Jugendengagementpreis – gelebte Verantwortung

Aziza Egla vor Holzwand

Der Jugendengagementpreis von Friedrichshain-Kreuzberg würdigt seit 2015 junge Menschen, die sich auf besondere Weise für das Miteinander im Bezirk einsetzen. Ob im Sportverein, in der Nachbarschaft oder in sozialen Projekten – viele Jugendliche leisten mit ihrem Engagement einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Eine der Preisträgerinnen ist Aziza Egla. Die 18-jährige Kreuzbergerin wurde im vergangenen Jahr für ihr langjähriges Ehrenamt bei Türkiyemspor ausgezeichnet – einem Sportverein, der nicht nur für Fußball bekannt ist, sondern sich auch im Basketball besonders für Mädchen und junge Frauen stark macht. Dort steht Aziza nicht nur als Trainerin am Spielfeldrand, sondern auch selbst als Spielerin auf dem Platz – mit viel Herzblut.

Angefangen hat sie mit elf Jahren – heute trägt sie mit Stolz die Trikotnummer 11. „Ich glaube fest daran, dass man sich mit seiner Nummer identifizieren muss – man spielt dann besser“, erzählt sie. Was mit dem Spaß am Schulsport begann, ist längst zu einer Leidenschaft geworden: „Wenn ich in der Halle bin, bin ich wirklich da – vor Ort und nirgends sonst.“ Seit vier Jahren trainiert sie nun schon Kinder und Jugendliche im Verein, coacht aktuell zwei bis dreimal die Woche das U10-Team und das U16-Team. Aziza trainiert nicht nur Kinder und Jugendliche, sie ist selbst auch aktive Spielerin, in gleich zwei Teams. Eine Zeit lang war sie sogar Schiedsrichterin, doch irgendwann musste sie sich entscheiden: „Eins musste ich aufgeben – es wurde zu viel.“

Was sie motiviert? Die Gemeinschaft. Der Sport habe ihr nicht nur Fähigkeiten vermittelt, sondern auch neue Perspektiven eröffnet: „Über Basketball habe ich viele Menschen kennengelernt, mit denen ich sonst nicht in Kontakt gekommen wäre.“ Heute ist sie für viele eine Bezugsperson – sowohl für jüngere Trainer*innen als auch für Spieler*innen, die mit ihren Fragen oder Sorgen zu ihr kommen. Ehrenamt sei für sie keine Arbeit, sondern etwas, das sie begeistert und mit anderen teilen will.

Später möchte sie studieren – irgendwas, bei dem sie weiter mit Menschen zu tun hat und Verantwortung übernehmen kann.
Neben ihrem Engagement im Bezirk bereitet sich Aziza aktuell auf ein neues Abenteuer vor: Noch in diesem Sommer wird sie für zehn Monate einen Freiwilligendienst bei einer Nichtregierungsorganisation in Rabat, Marokko, mit Kindern und Jugendlichen antreten und dort mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – finanziert durch EU-Mittel. Die Stipendien für Marokko sind begrenzt: Nur eine Hand voll Teilnehmende aus Deutschland werden pro Jahr unterstützt.

„Ohne Förderung wäre das auf gar keinen Fall möglich gewesen“, sagt sie. Normalerweise wird der Aufenthalt durch Spenden finanziert. Auch wenn sie selbst durch das Stipendium abgesichert ist, organisierte sie dennoch eine Spendenaktion, um die Organisation zusätzlich zu unterstützen.
Für Aziza bedeutet das Freiwilligenjahr mehr als nur Auslandserfahrung. „Ich möchte Marokko anders kennenlernen – nicht als Touristin, sondern indem ich dort lebe.“ Sie wird mit zwei bis drei weiteren Freiwilligen in einer marokkanischen Gastfamilie wohnen.
Was sie mitnimmt aus Kreuzberg? Die Energie, die Gemeinschaft – und hoffentlich auch ein bisschen Basketball: „Ich hoffe, dass ich dort weiter spielen kann. Und wenn ich zurückkomme, will ich auf jeden Fall weitermachen.“

Die Auszeichnung mit dem Jugendengagementpreis kam für sie unerwartet. Eine Vereinsleiterin hatte sie vorgeschlagen – erfahren hat sie davon erst kurz vor der Preisverleihung. Der Abend selbst hat bei ihr Eindruck hinterlassen: „Ich habe coole Leute kennengelernt, wurde vom RBB interviewt – das war eine richtig gute Erfahrung. Bis heute motiviert mich die Verleihung.“
Ein Abgeordneter, den sie bei der Preisverleihung kennengelernt hatte, unterstützte später ihre Spendenaktion. Und auch sonst steht für Aziza fest: Ehrenamt braucht mehr Anerkennung – und bessere Rahmenbedingungen. „Viele Vereine haben keine Kapazitäten mehr, um neue Mitglieder aufzunehmen. Ehrenamt stirbt gesellschaftlich aus – das muss sich ändern.“
Besonders kritisch sieht sie die aktuellen Kürzungen im sozialen Bereich: „In Berlin spürt man, dass soziale Förderungen gestrichen werden. Ich bekomme in meinem Umfeld mit, dass Menschen davon existenziell betroffen sind. Soziale Arbeit bedeutet Zusammenhalt.“

Vorschläge für den diesjährigen Jugendengagementpreis gesucht!

Wer kennt aktive und engagierte Jugendliche? Der Jugendengagementpreis 2025 sucht wieder junge Menschen bis 27 Jahre, die mit ihrem freiwilligen Engagement das Miteinander im Bezirk stärken. Vorschläge können bis zum 31. August eingereicht werden.

Weitere Informationen zum Preis und zur Anmeldung finden sich auf der Webseite des Bezirksamtes.