Neu-Hohenschönhausen: Ein Campus für Jugend und Familie im grünen Nordosten

Über Eck gebauter Flachbau in Holzbauweise mit Gründach. Im Hof ein großer Kessel

Der Jugendclub wird umfassend saniert und um ein Familienzentrum und ein Wohnhaus erweitert

Im Ortsteil Falkenberg wird das beliebte Holzwurmhaus erweitert

Unmittelbar hinter der Tramschleife der Linien 4 und 17 beginnt das Naturschutzgebiet (NSG) Wartenberger/Falkenberger Luch. Hier können Berlinerinnen und Berliner eine artenreiche Landschaft – Heimat vieler Amphibien, Vögel und seltenen Pflanzen – entdecken. Seit 1996 steht dieses 25 Hektar große Gebiet mit Wiesen und Sümpfen unter Schutz. Im selben Jahr wurde am Eingang des NSG gleich neben der Tram-Haltestelle der „Jugendclub Holzwurmhaus“ eröffnet. Die Unterschutzstellung der Landschaft hatte schon damals einen großen Einfluss auf die Bauweise sowie die Nutzung des Gebäudes und damit auch auf die dortige Jugendarbeit. Lichtenberger Jugendliche konnten in dem Niedrigenergie-Holzhaus mit Naturmaterialien basteln, im weitläufigen Garten Amphibien beobachten und kleine Experimente durchführen.

Zu sehen ist eine Holzfassade mit vielen Schäden.

Sichtbare bauliche Schäden am Bestandsgebäude von 1996.

Das Holzhaus weist nach 30 Jahren intensiver Nutzung viele bauliche Mängel auf. Daher wird es derzeit bis auf die Trägerkonstruktion abgetragen und in moderner Holzbauweise mit hinterlüfteter Verschalung neu aufgebaut. Die Sanierung und die technische Anpassung des Holzhauses an heutige Standards, z.B. in Sachen Barrierefreiheit und Lärmschutz, wird zu einem großen Teil über das Förderprogramm Nachhaltige Erneuerung finanziert (insgesamt 2,48 Mio. EUR). Durch die Verwendung von Fertigteilen soll der Jugendclub bereits in zwei Jahren wieder in Betrieb gehen. Doch das Areal des Holzwurmhauses wird danach noch eine Baustelle bleiben. Denn gegenüber sind zwei Erweiterungsbauten geplant, die mit dem Jugendclub einen Innenhof umschließen werden und die Vision eines „Campus für Jugend und Familie“ Wirklichkeit werden lassen.

Visualisierung des künftigen Campus

Visualisierung des künftigen Areals: Ansicht von der Falkenberger Chaussee

Gut sichtbar von der Tramhaltestelle aus entsteht ein dreistöckiger Neubau mit zwei Wohnbereichen für queere Jugendliche. Das Erdgeschoss sowie einen polygonalen Anbau nutzt das Familienzentrum, das Eltern und ihren Kindern von der Geburt an einen Ort für Bewegung, Beratung und Begegnung bieten möchte. Mit diesen Angeboten soll die notwendige Infrastruktur für die Umsetzung des Berliner Modells der „Präventionsketten“ geschaffen werden. Ein breites Netzwerk hat sich das Ziel gesetzt, Kindern in vielen Bezirken die gleichen Chancen für gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Der Bedarf an Unterstützung ist groß, denn in der Bezirksregion Hohenschönhausen-Nord gibt es viele Haushalte mit geringen Einkünften und multiplen sozialen Problemen. Zudem wurden ca. 3.000 Geflüchtete in den letzten Jahren hier untergebracht. Diese Problemlagen berücksichtigend hat eine aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung finanzierte Machbarkeitsstudie empfohlen, nicht nur das in die Jahre gekommene Holzwurmhaus zu ersetzen, sondern auf dem weitläufigen Gelände einen Campus für die ganze Familie zu errichten.

Die Erd- und Abrissarbeiten für das Holzwurmhaus an der Tramschleife Falkenberg haben begonnen.

Die Erd- und Abrissarbeiten für das Holzwurmhaus an der Tramschleife Falkenberg haben begonnen.

Die Erweiterung des „Campus“ mit den beiden Gebäuden wird zu 40 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Programm Europa im Quartier gefördert. Weitere Mittel kommen aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung.

Das neue Gebäudeensemble soll sich wie der Vorgänger in die Landschaft einfügen. Zukünftig kommt eine Wärmepumpe (in Kombination mit Solarthermie und einer Photovoltaikanlage) zum Einsatz. Das Abwasser wird in einer neuen Schilfrohrkläranlage gereinigt und dient dann zur Bewässerung der Grünflächen. Hier können sich dann auch wieder Amphibien ansiedeln, die im Moment durch einen Schutzzaun von der Baustelle ferngehalten werden. Konkreter und besser kann man den künftigen Nutzerinnen und Nutzern kaum den Naturschutzgedanken vermitteln.

Zur ausführlichen Projektbeschreibung: Das neue Holzwurmhaus

Empfehlung: Der Berliner „Grüne Hauptweg 6“ führt direkt am Projektgrundstück vorbei. Auf der 17 Kilometer langen Wanderstrecke kann man darüber hinaus zahlreiche, abgeschlossene Projekte der Nachhaltigen Erneuerung entdecken.