Besuch beim FEIN-Pilotprojekt Herzraum Kreuzberg – Nicht kleckern, sondern kochen!

Gute Stimmung am Tresen: Das ehrenamtliche Team Herzraum Kreuzberg des Vereins bisous e.V. mit Clara Herrmann an der Essensausgabe

Gute Stimmung am Tresen: Das ehrenamtliche Team Herzraum Kreuzberg des Vereins bisous e.V. mit Clara Herrmann an der Essensausgabe

Am Dienstag, den 14. April 2026, öffneten sich im Herzraum Kreuzberg in den Räumen der St. Marien-Liebfrauen-Kirche in der Wrangelstraße 50 die Türen weit für den Besuch der Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann. Marian Schmidt, Gründer des Vereins bisous e.V., und rund 30 ehrenamtliche Helfer*innen bieten hier jeden Dienstag neben einem warmen Essen Unterstützung für bis zu 80 Personen an.

„Wir haben unseren Verein Anfang 2024 gegründet und setzen uns seitdem für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein“, sagt Marian Schmidt, der einmal pro Woche das Mittagessen kocht. Dabei wählt er Gerichte aus, die sich in der kleinen Küche gut zubereiten lassen. „Am einfachsten sind Eintöpfe und Suppen – die mögen unsere Gäste sehr gern. Wir versuchen immer so zu kochen, dass auch ein Nachschlag möglich ist.“ Dafür hat sich der Verein professionelle, riesige Kochtöpfe angeschafft, die 50 Liter fassen – und dazu passend einen Pürierstab, so groß wie ein Handstaubsauger.

Einmal in der Woche, beim Dienstags-Bistro von 14 bis 15.30 Uhr, bauen die ehrenamtlichen Helfer*innen im Pfarrsaal der katholischen Gemeinde ein kleines Buffet auf: „Meistens gibt es neben dem Hauptgericht etwas Salat, Brot und zum Nachtisch einen Brownie.“ Der sei inzwischen obligatorisch, freut sich Marian Schmidt, denn seine Gäste fragen immer wieder danach, „weil er so schön schokoladig ist“.

Frieder engagiert sich bereits seit 2011 im Ehrenamt und ist seit der Gründung des Vereins bisous e.V. dabei

Frieder engagiert sich bereits seit 2011 im Ehrenamt und ist seit der Gründung des Vereins bisous e.V. dabei

Die Kreuzberger St. Marien-Liebfrauen-Kirche ünterstützt den Verein

Hausherr Bernhardt Kreß, Pastoralreferent der St. Marien-Liebfrauen-Kirche, und Diplom-Sozialarbeiterin Steffi Scheinemann unterstützen den bisous e.V. nach Kräften. In ihrer Kirchengemeinde wird seit Jahrzehnten aktive Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen praktiziert. An mehreren Tagen der Woche kochen auch die Ordensschwestern der Gemeinde für Menschen, die sich sonst kein Essen leisten könnten. Die Nonnen gehören dem Orden von Mutter Teresa an. „In der Nacht bieten wir hier im Pfarrsaal eine Notunterkunft an. Dann bauen wir Betten auf, die gut angenommen werden.“ Bis zu 35 Personen können dort übernachten. So unterstützt die Gemeinde den Herzraum Kreuzberg sowohl finanziell als auch mit der Bereitstellung des Saals für das Dienstags-Bistro und das FLINTA*-Frühstück. „Und auch in allen anderen aufkommenden Fragen ist die Gemeinde für uns und unsere Gäste da“, bestätigt Marian Schmidt.

Die ehrenamtlichen Helfer*innen verteilen das Essen, kümmern sich um die Tische, reinigen das Geschirr und sorgen vor allem für gute Stimmung. Rentner Waldemar aus Charlottenburg ist einer von ihnen: Mit einem strahlenden Lächeln bewegt er sich zwischen Geschirrspüler und Herd, als gäbe es nichts Schöneres, als in diesem Moment hier zu sein. „Früher habe ich in Papua-Neuguinea für die katholische Kirche gearbeitet. Seit 2008 bin ich wieder in Berlin. Rumsitzen und Gammeln war für mich im Ruhestand keine Option – deshalb bin ich hier.“ Auch Frieder, der von Anfang an dabei ist und bereits seit 2011 die Kirchengemeinde ehrenamtlich unterstützt, fühlt sich wohl: „Wir helfen und haben Spaß dabei – wir sind eine tolle Gemeinschaft!“ Das freut Marian Schmidt: „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit rund 30 Helfer*innen, der harte Kern besteht aus zehn Freiwilligen. Wenn Not am Mann (oder an der Frau) ist, springt immer jemand ein – wir können uns aufeinander verlassen!“

Verlassen können sich auch die Gäste auf das engagierte Team. Denn neben dem Essen bieten sie Beratung und Unterstützung bei unterschiedlichen Fragen an. „Oft geht es um Schlafplätze und soziale Beratung. Wir binden unsere Gäste auch gern in Tätigkeiten ein – je nachdem, welche Erfahrungen sie mitbringen.“ Das Hilfsangebot beinhaltet außerdem eine kleine Kleiderkammer sowie die Ausgabe von Wasch- und Kosmetikartikeln wie Deodorant oder Einlegesohlen für kalte Tage.

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Marian Schmidt, Gründungsmitglied des Vereins bisous e.V

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Marian Schmidt, Gründungsmitglied des Vereins bisous e.V

Neues Angebot: Geschützter Raum für FLINTA*-Frühstück

Neben der Suppenküche am Dienstag bietet der Herzraum Kreuzberg an einem weiteren Tag ein besonderes Angebot: „Immer mittwochs haben wir einen sicheren und geschützten Raum für FLINTA*-Personen geschaffen, die von 11 bis 12 Uhr zu uns zum FLINTA*-Frühstück kommen können. Das ist ein relativ neues Angebot, das – ebenso wie dienstags – ein Essen, Zugang zu Duschen, Hygieneartikeln, Kleiderspenden und soziale Beratung umfasst.“

Saisonunabhängig betreibt der Verein zudem mit einem Lastenrad eine mobile Hilfsstation: „Damit bringen wir regelmäßig unsere Hilfe dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht wird.“

Marian Schmidt ist zufrieden: „Wir bekommen immer wieder Lebensmittelspenden, über die wir uns sehr freuen. Unsere Lebensmittel kaufen wir gern hier im Kiez – da hilft man sich gegenseitig.“ Die Unterstützer*innen des Vereins und er leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und zur Stärkung lokaler Strukturen, die die Integration von Menschen in prekären Situationen fördern.

„Wir freuen uns über die große Unterstützung – so wie sich unsere Gäste freuen, dass es diese Einrichtung hier gibt“, sagt Marian Schmidt. Ein Kreuzberger Raum, der zeigt: Hilfe schmeckt am besten, wenn sie von Herzen kommt.

Herzraum Kreuzberg des Vereins bisous e.V.

Dienstag: Dienstag-Bistro von 14 bis 15.30 Uhr
Mittwoch: Flinta*-Frühstück von 11 bis 12 Uhr
Im Pfarrsaal der St. Marien Liebfrauen Kirche
Wrangelstraße 50
10997 Berlin

Weitere Informationen zum FEIN-Programm

Mit dem FEIN-Programm (Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften) fördert der Bezirk in Friedrichshain-Kreuzberg mit Mitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ehrenamtliche Projekte, die das soziale Miteinander und die öffentliche Infrastruktur stärken- zum Beispiel Einzelmaßnahmen, um den Kiez zu verschönern oder um nachbarschaftliche Initiativen zu unterstützen. Aber auch wichtige Pilotprojekte wie „Herzraum Kreuzberg des Vereins bisous e.V.“, wo das quartiersbezogene Gesamtkonzept unterstützt wird die eine Verbindung von Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur mit Vorhaben zur Aktivierung der Bewohner*innen , der Stadtteilkultur sowie der zivilgesellschaftlichen Netzwerkbildung zum Ziel haben.

Als lebendigen, freundlichen Ort in der Friedrichshainer Weinstraße haben wir bereits das FEIN-Projekt Piazza Popolo Satellit vorgestellt.