Ausbildung in der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg

Auszubildende Bibliothek

Joshua Frey, Jason Jahnke und Ida Graef

Zwischen Tausenden von Büchern, DVDs, Gesellschaftsspielen und anderen Medien den Überblick behalten und wissen, was wo zu finden ist – das können Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste. Jedes Jahr bildet das Bezirksamt in der Stadtbibliothek neue Kolleg*innen in diesem Ausbildungsberuf aus. Drei von ihnen sind Joshua Frey, Ida Graef und Jason Jahnke.

Jason Jahnke absolvierte in der 8. Klasse sein Schulpraktikum in einer Stadtbibliothek in Lichtenberg. Im Anschluss daran entschied er sich, dass er nach der Schule eine Ausbildung in der Bibliothek machen möchte. Nach der 11. Klasse leistete der Friedrichshainer erstmal ein freiwilliges soziales Jahr an der evangelischen Grundschule am Petersburger Platz. Im Anschluss bewarb er sich in mehreren Bezirken für eine Ausbildung als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste. Inzwischen ist der 22-Jährige im dritten Lehrjahr.

Joshua Frey hat sein Abitur in Hessen gemacht. „Danach wusste ich erst mal nicht so recht, etwas mit mir anzufangen“ Daher kam er für ein freiwilliges soziales Jahr nach Berlin. In Staaken arbeitete er in einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung mit. „Das war eine coole Arbeit, aber auch sehr herausfordernd.“ Im Anschluss studierte er zwei Jahre an der Humboldt-Universität Gymnasiallehramt „Ich habe mich aber nicht im Beruf des Lehrers gesehen.“ Also begab er sich auf die Suche nach einem passenden Ausbildungsberuf. „Ich finde Bibliotheken sind wirklich besondere Orte. Schon als Kind war ich immer sehr gern dort.“ So traf er eine Entscheidung für die Ausbildung als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste. Auch er hatte sich in mehreren Bezirken beworben und sich aufgrund des freundlichen Auswahlverfahrens für Friedrich-Kreuzberg entschieden. „Hier haben im Bewerbungsgespräch alle sehr freundlich gelächelt!“ Schon am nächsten Tag erhielt er einen Anruf mit seiner Zusage. Dass sie für die Zusage angerufen und mit „Willkommen im Team“ begrüßt wurden, fanden alle Drei sehr sympathisch und persönlicher als eine Zusage-Mail. Inzwischen ist der 23-Jährge im zweiten Ausbildungsjahr.

Ida Graef hat sich ebenfalls in mehreren Bezirken für eine Ausbildung in der Bibliothek beworben. Als gebürtige Kreuzbergerin entschied sie sich nach der Zusage für eine Ausbildung in ihrem Heimatbezirk. Das Auswahlgespräch hier war besonders nett.“ Die Entscheidung für den Ausbildungsberuf hat sie während des Abiturs gefällt. Sie ist in Kreuzberg 61 aufgewachsen und wohnt immer noch dort. Aktuell ist die 20-Jährige im dritten Lehrjahr. Ähnlich wie der Friedrichshainer Jason trifft sie bei der Arbeit regelmäßig Menschen, die sie aus der Kindheit oder Jugend kennt.

Senatsbesuch - Mittelpunkt Biblitothek

Bücherwürmer und Filmfans

Viele der Auszubildenden in der Bibliothek seien Bücherwürmer, aber nicht alle. Manche seien keine großen Leser*innen, sondern hätten eher einen Bezug zu den anderen Medien, wie Computerspielen oder Filmen. Ida und Jason zählen sich zu den Buchbegeisterten, Joshua hat eher einen Bezug zu Filmen. Idas aktueller Buchtipp ist „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ von Becky Chambers. Jason empfiehlt die Buchreihe „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Joshua aktueller Filmfavorit ist „Portrait of a Lady on Fire“.

Die Ausbildung besteht zu zwei Dritteln aus Praxis und zu einem Drittel aus Theorie. Zur Berufsschule fahren die Auszubildenden nach Lichterfelde Süd. Am dortigen Oberstufenzentrum für Bürotechnik und Verwaltung lernen auch diejenigen, die im Bezirksamt eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte absolvieren. Während der Ausbildung haben die Azubis in der Stadtbibliothek eine zentrale Ausbilderin. Hinzu kommen Anleiter*innen für die fachlichen Aufgaben in den einzelnen Bibliotheksstandorten. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber auf zwei oder zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Viele verkürzen auf zweieinhalb Jahre, so auch Ida Graef.

Die Hauptbibliothek für Ida und Jason ist die Bezirkszentralbibliothek. Joshua ist schwerpunktmäßig in der Mittelpunktbibliothek am Kottbusser Tor eingesetzt. In ihrer Hauptbibliothek verbringen die Auszubildenden die meiste Zeit, rotieren aber auch in die anderen beiden Häuser.

Kinderbücher

Dienste an der Theke, im Sortierraum und bei Veranstaltungen

Während der Ausbildung werden sie viel an der Theke eingesetzt. Auch Sortierdienste übernehmen sie regelmäßig. Gerade zu Beginn der Ausbildung seien sie viel im Sortierraum gewesen, um das System kennen zu lernen. „Man muss lernen, auf welchen Wagen welche Medien geräumt werden müssen und ein Auge für die Aufgabe entwickeln.“ Im Sortierraum werden die Medien auch auf Schäden kontrolliert. Zudem wird bei Büchern geschaut, ob gegebenenfalls Lesezeichen darin vergessen wurden. Das passiert sehr häufig. Geld, Tickets, Briefe, Rezepte, Kinderfotos oder Kinderzeichnung – all diese Dinge haben die Auszubildenden in den letzten Jahren zwischen den Buchseiten gefunden. Wenn ihnen etwas von Wert in die Hände fällt, schauen die Kolleg*innen schnell im Vorraum, ob die Person, die das Buch gerade abgegeben hat, noch dort ist. Alternativ kann im Verleihsystem nachgeschaut werden, wer das Buch als letztes ausgeliehen hat.

Auch Aufgaben der zentralen Einarbeitung im Büro übernehmen die Auszubildenden. Dort kommen die neuen Bücher an und werden eingearbeitet und kontrolliert. Ida Graef: „Das Niveau der Aufgaben, die wir übernehmen, steigert sich mit der Zeit.“

Die Kasse an der Theke betreuen die Auszubildenden ebenfalls. Dort müssen sie kassieren und die Einnahmen des Tages kontrollieren. Bei Kinderveranstaltungen in den Bibliotheken unterstützen die jungen Kolleg*innen den Auf- und Abbau. Für den Kindersoftwarepreis „TOMMI“ betreuen sie die Ausprobierstation für Kinder und unterstützen diese dabei, die Spiele zu testen.

Generell mögen die drei Auszubildenden die Dienste an der Theke. Dort habe man meistens immer einen sehr netten Austausch, vor allem mit Stammkund*innen, die regelmäßig in die Bibliothek kommen. Gerade bei Kindern, die die Bibliothek über Jahre hinweg regelmäßig besuchen, sei es interessant, die Entwicklung zu sehen. Jason Jahnke: „Ich mag den Thekendienst. Dort ist es immer sehr abwechslungsreich. Im Sortierraum kann es auf Dauer etwas langweilig werden.“ Gleichzeitig führe das Sortieren der Medien in der Regel dazu, dass man sich selbst etwas ausleihe, weil man immer etwas entdecke, das einen interessiere.

Bezirkszentralbibliothek

Praktika in anderen Bibliotheken - auch im Ausland

Teil der Ausbildung sind auch Praktika in anderen Einrichtungen, wie etwa wissenschaftlichen Bibliotheken, in Archiven oder Bibliotheken im Ausland. Ein Praktikum ist Pflicht, ein zweites optional. Einer der anderen Azubis absolviert sein Praktikum gerade in Neuseeland. Die Berufsschule unterstützt die Auszubildenden bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung im Ausland. Jason hat sein Praktikum in der Bibliothek des Bundestages verbracht. Ida war in der Bibliothek der Universität der Künste und der Bibliothek des Instituts für Menschenrechte. Dorthin wird es auch Joshua für sein Praktikum verschlagen. Außerdem plant er ein Auslandspraktikum in der National Library auf Malta.

Nach Ende der Ausbildung haben die jungen Kolleg*innen eine Übernahmegarantie für zwei Jahre. Insgesamt seien die Übernahmechancen aber gut, da viele Mitarbeitende in der Stadtbibliothek zu den Babyboomer*innen zählen und in den nächsten Jahren in Rente gehen werden.