Besuch des FEIN-Projektes „Piazza Popolo Satellit“

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann mit den Teilnehmerinnen des Ferien-Workshops auf der Terrasse der Initiative „Piazza Popolo Satellit“

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann mit den Teilnehmerinnen des Ferien-Workshops auf der Terrasse der Initiative „Piazza Popolo Satellit“

„Piazza Popolo Satellit“ klingt nach einem schönen Italienurlaub – und tatsächlich ist es ein lebendiger, freundlicher Ort in der Weinstraße 11 im Friedrichshainer Barnimkiez. Hier reichen sich Kunst und Kochen, Nachbarschaft und Nachhaltigkeit täglich die Hand. In einem dreijährigen Prozess werden vielfältige Kultur- und Bildungsinitiativen etabliert und gelebt.

Davon überzeugte sich Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann am Mittwoch, den 1. April, persönlich – bei einem Besuch in den Räumen einer ehemaligen Pizzeria, die heute als offene Gast-Stätte allen Nachbar*innen zur Verfügung steht.

Susanne Schröder, Kunsthistorikerin und eine von drei Vorständ*innen des Projekts, hat den „Satellit“ gemeinsam mit Carina Hering sowie dem Friedrichshainer Künstler und Architekten Erik Göngrich gegründet. Das Projekt wird vom Vorstand des Vereins Mitkunstzentrale koordiniert und gesteuert, der seine langjährigen künstlerischen, kulturwissenschaftlichen, handwerklichen Kompetenzen und Expertise in der Gemeinwesenarbeit einbringt.

Bezirksamtskolleginnen Jana Braun und Lisa Braun, Clara Herrmann, Rahel Velia Jacob, Susanne Schröder und Maryna Markova im Eingang der Möbeleria

Bezirksamtskolleginnen Jana Braun und Lisa Braun, Clara Herrmann, Rahel Velia Jacob, Susanne Schröder und Maryna Markova im Eingang der Möbeleria

Möbelbau-Workshops und interkulturelles Kochen

Zusammen mit der Produktdesignerin Rahel Velia Jacob stellt Susanne Schröder im Hof des Gebäudekomplexes die eingerichtete Werkstatt, die „Möbeleria“, vor. „Von Möbelbau-Workshops über interkulturelles Kochen bis hin zu Konzerten und Stadtteilveranstaltungen verbinden wir hier ökologische Nachhaltigkeit mit künstlerischer Quartiersarbeit“, erklärt Susanne Schröder.

In der „Möbeleria“ können Nachbar*innen und Interessierte Möbelstücke selbst aufarbeiten, verändern oder aus ausrangierten Materialien Neues schaffen. Rahel ergänzt und demonstriert das Konzept eines entwickelten Bausatzes: „Hier haben wir ausrangierte Fußleisten, die sich ganz einfach zu einem kleinen Tisch oder Hocker zusammenbauen lassen.“

Über den „Satellit“ werden Menschen mit und ohne Fluchterfahrung miteinander vernetzt, und es entstehen neue Wertschöpfungsketten. „Damit wollen wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch kreative und gemeinschaftliche Prozesse stärken“, erklärt Susanne Schröder einen weiteren Schwerpunkt des Projekts.

Unter dem Stichwort „Kiezbrot“ beschäftigen sich die Akteur*innen mit Lebensmittel- und Materialkreisläufen

Unter dem Stichwort „Kiezbrot“ beschäftigen sich die Akteur*innen mit Lebensmittel- und Materialkreisläufen

Lebensmittel- und Materialkreisläufe

Im Oral History Café werden Geschichten in Caféhaus-Atmosphäre erzählt und mit künstlerischen Formaten verbunden. Ein Beispiel stellt Maryna Markova vom Verein Koopkultur vor: die „Rumänische Bibliothek“. Regelmäßig treffen sich in den Satellit-Räumen rumänische Familien. „Etwa 10 bis 20 Familien kommen hier zusammen, weil sie möchten, dass ihre Kinder die rumänische Sprache lernen und pflegen“, erläutert Maryna Markova. Rund um die Sprache werden Themenveranstaltungen organisiert und angeboten. „Wir hatten beispielsweise eine Forscherin zu Besuch, die sich mit der Donau beschäftigt hat“, berichtet sie. Passend dazu gab es begleitende Kunst und Literatur für die Anwesenden.

Unter dem Stichwort „Kiezbrot“ beschäftigen sich die Akteur*innen mit Lebensmittel- und Materialkreisläufen und richten derzeit auf der Terrasse eine Abholstation für eine SoLaWi (solidarische Landwirtschaft) ein. Darüber können Verbraucher*innen regelmäßig frische Produkte direkt von einem teilnehmenden Hof beziehen. „Die Abholstation bauen wir über unsere Möbeleria selbst – aus recycelten Baustoffen“, erklärt Susanne Schröder.

Barnimkiez – guter und solidarischer Lebensraum

Im gleichen Zusammenhang ist derzeit eine Gruppe von Schüler*innen aus Schöneberg im „Satellit“ zu Besuch. Die 18 Jugendlichen haben an diesem Tag bunte Masken gebastelt und bemalt, anschließend aus italienischem Sauerteig nachgeformt und als Brot gebacken. „Dafür haben wir seit einiger Zeit einen Pizzaofen, der für solch große Gruppen allerdings schon fast zu klein ist“, erzählt Susanne Schröder schmunzelnd. Begeistert verfolgen die Jugendlichen, wie ihre duftenden Brote aus dem Ofen geholt werden.

Bei der Zubereitung von Essen und den passenden Geschichten dazu leuchten nicht nur die Augen der Schüler*innen-Gruppe. An diesem Ort der nachbarschaftlichen Gastlichkeit und dem Austausch des Wissens profitieren alle, die Großen und die Kleinen und der Barnimkiez – als guter und solidarischer Lebensraum.

Weitere Informationen zum FEIN-Programm

Mit dem FEIN-Programm (Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften) fördert der Bezirk in Friedrichshain-Kreuzberg mit Mitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ehrenamtliche Projekte, die das soziale Miteinander und die öffentliche Infrastruktur stärken- zum Beispiel Einzelmaßnahmen, um den Kiez zu verschönern oder um nachbarschaftliche Initiativen zu unterstützen. Aber auch wichtige Pilotprojekte wie „Piazza Popolo Satellit“, wo das quartiersbezogene Gesamtkonzept unterstützt wird die eine Verbindung von Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur mit Vorhaben zur Aktivierung der Bewohner*innen , der Stadtteilkultur sowie der zivilgesellschaftlichen Netzwerkbildung zum Ziel haben.

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Als Türöffner zur Nachbarschaft haben wir im Bezirksticker bereits das FEIN-Pilotprojekt „Umweltbildung goes Askanischer Platz vorgestellt.