Haus der Jugend am Südkreuz: Herausforderung oder Chance für die Nachbarschaft

Infoabend Haus der Jugend - Plenum mit Präsetantion und Podium

Infoabend am 6.11. im Willy-Brandt-Saal, Rathaus Schöneberg

Der Infoabend am 6. November konnte einige Vorbehalte ausräumen

Das Haus der Jugend ist eins der letzten großen Projekte des Programms Nachhaltige Erneuerung im Fördergebiet Schöneberg-Südkreuz und ein Herzensanliegen des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. In dem geplanten Neubau sollen auch die beiden selbst verwalteten Jugendzentren Drugstore und Potse einen sicheren Ort für ihre Arbeit finden. Sie mussten vor Jahren ihre Räume in der Potsdamer Straße verlassen und auf drei angemietete Standorte ausweichen, u.a. im 14 Kilometer entfernten Rockhaus in Lichtenberg. Ihr Heimatbezirk sucht schon lange nach einer guten und gemeinsamen Lösung für die beiden Jugendzentren. Nun ist sie mit dem geplanten Neubau für das Haus der Jugend am Werner-Voss-Damm gefunden. Doch der Ort ist nicht unumstritten, Anwohnerinnen und Anwohner sorgen sich vor allem um die Ruhe in der Gartenstadt, an dessen Rand das Haus der Jugend ab ca. 2028 errichtet werden soll.

Infoabend Haus der Jugend - Podium mit Oliver Schworck als Redner

Bezirksstadtrat Oliver Schworck und die Gebietsbeauftragte Nadine Fehlert begrüßen die Gäste

Deshalb hatte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg für den 6. November 2025 zu einem Informationsabend eingeladen. Ziel war das Projekt vorzustellen und Hinweise aus der Nachbarschaft für den noch im November mit der Bekanntmachung beginnenden Architekturwettbewerb zu sammeln. Rund 150 Menschen folgten der Einladung in den Willy-Brandt-Saal des Rathauses Schöneberg. Nadine Fehlert vom Büro Jahn, Mack & Partner, Gebietsbeauftragte für die Nachhaltige Erneuerung im Fördergebiet Südkreuz, begrüßte die Gäste und lud das sechsköpfige Podium zu einer Vorstellungsrunde ein. Dort standen der Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit, Oliver Schworck, der Leiter des Stadtentwicklungsamtes Andreas Baldow, der Leiter des Referats Stadtgestaltung und Wettbewerbe bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bernhard Heitele, der Leiter des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg, Rainer Schwarz sowie Momo und Domi als Vertreterinnen der beiden Jugendzentren mit viel Input bereit und für alle Fragen zur Verfügung. Im Publikum waren auch zahlreiche weitere Jugendliche sowie Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg und von mehreren Bürgerinitiativen.

Bezirksstadtrat Oliver Schworck kündigte schon zu Beginn an, man werde über den gesamten Prozess bis zur geplanten Fertigstellung 2030 mit allen Betroffenen im Gespräch bleiben. Jugendamtsleiter Rainer Schwarz stellte die inhaltliche Planung vor: Neben den beiden Jugendzentren soll auch ein Jugendbildungsträger Räume für Seminare und Beratung nutzen und organisatorische Belange für das Haus der Jugend übernehmen. Geplant sind auf 800 Quadratmetern Nutzfläche u.a. Werkstatträume für Holz- und Keramikarbeiten, eine kleine Bühne für Konzerte, Partys und Lesungen, Proben-, Seminar- und Sporträume, mehr als die Hälfte der Fläche in gemeinsamer Nutzung durch alle ansässigen Träger. Mitte 2026 soll mit der Entscheidung für einen Siegerentwurf der architektonische Wettbewerb beendet sein.

Andreas Baldow begründete die Entscheidung des Bezirks für den neuen Standort des Hauses der Jugend, der sich zwischen Misch- und Wohngebiet sowie einer Kleingartenanlage befindet. Jugendeinrichtungen sind in beiden Baugebietstypologien zulässig, müssen sich aber natürlich an die gesetzlichen Vorgaben und Bauvorschriften halten. Das Grundstück gehört dem Bezirk und kann zeitnah bebaut werden. Für die unter den weit voneinander entfernten temporären Standorten leidenden Jugendzentren ist das besonders wichtig. Das anfangs ebenfalls zur Diskussion stehende Baufeld 9 zwischen Ella-Barowsky-Straße und Sachsendamm kann nicht vor Ablauf von acht bis zehn Jahren bebaut werden, dort stehen zunächst langwierige Verhandlungen mit der Autobahn GmbH und anderen Trägern bevor, außerdem müssen die Ergebnisse des laufende Bebauungsplan-Verfahrens abgewartet werden.

Infoabend Haus der Jugend - am Mikrofon zwei Vertreterinnen von Potse und Drugstore

Momo und Domi (am Mikrofon) stellen die Arbeit von Potse und Drugstore vor

Bernhard Heitele erläuterte anschließend als Leiter der Wettbewerbsabteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen den Ablauf des Wettbewerbs, den seine Abteilung für den Bezirk durchführt. Ende Januar 2026 sollen zehn Architekturbüros zur Teilnahme ausgewählt werden, und zwar nach Eignung und Erfahrung mit ähnlichen Aufgaben. Ab Februar bekommen sie zehn Wochen Zeit zur Bearbeitung. Ende Mai folgt die Auswahl des Siegerentwurfs und der Platzierten durch ein Preisgericht. Im Juni ist eine Ausstellung aller Wettbewerbsbeiträge geplant. Zur sogenannten Auslobung des Wettbewerbs wird auch die Dokumentation des Infoabends mit den Hinweisen der Gäste gehören.

Bevor es in die Diskussion in vier Arbeitsgruppen ging, stellten Momo und Domi die Arbeit von Potse und Drugstore vor. 46 Jahre lang betrieben Jugendliche wie sie die beiden nichtkommerziellen, selbstverwalteten Jugendzentren in der Potsdamer Straße in enger Kooperation. Auch deshalb wünschen sie sich in Zukunft wieder einen gemeinsamen Standort, wo junge Leute bis 26 Jahre Gemeinschaft, kostenlose Kulturangebote und Möglichkeiten finden, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Wichtig für Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden sind Potse und Drugstore auch als geschützte Räume, denn Gewalt, Diskriminierung, Drogen und hochprozentiger Alkohol sind dort tabu.

Infoabend Haus der Jugend - Diskussion in einer Arbeitsgruppe

Die Diskussion in den Arbeitsgruppen waren konstruktiv und brachten viele Ideen zutage

In der Diskussion im Plenum kamen die Themen zur Sprache, die in den Arbeitsgruppen dann vertieft wurden: vor allem die Angst vor Lärm im öffentlichen Raum und Vermüllung der Nachbarschaft. Hier äußerten sich vor allem Nachbarinnen und Nachbarn aus der Gartenstadt, die sich kürzlich in einer Anwohnerinitiative „Haus der Jugend” zusammengeschlossen haben, sehr vehement und emotional. Sie kritisierten die Entscheidung für einen Standort in der Nähe ihrer Wohnsiedlung und wünschten sich für die konfliktfreie Jugendarbeit eine bessere Alternative, zum Beispiel auf dem Baufeld 9 in der Ella-Barowsky-Straße. Im ruhigen Wohngebiet am Werner-Voß-Damm seien Konflikte vorprogrammiert. Andere Stimmen aus der Nachbarschaft machten dagegen Mut: Es sei toll, dass in diesen Zeiten ein neuer Ort für Kultur und für die Jugend entstehe.

Dies sei eine Chance für die Nachbarschaft! Auch die jungen Leute konnten einige Ängste ausräumen, „die wilden Zeiten“ seien vorbei, an den aktuellen Standorten und auch zuvor in der Potsdamer Straße hatte man guten Kontakt mit der Nachbarschaft. Probleme wurden und werden stets in gutem Einvernehmen gelöst. Gegen Lärm von innen hilft ein Pegelmesser und natürlich die darauf ausgelegte Bauart und Architektur des neuen Hauses. Um Lärm auf der Straße zu vermeiden, müssen alle etwas dazutun, die Jugendlichen mit Aufklärung zu den eigenen Regeln und der Bezirk mit Präsenz und aktiver Begleitung. Selbstverwaltet heißt nicht anarchisch – Entscheidungen werden per Mehrheitsbeschluss im offenen Plenum getroffen und dann auch durchgesetzt. Verantwortliche Ansprechpersonen für die Nachbarschaft soll es auf beiden Seiten geben, auf Bezirksseite und auf Seiten der Jugendlichen vor Ort.

Infoabend Haus der Jugend - Tafel mit Ideen

Die Ideen und Wünsche aus den Arbeitsgruppen werden mit Fotos dokumentiert und den Wettbewerbsunterlagen hinzugefügt

Die ruhige und freundliche Offenheit der jungen Menschen half Vorbehalte abzubauen. In den Arbeitsgruppen kamen konkrete und konstruktive Fragen und Wünsche auf: Was ist mit der Barrierefreiheit? Wie wird die Nachbarschaft informiert? Kann das Gebäude flexibel genutzt werden? Sind gemeinsame Projekte mit der Nachbarschaft denkbar? Ja, das sei möglich und bereits erprobt an anderer Stelle. In der spontan entstandenen fünften Arbeitsgruppe kam die Idee einer gemeinsamen Begehung von Potse, Drugstore, der Verwaltung und Interessierten auf, die laut Nadine Fehlert gerne aufgegriffen wird. Zunächst steht nun der Wettbewerb um die beste architektonische Lösung an. Die Frage der Chancen und Potenziale für die Nachbarschaft wird dabei auch eine wichtige Rolle spielen. Jugendamtsleiter Rainer Schwarz versicherte den Menschen aus Neu-Tempelhof am Ende: „Auch wenn Sie es noch nicht glauben, wir tun alles dafür, dass auch Sie am Ende einen Mehrwert für Ihren Kiez erhalten.“