Wieder-Eröffnung des Moabiter Kinderhofs: „Ihr alle dürft mitklatschen“

Stephan Machulik

Staatssekretär Stephan Machulik zeigte sich beeindruckt von der räumlichen Wirkung des Spielhauses und lobte die Verknüpfung von Fördermitteln.

Feierliche Wieder-Eröffnung einer Institution der Jugendarbeit

Einzig „Big Mama“, „Garfield“ und „Sparky“ hatten am 17. Oktober die Ruhe weg. Während auf dem Gelände des Kinderhofs wegen der offiziellen Wieder-Eröffnung großer Trubel herrschte, schnabulierten die Moabiter Kaninchen längst an ihrem Festmahl aus Blattsalat und Obst.
Zur selben Zeit schaute sich der Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz mit großer Bewunderung in den neuen Räumen des Moabiter Kinderhofs um. Zuletzt war Stephan Machulik im Dezember 2023 hier – zum Richtfest. Die damalige, notdürftige Beleuchtung mit Baustrom erschwerte etwas die Vorstellung von einer künftigen, hellen Kinder-Einrichtung. Doch inzwischen läuft im neuen Holzhaus seit Sommer der Regelbetrieb und auch den beiden Stadträten des Bezirksamtes Mitte, Christoph Keller (Jugend) und Ephraim Gothe (Stadtentwicklung), wurde an diesem Nachmittag schnell klar, wer hier das Zepter übernommen hat: So schnappte sich die neunjährige Samira zu Beginn der Veranstaltung das Mikro, bedankte sich bei den Betreuer:innen des Trägervereins Stadtteilgruppe Moabit e.V. und erklärte den knapp 100 Anwesenden eindringlich, dass sie ihre Handy-Aufnahmen von ihrem Auftritt bitte nicht auf TikTok teilen sollten.

Sedanur Karaca mit den Stadträten

Quartiersrätin und Nachbarin Sedanur Karaca dankte den beiden Stadträten aus Mitte (Christoph Keller und Ephraim Gothe), dass ihr Versprechen, das Spielhaus mit seinen verschiedenen Funktionen auch für die Nachbarschaft nutzbar zu machen, eingelöst wurde.

Dass so viele Gäste an diesem Freitagnachmittag vor Ort sind, hängt auch mit der gelungenen Verknüpfung von Städtebaufördermitteln zusammen. Der Staatssekretär lobt in seiner kurzen Ansprache, dass für die Neugestaltung des Abenteuer- und Naturspielplatzes „Moabiter Kinderhof“ mit dem 300 Quadratmeter großen Spielhaus zwei Fördertöpfe „angezapft“ wurden. 4 Mio. Euro kamen über das Programm Sozialer Zusammenhalt und noch einmal 330.000 Euro für die Freianlagen aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung.
Für den Jugendstadtrat Christoph Keller hat dieses Areal eine zentrale Bedeutung in einem Stadtteil, wo viele Kinder mit schwierigen Startbedingungen leben. Die hier geleistete soziale Arbeit sei eine wichtige Ergänzung zur schulischen Bildung. Wie zum Beweis zeigten anschließend die fünf Mädchen mit Stolz und Engagement, was sie hier im Musik-Kurs nach der Schule gelernt haben: nämlich Medienkompetenz, das Komponieren via Tablet oder das Einstudieren von HipHop-Tänzen und Rap-Songs. Sedanur Karaca, Quartiersrätin aus Moabit und Mitglied der Seniorenvertretung, machte mit wenigen Sätzen klar, dass das Haus vormittags auch ihrer Altersgruppe und für Eltern offenstehen sollte. Diesen Ball nahm Ephraim Gothe gern auf, denn ihm sei dieser Aspekt der Mehrfachnutzung und Teilhabe wichtig, genauso wie die dafür notwendige Barrierefreiheit. In diesem Sinne bat die langjährige Leiterin des Kinderhofs Irene Stephani die drei Politiker und den Architekten Torsten Suschke (Kersten Kopp Architekten), das letzte Bauteil zur Barrierefreiheit im Foyer des Spielhauses anzuschrauben: nämlich ein Tast-Relief des Gebäudes aus Holz.

Kletterturm und Kaninchenhaus

Der alte, selbst gebaute Kletterturm gehört zum Image des Kinderhofs. Er wurde liebevoll restauriert und fit für die Zukunft gemacht. Links daneben befindet sich das Kaninchenhaus.

Im Sinne der Nachhaltigkeit wurden überhaupt viele Restmaterialien aus dem Bestand wieder verwendet, u.a. Steine, Platten und Findlinge. Sehr glücklich ist der Trägerverein, dass auch der alte, selbst gebaute Kletterturm erhalten und fit für die Zukunft gemacht werden konnte.
Zufrieden scheinen auch die Stadtkaninchen über ihren neuen Stall ganz hinten in einer ruhigen Ecke. Das Füttern und die Pflege bleiben also Teil des pädagogischen Angebots und der Kinderhof wiederum Teil der Natur-Route durch den Fritz-Schloß-Park.

Barbara Willecke

Landschaftsarchitektin Barbara Willecke erklärt das nachhaltige Konzept des Freiraums.

Dann lud die Landschaftsarchitektin Barbara Willecke Interessierte zu einer Begehung durch den Garten ein. Der wurde behutsam neugestaltet, basierend auf einer intensiven Beteiligung von Kindern, Eltern und dem Betreuungspersonal. Im Ergebnis stehen hier kaum fertige Elemente, sondern Podeste, die durch den Kinderhof selbst noch gestaltet werden. An der „Baustelle“ haben schon mehrere Kinder zu Hammer, Nägeln und Säge gegriffen und ergänzen die im Boden verankerten Holzstangen mit Elementen aus Resthölzern.

Feierliche Eröffnung des Moabiter Kinderhofs

  • Kaninchen Garfield

    Die Pflege und das Beobachten der Tiere gehören zum pädagogischen Konzept. Deshalb wurde ein neuer Stall mit Auslaufbereich gebaut.

  • Hochbeet für Rollstuhl

    Das Hochbeet ist mit dem Rollstuhl unterfahrbar und soll von den Kindern noch bepflanzt werden. Die wieder verwendeten Pflastersteine am Rand dienen als Leitsystem für seheingeschränkte Personen.

  • Tast-Relief

    Torsten Suschke von den Kersten Kopp Architekten verschraubt das Relief für Seh-Eingeschränkte im Foyer.

  • Baustelle

    Auf der „Fertig-Bau-Stelle“ liegen schon Werkzeuge und alte Holzreste bereit. Die unterschiedlichen Holzpflöcke sind fest im Boden verankert, die roten Streifen markieren die ungefährliche Fallhöhe für Kinder im Grundschulalter.

  • Lehmbackofen

    Der alte Lehmbackofen – Marke Eigenbau – bekam ein neues Dach und wird in den Herbstferien wieder in Betrieb genommen..