Nachhaltigkeitsziel 14 – Leben im und am Wasser – rund um die Halbinsel Stralau

Personen sitzen am Wasser an der Spree

Umfangreiche Uferschutzmaßnahmen auf der Halbinsel Stralau verbessern das Leben im und am Wasser für Mensch und Tier

Im Bezirksticker zeigen wir inspirierende Projekte aus Friedrichshain-Kreuzberg, die ganz konkret zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (#SDGs) der UN beitragen. Denn: Global denken – lokal handeln beginnt genau hier bei uns im Kiez.

Leben im und am Wasser rund um die Halbinsel Stralau

Die Halbinsel Stralau in Friedrichshain ist nicht nur ein beliebter Ort für Spaziergänge entlang der Spree, sondern auch ein bedeutender Lebensraum für seltene und geschützte Tierarten. Besonders die beiden vorgelagerten unter Naturschutz stehenden Inseln „Liebesinsel“ und „Kratzbruch“ haben sich in den vergangenen Jahren zu wichtigen Rückzugsorten für Tiere wie Biber und viele Brutvögel entwickelt.

Inzwischen lassen sich Spuren von Bibern auf der Halbinsel Stralau regelmäßig nachweisen

Inzwischen lassen sich Spuren von Bibern auf der Halbinsel Stralau regelmäßig nachweisen

Rückkehr nachtaktiver Wildtiere

Spuren von Bibern lassen sich inzwischen regelmäßig nachweisen. Abseits der dicht bebauten Ufer mit Spundwänden und Mauern finden die Tiere auf Stralau naturnahe Übergänge vom Wasser ans Land. Diese Strukturen fördern ihre Ansiedlung und tragen zur Entwicklung stabiler Bestände bei. Erste Hinweise auf die Rückkehr des Bibers wurden bereits 2004 entdeckt – typische Fraßspuren zeugten damals von ihren Besuchen.

Biber leisten zudem einen wichtigen ökologischen Beitrag: Mit ihren typischen Bau- und Fällarbeiten gestalten sie die Uferdynamik und schaffen vielfältige Kleinhabitate, von denen wiederum Vögel, Insekten und andere Tierarten profitieren.

Die Stadtnatur-Rangerinnen des Bezirks Kristina Roth und Janni Kretschmer auf der Halbinsel Stralau

Die Stadtnatur-Rangerinnen des Bezirks Kristina Roth und Janni Kretschmer auf der Halbinsel Stralau

Systematische Erfassung und Schutzmaßnahmen

Einmal im Jahr erfassen die Stadtnatur-Rangerinnen unseres Bezirks Janni Kretschmer und Kristina Roth von der Stiftung Naturschutz Berlin gemeinsam systematisch das Vorkommen des Bibers Die regelmäßige Kartierung im Winter gibt wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz und ermöglicht eine langfristige Beobachtung.

Die beiden vorgelagerten Inseln stehen seit Jahren als geschützte Landschaftsbestandteile unter besonderem Schutz. Sie werden äußerst selten betreten, um nötige Pflegearbeiten durchzuführen. Dabei werden Beschilderungen instandgesetzt, Müll entfernt und die Stabilität der Ufer überprüft. Gleichzeitig halten die Rangerinnen Spuren und Aktivitäten der Wildtiere fest.

Die Pflege- und Schutzmaßnahmen erfolgen in enger Kooperation mit dem Umwelt- und Naturschutzamt Friedrichshain-Kreuzberg, dem hiesigen Straßen- und Grünflächenamt, dem NABU sowie zahlreichen Freiwilligen. Dieses gemeinschaftliche Engagement sorgt dafür, dass die naturnahen Bereiche rund um Stralau auch weiterhin Rückzugsorte für bedrohte Tierarten bleiben können.

Die naturnahen Uferabschnitte der Halbinsel Stralau weisen wertvolle Biotopen für mehrere Arten auf, darunter Relikte der Weichholzaue und ein Hochstaudensaum. Wasserseitig prägen Schwimmblattbestände mit Weißer Seerose und vereinzelt Gelber Teichrose das Ufer. Der flache Land-Wasser-Übergang im Bereich der Schwanenwiese bietet zum Beispiel Höckerschwänen die Möglichkeit, mit ihrem Nachwuchs an Land zu gehen, zu fressen und das Gefieder zu pflegen.

Kristina Roth: „Wir unterstützen Maßnahmen des Bezirksamts zur Sicherung und Entwicklung dieser ökologischen Potenziale. Durch die 2015 am Ufer eingebrachten Biotopbäume wurde die Strukturvielfalt erhöht. Diese Bäume haben wir als Verbindung zwischen Ufer und Wasser gelegt, so dass sie einen perfekten Übergang für die Tiere geben, die sich an Land ausruhen oder brüten wollen.“ Am Weg, der an der Schwanenwiese entlangführt, wurden große Stauden von Hundsrose, Roter Hartriegel und Schwarzer Holunder angepflanzt, deren Früchte Vögeln als Nahrung dienen.

Neupflanzungen und das Einbringen von Ästen der vor Ort entnommenen Pappeln und Weiden ließen dort vielfältige Biotope entstehen

Neupflanzungen und das Einbringen von Ästen der vor Ort entnommenen Pappeln und Weiden ließen dort vielfältige Biotope entstehen

Lebensräume am Wasser – Die ökologische Aufwertung rund um Stralau

Gezielte Neupflanzungen und das Einbringen von Ästen der vor Ort entnommenen Pappeln und Weiden ließen dort vielfältige Biotope entstehen.
Die vom Ufer aus ins Wasser eingebrachten Äste und Stämme – sogenannte Biotopbäume – tragen dazu bei, die natürliche Dynamik des Gewässers zu fördern und die Strukturvielfalt zu erhöhen. Damit entstehen neue Lebensräume für zahlreiche Tierarten. „Fische etwa nutzen die versunkenen Äste als Laichplätze und Rückzugsorte, während ein Eisvogel sie gern als Aussichtswarte gebraucht. Muscheln siedeln sich an den Hölzern an, und zahlreiche Kleinstlebewesen finden dort Nahrung und Schutz.“ Auch die Pflanzen, die sich am Ufer ausbreiten konnten, da die Bereiche durch die Biotopbäume aus der menschlichen Nutzung genommen und so vor Störungen geschützt sind, bieten wertvolle Rückzugsmöglichkeiten für Insekten, Vögel und Amphibien.

Besonders profitieren die Wasservögel wie die Teichralle, Zwerg- und Haubentaucher, das Blässhuhn, die Reiherente, Sturm- und Lachmöwen, Höckerschwan, Graureiher, Komoran und der Eisvogel, der hier Futter für seinen Nachwuchs sucht. Sie finden durch das entstehende Röhricht ein breites Angebot an natürlicher Nahrung – von Pflanzenteilen bis hin zu Kleintieren. Dies ist für ihre gesunde Entwicklung entscheidend.

Denn: „Vögel benötigen eine abwechslungsreiche Mischkost“, weiß Rangerin Janni Kretschmer: „Das häufige Füttern mit Brot durch Besucher*innen führt dazu, dass die Tiere die Scheu vor den Menschen verlieren, was sie gefährdet und Konfliktpotential birgt. Außerdem besteht die Gefahr, dass sie die naturgemäße Nahrungssuche verlernen und unsere hochverarbeiteten Lebensmittel die Gesundheit der Vögel gefährden. Wir bitten deshalb immer wieder Besucher*innen, die Tiere nicht zu füttern. Außerdem werden so noch mehr Nährstoffe in die Gewässer eingebracht, was das Algenwachstum und eine Eutrophierung begünstigt“. Tatsächlich ist das Füttern von Wasservögeln mit Brot eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet und bebußt werden kann. Die neuen Maßnahmen unterstützen somit die Selbstständigkeit der Tiere und tragen dazu bei, ihre natürlichen Verhaltensweisen zu bewahren.

Rangerin Janni Kretschmer auf der Halbinsel Stralau

Rangerin Janni Kretschmer auf der Halbinsel Stralau

Große Bitte der Rangerinnen an die Besucher*innen der Halbinsel Stralau

Schutz vor Wellen und Störungen – Darüber hinaus bremsen die verankerten Äste den Wellenschlag, was dem Wachstum des Schilfgürtels zugutekommt. „Das Röhricht ist ein zentraler Lebensraum für Brutvögel und zugleich wirksam in der natürlichen Reinigung des Wassers. Die Kombination aus Schilfzonen und Totholz bildet zudem einen wichtigen Schutz gegen Beeinträchtigungen durch den zunehmenden Bootsverkehr.“

Die beiden Rangerinnen haben eine große Bitte an die Einwohner*innen und Besucher*innen Stralaus: „ Die Schwanenwiese darf gerne betreten und zum Picknicken, Ausruhen, Natur genießen genutzt werden. Aber wir würden gerne darauf hinweisen, dass dort nicht geangelt werden darf – auch nicht an dem Steg. Dort haben wir überall die tolle Schilfblattvegetation, in der sich neben kleinen Fischen auch kleine Wasservogeljunge verstecken, die durch das Angeln sehr gefährdet sind. Außerdem werden so auch die See- und Teichrosen zerstört, die auch für viele andere Artengruppen einen wichtigen Lebensraum darstellen.“

Wenn sich darüber hinaus die Besucher*innen ihre Hunde an der Leine lassen, kann der wunderschöne naturnahe Rückzugsraum für Flora und Fauna langfristig gesichert werden. Zwischen städtischer Bebauung und viel befahrenen Wasserwegen entsteht so ein wertvolles Refugium, in dem Wildtiere wie Biber, Brut-, Zug- und Gastvögel dauerhaft einen Lebensraum im und am Wasser finden. Die beispielhafte Zusammenarbeit von Naturschutzinstitutionen, Ehrenamtlichen und Verwaltung zeigt, wie auch im Herzen Berlins artenreiche Stadtnatur bewahrt und gefördert werden kann.

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Für das Nachhaltigkeitsziel 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz – haben wir im Bezirksticker die Initiative Greenkiez vorgestellt.