Ein neues Kapitel der Hoffnung: Wiedereröffnung nach Umgestaltungsmaßnahmen im „Zentrum Gitschiner 15“

Mit einem geselligen Beisammensein bei offenem Grill wurde die Wiedereröffnung nach den Umgestaltungsmaßnahmen gefeiert

Mit einem geselligen Beisammensein bei offenem Grill wurde die Wiedereröffnung nach den Umgestaltungsmaßnahmen gefeiert

Kreativ und in Gemeinschaft durch den Alltag: Nach aufwändiger Umgestaltung des Erdgeschosses öffnete das Tageszentrum „Gitschiner 15“ am vergangenen Mittwoch wieder die Türen für Menschen, die es im Leben besonders schwer haben. Was einst eine Kreuzberger Kerzenfabrik war, ist seit nunmehr fast 25 Jahren ein sicherer Zufluchtsort – ein „Zentrum für Gesundheit und Kultur gegen Ausgrenzung und Armut“. Wer kaum eigene Mittel hat, findet hier viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Begegnung, Beratung und Mitmenschlichkeit.

Der gelbe Backsteinbau an der stark befahrenen Hauptstraße ist weit mehr als ein Tagestreff für Obdachlose: Hier können Menschen in Not eine warme Suppe genießen, gemeinsam kreativ werden, ihre alltäglichen Sorgen für eine Weile vergessen und etwas Würde zurückgewinnen – etwa unter einer heißen Dusche. Das Zentrum, nach Jahren des intensiven Gebrauchs spürbar in die Jahre gekommen, erstrahlt nun im neuen Glanz.

Gemeinsam mit den beiden Architekten eröffneten Lars Viehmeyer (v.r.n.l.), Quartiersmanagement Wassertorplatz, Ralf Hirsch, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Marita Lesly, Gemeindekirchenrat, Cornelia Tietz, Einrichtungsleitung, Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Julia Lehmann, Geschäftsführung Wassertor e.V. die Einrichtung für die zahlreichen Gäste

Fördermittel des Programms „Sozialer Zusammenhalt“

Ralf Hirsch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zeigte nach einem Besuch im „Zentrum Gitschiner 15“ gemeinsam mit dem Quartiersmanagement Wassertorplatz, entschiedenes Engagement: Als er die Situation der Einrichtung persönlich in Augenschein nahm, erkannte er sofort den großen Handlungsbedarf. Dank seines direkten Einsatzes stellte die Senatsverwaltung durch Fördermittel des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung, um die dringend benötigte Maßnahme in Angriff zu nehmen und damit ein Zeichen gegen Armut und Ausgrenzung zu setzen.

Binnen nur zehn Monaten wurde aus der Vision greifbare Realität: Die Einrichtung erhielt eine moderne, funktionale Industrieküche samt effektiver Lüftungsanlage – ein wichtiger Schritt, um weiterhin und langfristig täglich viele Menschen versorgen zu können. Im großen Aufenthaltsraum entstand ein neues, robustes Möblierungskonzept, das nicht nur stabil, sondern auch leicht zu reinigen ist und bis zu 40 Gästen gleichzeitig Sitzplätze bietet. So wurde das Zentrum nicht nur aufgewertet, sondern gezielt für die Bedürfnisse der Besucher*innen weiterentwickelt und für die Zukunft gestärkt.

Die Kreuzberger Künstlerin Mahide Lein in den hellen neugestalteten Räumlichkeiten

Die Kreuzberger Künstlerin Mahide Lein in den hellen neugestalteten Räumlichkeiten

Angebote des Zentrums in würdigen und zeitgemäßen Räumlichkeiten

Nachdem bereits das Erdgeschoss umfassend neugestaltet wurde, hat Ralf Hirsch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen auch die Notwendigkeit für Verbesserungen auf der ersten Etage erkannt. In dem dortigen Aufenthalts- und Sitzungsraum, der Kleiderkammer und dem Wartebereich zum Beratungsraum besteht ebenfalls der Bedarf, die Räume atmosphärisch und funktional aufzuwerten, damit die Angebote des Zentrums weiterhin in würdigen und zeitgemäßen Räumlichkeiten stattfinden können. Die Senatsverwaltung stellt deshalb zusätzlich 40.000 Euro Fördermittel bereit, sodass bis Ende des Jahres auch hier alles modernisiert sein wird.

Dank dieser weiteren Unterstützung kann die Evangelische Kirchengemeinde vor dem Halleschen Tor, die das „Zentrum Gitschiner 15“ trägt, mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Gerade in einem Kiez, in dem zahlreiche Menschen mit sozialen Herausforderungen leben, ist diese Anlaufstelle von großem Wert. Für die wachsende Anzahl von wohnungslosen und sozial schwachen Menschen bleibt das Zentrum damit ein sicherer Ort, um sich für ein paar Stunden ausruhen, stärken und an Gemeinschaft teilzuhaben zu können.

Herzstück des Angebots ist die mehrsprachige Sozialberatung

Hier sind alle willkommen, ganz unabhängig von Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus. Die Besucher*innen können kostenlos an verschiedensten Werkstätten, Kursen und Freizeitangeboten teilnehmen: von Trommeln, Yoga, Klavier- und Nähunterricht bis hin zu einer Fahrradwerkstatt, kreativen Zeichenstunden und Spielegruppen. Besonders beliebt ist auch das alkoholfreie Café als niederschwelliger Treffpunkt, an dem neue Kontakte geknüpft werden. Hinzu kommt die kostenlose Suppe, die täglich frisch aus der neuen Industrieküche ausgegeben wird – und natürlich die Möglichkeit, eine warme Dusche zu nehmen.

Ein weiteres Herzstück des Angebots ist die mehrsprachige Sozialberatung, die Menschen gezielt in ihrer Herkunftssprache unterstützt. Ob Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, Unterstützung auf dem Weg zur eigenen Wohnung oder Vermittlung medizinischer Beratung: Das Zentrum ist für viele Ratsuchende eine unverzichtbare Brücke zu Hilfesystemen. Auch Gesundheitsberatung, Kleiderkammer und offene Sprechstunden machen den Treffpunkt so wertvoll für die Nachbarschaft.

Rund 10.000 Menschen aus 60 Nationen leben im Wassertorquartier

Im Wassertorquartier leben rund 10.000 Menschen aus 60 Nationen, die meisten unter herausfordernden Bedingungen. Die Arbeitslosenquote liegt konstant doppelt so hoch wie im Berliner Durchschnitt, etwa 35 Prozent der Bewohner*innen sind auf Transferleistungen angewiesen. Gerade vor diesem Hintergrund steht das rundum erneuerte Tageszentrum einmal mehr als Symbol der Solidarität – es bietet Chancen, Zuversicht und einen Ort zum Durchatmen mitten im Kiez.

Zentrum Gitschiner 15
Leitung: C. Tiez
Gitschiner Straße 15
10969 Berlin

Telefon: (030) 695 366 14 – Hauptbüro
E-Mail: gitschiner15@kght.de

Öffnungszeiten
Montag – Mittwoch: 10 Uhr bis 16 Uhr
Donnerstag: 12 Uhr bis 16 Uhr
Freitag: 9 Uhr bis 15 Uhr