbstvertrauen und Entscheidungssicherheit gestärkt. Gleichzeitig werden Unternehmen für alternative Nachfolgewege sensibilisiert und dabei begleitet, sich gegenüber Nachfolger:innen aus anderen Kulturkreisen zu öffnen.

Beteiligte an Fachgesprächen des NIU+-Entwicklungsprojekts: Expert*innen aus Wirtschaft, Verwaltung & Beratung, die die Grundlage für das Nachfolge-Modellkonzept erarbeitet haben.

Beteiligte an Fachgesprächen des NIU+-Entwicklungsprojekts: Expert*innen aus Wirtschaft, Verwaltung & Beratung, die die Grundlage für das Nachfolge-Modellkonzept erarbeitet haben.

Modellcharakter und Transfer in die Fachwelt

Das Modellprojekt NIU+ zeichnet sich durch seinen experimentellen Charakter aus: Es stärkt nicht nur die Integration der Teilnehmenden in Nachfolgeprozesse, sondern erprobt einen neuen Ansatz zur Unternehmensnachfolge.

Ein interdisziplinärer Beirat aus Wirtschaftsförderung, Kammern, Finanzierung, Arbeitsmarkt und Beratung begleitet das Vorhaben und sichert die fachliche Qualität.

Zentrale Bestandteile der prototypischen Erprobung sind die systematische Auswertung der Projektergebnisse und die Überprüfung des Lösungsansatzes auf seine Skalierbarkeit und Transferierbarkeit. Erkenntnisse aus dem Begleitprozess werden aufgearbeitet, in Fachgesprächen öffentlich diskutiert und evaluiert.

Zum Abschluss werden bewährte Methoden in einem Transferworkshop für Interessierte, Stakeholder und Entscheidungsträger aus Berlin und bundesweit vorgestellt – ganz im Sinne des LSI Gedankens, innovative Lösungen über den Bezirk hinaus verfügbar zu machen.

Gefördert wird das Vorhaben über das Programm Lokal Sozial Innovativ (LSI) mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und des Landes Berlin. Begleitet wird das vielfältige Projektnetzwerk durch die Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes Friedrichshain Kreuzberg sowie durch das Bezirkliche Bündnis für Wirtschaft und Arbeit (BBWA).

Ausblick

Die Modellphase läuft bis zum 31. Dezember 2027, die ersten Teilnehmenden starten im Laufe des Jahres 2026.

Weitere Informationen:
www.lok-berlin.de
Kontakt: Ayham Deeb