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Tier des Monats: das Eichhörnchen

24.03.2021

Eichhörnchen im Robinienwäldchen
Aufnahme Wildtierkamera im Rahmen des Projekts im NER Robinienwäldchen "Wilde Tiere in der Stadt" letzten Herbst (2020) in Kooperation mit Schüler*innen der Fanny-Hensel-GS und dem Projekt Artenfinder der Stiftung Naturschutz.
Bild: Wildtierkamera im Robinienwäldchen

Die vielfältige Stadtnatur in unserem Innenstadtbezirk ist häufig nur auf den zweiten Blick sichtbar. Darum stellen wir nun jeden Monat im Bezirksticker ein Tier des Monats vor, das in unserem Bezirk lebt.

Es raschelt nicht nur in der Hasel, Eiche und Robinie. Ihre koboldhafte Gestalt mit fingerartigen Zehen an den kurzen Vorderbeinen, ihre tollkühnen Kletterkünste das Männchenmachen, ihre scheinbar pausenlose Geschäftigkeit und das oft futterzahme Verhalten an Spazierwegen bringen das Eichhörnchen auf der Beliebtheitsskala unserer wilden Stadtnaturbewohner weit nach oben.

Eichhörnchen sind flexible Wald-, Park- und Gartenbewohner und Allesfresser, die je nach Jahreszeit Nüsse, Samen, Beeren, Pilze, Knospen, Triebe, Wirbellose, Vogeleier und Jungvögel fressen.

Unsere wilden Xhainer Eichhörnchen lieben die Haselnüsse von den Bäumen am Görlitzer Park und kommen sogar auf unsere Balkone (auch an der Fassade bis in den 8. Stock), um nach Leckereien Ausschau zu halten, die sie dann zum Verzehr in ihren feingliedrigen langen Krallen halten. Auch auf den Freiflächen von Kindertagesstätten sind die Friedrichshain-Kreuzberger Eichhörnchen gern unterwegs und sorgen so für beste Unterhaltung der Kitakinder.

Ausgewachsene Eichhörnchen wiegen um die 350 Gramm. Sie sind ohne Schwanz 20 bis 25 cm und mit ihm doppelt so groß.

Eichhörnchen
Bild: Marita Meyer

Eichhörnchen sind echte Akrobaten. Sie springen bis zu fünf Meter durch die Baumkronen und können kopfüber die Stämme hinuntersausen. Seine hohe Körperspannung, muskulöse Schenkel und das spezielle Sprunggelenk helfen dabei. Vor allem der buschige lange Schwanz dient ihm zur Steuerung und Balance. Er schützt aber auch als Sonnenschirm vor der Sonne und dem schlafenden Hörnchen in seinem Nest, dem Kobel, als warme kuschelige Langhaar-Decke.

Auf der Flucht vor Feinden, wie Greifvögeln oder auch Baummardern und Hauskatzen, kann der Schwanz sich sogar zum Fallschirm verwandeln, mit dessen Hilfe das Hörnchen sich aus der Baumkrone sicher bis auf den Boden „fallen“ und so entkommen kann.

Alle Sinne sind sehr gut ausgeprägt. Das Eichhörnchen hat große Augen, einen sehr guten Hörsinn und Tasthaare an der Schnauze, über den Augen, an den Beinen, am Bauch und über der Schwanzwurzel. Besonders beeindruckend ist sein Geruchssinn. Vergrabene Nüsse kann es auch in 30 Zentimetern Tiefe noch riechen.

Eichhörnchen sind tagaktive Einzelgänger, die meist mehrere Kobel bewohnen. Diese gepolsterten Reisigkugeln haben 15 Zentimeter Innenraumdurchmesser.

Eichhörnchen paaren sich zweimal jährlich: Ende Dezember/Anfang Januar und von Mai bis August. Nach 38 Tagen Trächtigkeit kommen zwei bis fünf jeweils zehn Gramm schwere Junge zur Welt, um die sich das Weibchen alleine kümmert. Erste Fellhaare sprießen um den achten Lebenstag, mit 32 Tagen öffnen sich die Augen.

Die Nager halten keinen Winterschlaf, sondern nur Winterruhe und legen sich im Herbst Vorräte an. Sie vergraben und verstecken zahlreiche Nüsse und auch andere Früchte im Boden, unter Wurzeln oder in Rindenritzen. Wenn sie im Winter keine Nahrung finden, suchen sie mit Hilfe ihrer feinen Nase die meisten Verstecke wieder. Aus den Nüssen, die nicht gefunden werden, können neue Bäume wachsen.
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Eichhörnchen hinterlassen beim Fressen typische Spuren. Ein struppig abgenagter Fichtenzapfen etwa stammt vom Eichhörnchen. Nüsse spaltet das Eichhörnchen in zwei Hälften, um an den leckeren Kern zu kommen.

Eichhörnchen stehen unter Artenschutz

Unser Eurasisches Eichhörnchen gehört zu den besonders geschützten Wildtieren. Nur in Fällen, in denen sich das Wildtier nicht selbst helfen kann, beispielsweise bei verwaisten Jungtieren, ist es gestattet, das/die Tier/e in die Obhut zu nehmen. Sobald sich dies/e dann selbständig wieder in der Natur zurechtfinden kann, ist es in diese zu entlassen.

Hilfe bietet der Eichhörnchen Notruf e. V. Und ist unter 0700 200 200 12 täglich von 10 bis 12 Uhr und 17 bis 19 Uhr erreichbar.

Wer mehr über unsere Stadtnatur in Xhain erfahren möchte, kann ab sofort die Angebote des Umweltbildungszentrums im Wriezener Park nutzen, das Umweltstadträtin Clara Herrmann Mitte März eröffnet hat.