Vor Ort in Friedrichshain: Dockyard macht Energiewende konkret erlebbar

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (mitte) gemeinsam mit den Projektbeteiligten am Dockyard-Projekt am Friedrichshainer Osthafen

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (mitte) gemeinsam mit den Projektbeteiligten am Dockyard-Projekt am Friedrichshainer Osthafen

Das Dockyard-Projekt am Osthafen in der Stralauer Allee 15 in Friedrichshain zeigt, wie Energieversorgung klimaneutral und zukunftsweisend funktioniert und gleichzeitig Planungssicherheit liefert.

Davon überzeugte sich Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann am Freitag, den 17. April 2026, persönlich bei einem Besuch vor Ort. Dabei gaben die Projektbeteiligten Michael Viernickel von eZeit Analytics und Björn Bölter, dem Bauherrenvertreter von PECAN DEVELOPMENT, Einblicke in ein System, das Antworten auf zentrale Fragen der urbanen Energiewende gibt.

Energie aus Sonne, Luft und Eis

Für die Energieversorgung wurde in einer angrenzenden unterirdischen Bahntrasse ein sogenannter Eisspeicher errichtet. Dieser wird mit Wasser gefüllt, dem im Winter kontinuierlich Wärme entzogen wird – bis das Wasser gefriert. Dabei wird zusätzliche Energie freigesetzt, die für die Beheizung des Gebäudes genutzt werden kann.

Was zunächst technisch klingt, ist Teil eines intelligenten Gesamtsystems: Auf dem Dach befindet sich eine der größten PVT-Anlagen Europas. Diese kombiniert Photovoltaik und Solarthermie, nutzt also sowohl Sonnenstrahlung als auch Umweltwärme – und trägt zugleich dazu bei, überschüssige Wärme aus dem Gebäude abzuführen.

Ergänzt wird das System durch weitere Komponenten wie Wärmepumpen und thermische Bauteilaktivierung. So wird das Gebäude im Winter effizient beheizt und im Sommer angenehm gekühlt – ganz ohne klassische Klimaanlagen.

Energie aus Sonne, Luft und Eis

Energie aus Sonne, Luft und Eis

Schutz vor Hitze im Stadtquartier

Ein besonderer Fokus liegt auf der sogenannten passiven Kühlung. Gerade im dicht bebauten innerstädtischen Raum gewinnt der Schutz vor sommerlicher Überhitzung zunehmend an Bedeutung.

Das Dockyard zeigt, wie Klimaanpassung und Energieversorgung zusammengedacht werden können: Durch die Nutzung natürlicher Kältequellen und die Speicherung von Energie im System entsteht ein ausgeglichenes Raumklima – ein wichtiger Beitrag für Gesundheit und Lebensqualität in der Stadt.

Planungssicherheit und stabile Energiekosten

Das Energiekonzept ermöglicht es, Wärme und Kälte zu langfristig stabilen Preisen bereitzustellen. Für die ansässigen Unternehmen bedeutet das ein hohes Maß an Planungssicherheit – ein zunehmend wichtiger Standortfaktor. Aktuell sind noch nicht alle Büroflächen vermietet, sodass das vollständige Potenzial des integrierten Versorgungskonzeptes noch nicht ausgeschöpft wird.

Impuls für die sozialverträgliche Wärmewende im Bezirk

Solche Projekte zeigen, wie die Wärmewende konkret vor Ort gelingen kann. Gefragt sind innovative, dezentrale Konzepte, die vorhandene Potenziale erneuerbarer Energiequellen nutzen und gleichzeitig bezahlbare Lösungen ermöglichen. Dafür braucht es Akteur*innen, die neue Wege gehen und die Energiewende gemeinschaftlich voranbringen.

Dabei gibt es nicht die eine Lösung: Neben Eisspeichern können auch Erdwärmepumpen und Aquiferspeicher, die im Erdreich vorhandene Wärme nutzbar machen, wichtige Bausteine sein. Fest steht: Es mangelt nicht an den Technologien zur Umsetzung, sondern an sogenannten Ankerkunden, die solche Projekte im Quartier anstoßen und tragen.

Berliner Energietage am 6. Mai 2026

Die Bezirksbürgermeisterin und die Projektbeteiligten sprechen auch darüber, welche Impulse das Projekt für den gesamten Bezirk liefert. So wird beispielsweise für das Gebiet rund um das Kottbusser Tor bereits nach vergleichbaren Lösungen gesucht. Mit der Entwicklung eines energetischen Quartierskonzeptes sollen auch dort die vorhandenen Potenziale erneuerbarer Energien genutzt, den Mieter*innen langfristige Preissicherheit geboten und gleichzeitig die Resilienz des Quartiers gestärkt werden. Damit leitet der Bezirk gemeinsam mit der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der sozialen Wärmewende im Bezirk. Um die Schlüssel zur Umsetzung der Wärmewende – vom Dockyard bis zum Kottbusser Tor – wird aus auch auf einer Veranstaltung am 6.Mai auf den Berliner Energietagen gehen, bei der sowohl die die Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann als auch Michael Viernickel von eZeit Analytics dabei sein werden.