Stadtgrün pflanzen und pflegen

Viele Menschen bepflanzen gemeinsam ein Beet entlang einer Straße

Gemeinsam Gärtnern für ökologisch wertvolles Stadtgrün

In unserem Bezirk gibt es bereits viele Menschen, die an unterschiedlichen Orten gärtnerisch aktiv sind. Sie engagieren sich zum Beispiel am Baum vor ihrer Haustür, auf entsiegelten oder brachliegenden Flächen entlang der Straßen oder in Gemeinschaftsgärten, um mehr Stadtnatur entstehen zu lassen. Diese grünen Inseln laden zum Verweilen ein, bereichern die Artenvielfalt und bieten Wildbienen, Vögeln und anderen Insekten Nahrung sowie sichere Rückzugsorte.

Beratung für engagierte Bürger*innen in Friedrichshain-Kreuzberg

Der Bezirk möchte das Engagement der Gärtner*innen unterstützen und hat daher im Sommer 2025 die Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern eingerichtet.

Sie steht den Gemeinschaftsgärten, Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen bei allen Fragen rund um das nachhaltige Gärtnern in unserem Bezirk zur Seite, vernetzt engagierte Menschen und bietet Workshops bei Pflanz- und Pflegeaktionen in Friedrichshain-Kreuzberg.

Sie gibt Tipps zu insektenfreundlichen Pflanzen, verfügbaren Flächen, nachhaltiger Pflege und unterstützt bei der Gründung neuer Initiativen. Außerdem fungiert sie als Schnittstelle zur Verwaltung und kennt die lokalen Rahmenbedingungen genau.

Pflanzlisten und Pflegekalender für naturnahes Gärtnern

Für das erfolgreiche Pflanzen stellt die Koordinierungsstelle Listen bereit, die helfen, für unterschiedliche Standorte geeignete Pflanzen zu finden. Der Pflegekalender ist ein Leitfaden, um das ganze Jahr nachhaltig zu gärtnern.

Blumen wachsen durch Laubblätter am Boden

Frühling (Ende April) – Der Anfang

Frühjahrsputz: Sobald es im April zwei Wochen lang tagsüber über 10 °C war, kann das Beet “aufgeräumt” werden. Dann sind die meisten Insekten, die in den Pflanzenstängeln überwintert haben, bereits ausgezogen.

  • Stängel eine Handbreit über dem Boden abschneiden.
Ein Insekt sitzt auf einer Blattblüte und sammelt Pollen. Dahinter sind grüne Pflanzensprosse und Blätter zu sehen.

Frühling & Sommer (bis Oktober) – Die Wachstumsphase

  • Gießen: Nur bei Bedarf. Bei Trockenheit und großer Hitze etwa 1x pro Woche ausgiebig wässern.
  • Jäten: Etwa 1x pro Monat. Entfernt, was zu sehr wuchert (Entsorgung in die Biotonne) und invasive Pflanzen (im Hausmüll entsorgen!).
  • Beobachten und Genießen: Schaut, welche Insekten zu Besuch sind! Wenn ihr beim Jäten auf Engerlinge oder Puppen im Boden stoßt, buddelt sie vorsichtig wieder ein. Und denk dran: Wenn Insekten deine Pflanzen fressen, ist das ein Zeichen dafür, dass die Pflanze Teil des Ökosystems ist. Normalerweise fressen die Insekten die Pflanze nur für kurze Zeit, und sie sind wichtige Nahrungsquelle für Vögel.
Ein Marienkäfer überwintert in einem verblühten Blumenstängel

Herbst & Winter – Die Ruhephase

Herbstputz nicht erwünscht!

  • Stängel: Bitte über Winter stehen lassen. Sie sind echte Insektenhotels! Erst im Frühling abschneiden, wenn die Temperaturen konstant über 15 °C liegen.
  • Herbst ist Pflanzzeit! Bis zum ersten Frost könnt ihr mehrjährige Stauden und Blumenzwiebeln setzen. Sie sind bis zum Frühling gut eingewurzelt. Wertvolle Zwiebeln für erste Hummeln sind: Elfenkrokus, Traubenhyazinthe und Sibirischer Blaustern.
  • Sonnige Beete (6+ h Sonne): Laub vorsichtig abharken. Der Boden sollte “mager” bleiben. Der Laubhaufen ist ein Winterquartier für Igel und Insekten.
  • Schattige Beete (bis 4 h Sonne): Stauden bei Bedarf von Laub befreien und der Rest des Laubs einfach liegen lassen. Es verbessert den Boden und dient Insekten als Schutz.
Zwei grüne Gießkannen stehen auf einem Stein. Beide sind mit Gesichtern bemalt

Nachhaltig gießen

  • Anfangsphase (6 Wochen nach Pflanzung): Ca. 1x pro Woche gießen.
  • Etablierte Beete: Nur bei Bedarf und Trockenheit, dann aber ausgiebig.
  • Muss ich überhaupt Gießen? Gießt, wenn die Blätter schlaff herunterhängen. Stehen die Pflanzen grün und aufrecht, brauchen sie kein Wasser.
  • Warum seltener, aber mehr? So wachsen die Wurzeln in die Tiefe und die Pflanzen werden trockenresistenter.
  • Wann gießen? Am besten morgens oder abends.
  • Kratztest: Ist die Erde 10 cm tief feucht? Dann war es genug. Als Richtwert: 20 Liter pro m² (2 große Gießkannen).
  • Winter: In der Regel nicht nötig. Nur bei Kübelpflanzen unter Dach ca. 1x pro Monat gießen.
Eine Frau steht neben einer Gießkanne und gräbt mit einer Schaufel in der Hand im Boden

Richtig jähten

Spontanwuchs kann schön sein! Manchmal siedeln sich so großartige Insektenpflanzen an. Doch einige sehr konkurrenzstarke Pflanzen sollten entfernt werden, da sie andere verdrängen:

  • Invasive Neophyten: z.B. Götterbaum, Schmetterlingsflieder, Kanadische Goldrute, Kanadisches Berufkraut (im Hausmüll entsorgen!).
  • Einheimische “Wucherer”: z.B. Beifuß, Gänsefuß, Vogelmiere.

Eine vollständige Liste mit Bilder sind auf der Webseite von NaturaDB zu finden.

  • Pflegekalender für naturnahes Gärtnern

    PDF-Dokument (3.7 MB)

Diese und mehr Informationen gibt es auch auf der Projektseite des Trägers Plan B Berlin 2030 e.V.

Mehr Informationen für nachhaltiges Gärtnern finden sich auf den Seiten der Berliner Naturschutzverbände und des bezirklichen Umweltbildungszentrums NIRGENDWO.

Weitere Informationen zum Gärtnern im öffentlichen Straßenland sind auf der Webseite des Straßen- und Grünflächenamts zu finden.

Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern (KGG)

Elisabeth Moch