Baerwaldbad

Baerwaldbad - alte Halle, 13.01.2023

Das denkmalgeschützte Baerwaldbad wurde bis 1901 als erstes Berliner Stadtbad nach Plänen von Ludwig Hoffmann errichtet. Die beiden Gebäudeteile (alte und neue Halle) entlang der Baerwaldpromenade haben eine baukünstlerisch und städtebaulich besondere Außenwirkung für den Stadtteil Kreuzberg. Die alte Halle ist im Krieg weitgehend unbeschädigt geblieben. Der nördliche Anbau (die neue Halle) wurde 1917 eröffnet und nach Kriegszerstörungen bis 1955 wiederaufgebaut. Die Fassade wurde dabei dem Ursprung entsprechend wiederhergestellt, das Innere des Gebäudes aber in neuer Form errichtet.

Bis Juli 2002 betrieben die Berliner Bäderbetriebe das Schwimmbad. Danach übernahm der TSB e.V. (Tauchen-Schwimmen-Breitensport) die Trägerschaft des Bades, der sich neben dem Sportbetrieb auch um die Erhaltung, sukzessive Sanierung und Bewirtschaftung des Gebäudes kümmern sollte. In diesem Rahmen wurden Maßnahmen im Treppenhaus, den Umkleidekabinen und den ehemaligen Wannenbädern durchgeführt.

2015 wurde das Baerwaldbad vom Gesundheitsamt wegen hygienischer Mängel für zunächst ein Jahr und seit 2017 bis auf Weiteres geschlossen. Der TSB e.V. meldete Insolvenz an und nach einem längeren Gerichtsverfahren ist das Bad nun wieder beim Bezirk (sogenannter Heimfall an den Eigentümer).

Der Bezirk strebte bereits vorher eine umfassende Sanierung und energetische Verbesserung des Bades an. Ein energetisches Konzept 2014 war ein erster Schritt dazu (für das Gesamtensemble aus Bürgermeister-Herz-Grundschule, Kirche und Baerwaldbad).

In einem Bausubstanzgutachten wurde 2020 der Zustand der Gebäudesubstanz untersucht. Das Gutachten ergab, dass die Gebäudetechnik mit spezieller Schwimmbadtechnik völlig veraltet und nicht erhaltenswert ist. Durch die jahrzehntelange Nutzung als Schwimmbad haben sich Chlorschäden im Stahlbetongebildet, sodass das Bad im jetzigen Zustand nicht genutzt werden darf.

Bis zur Schließung war das Baerwaldbad ein besonderes Sport- und Freizeitangebot im Stadtteil und darüber hinaus. Neben dem Vereinssport fand hier auch Schwimmunterricht der Schulen im Quartier, Familienschwimmen und muslimisches Frauenschwimmen statt. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist das Angebot an Schwimmbad-Einrichtungen nicht ausreichend. Der Wegfall des Baerwaldbades als Schwimmhalle hat dies noch verstärkt.

Durch den andauernden Leerstand verfällt die Gebäudesubstanz zunehmend. Eine Zwischennutzung von Gebäudeteilen ohne Sanierung ist aus baurechtlichen und schwerwiegenden bautechnischen Gründen ausgeschlossen. Nach dem Bausubstanzgutachten aus 2020 würde eine Sanierung beider Hallen als Schwimmbäder mit über 41 Millionen € sehr kostenintensiv. Unterdessen haben sich die Kosten noch deutlich erhöht. Bisher gibt es jedoch weder eine Klärung der Finanzierung dieser Kosten noch einen zukünftigen Träger für das Baerwaldbad.

Baerwaldbad, neue Halle, 13.01.2023

Baerwaldbad, neue Halle, 13.01.2023

Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie

Das Baerwaldbad soll jedoch – trotz der großen Herausforderungen – erhalten und der weitere Verfall des Gebäudes verhindert werden.
Es soll zukünftig möglichst von breiten Bevölkerungsschichten gemeinwohl-orientiert genutzt werden. Dafür hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 14.12.2022 die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie für künftige Nutzungen beschlossen.

Die Machbarkeitsstudie hatte verschiedene Nutzungsszenarien und Trägermodelle für beide Hallen sowie die weiteren Räume in Zwischen- und Obergeschossen zu prüfen, einschließlich der finanzielle Tragfähigkeit dieser Szenarien. Die Wiederherstellung von mindestens einem der Hallenbäder für den Schwimmbetrieb war zu berücksichtigen und mit anderen bezirklichen und gemeinwohlorientierten Bedarfen zu ergänzen.

Mit den vorhandenen Grundlagen und Gutachten zu den Gebäuden und den Entwicklungsszenarien aus der Machbarkeitsstudie wurde eine Basis geschaffen, um einen weiteren Schritt in Richtung Umsetzung und Konkretisierung gehen zu können und dem zunehmenden Verfall der Bausubstanz entgegenzuwirken.

Vor diesem Hintergrund wurde das Planungsteam beauftragt, die Machbarkeitsstudie mit der Erarbeitung eines Sanierungs- und Nutzungskonzeptes weiterzuentwickeln. Ziel dieser Weiterführung sollte es sein, ein Gesamtsanierungskonzept zu erarbeiten, aus dem sich konkrete Sanierungsschritte und Maßnahmen ableiten lassen, hinter denen eine Nutzungsperspektive bzw. ein Nutzungsplan steht. Beide Konzepte waren so aufeinander abzustimmen, dass Investition, Bauförderung und Betrieb optimal ineinander greifen und sie sollten eine Sanierung und Nutzungsaneignung der einzelnen Gebäudeteile vorsehen.
Dies soll u.a. dazu beitragen, dass Sanierungsmaßnahmen zur Sicherung der denkmalgeschützten Substanz schnellstmöglich beginnen und das historische Gebäude sukzessive schrittweise reaktiviert werden kann.

Ergebnis der Machbarkeitsstudie

In einer 8-monatigen intensiven Umsetzungsarbeit hat sich das Planungsteam (L.I.S.T GmbH und KRP Architektur) in einer ersten Phase mit verschiedenen Analysen beschäftigt. Beginnend mit einer Analyse der umfangreichen Grundlagendokumentationen (Gutachten, Studien, Pläne, etc..) erfolgte eine städtebauliche Betrachtung und Einordnung in das Quartier, die Bezirksregion und den Stadtteil.
Parallel zu der Bausubstanz-und Potenzialanalyse konnten durch eine Reihe von Interviews verschiedene Akteure aus der Bezirksverwaltung, der Nachbarschaft und benachbarten Institutionen sowie weitere Akteure der öffentlichen Hand (BIM, BBB, GSE) in den Prozess eingebunden werden und so wichtige Informationen gewonnen werden, die für die weiteren Arbeitsphasen wichtige Grundlagen und Klärungen zur Bedarfs- und Versorgungssituation lieferten.
Als Ergebnis der Analysephase wurden ca. 12 Nutzungsszenarien anhand unterschiedlicher Vorgaben (z.B. Betreiber, Eigentumsverhältnisse und Sanierungskosten) und Kriterien (u.a. Kostenmiete, Denkmalschutz oder Nutzungsmischung) entwickelt, welche die Risiken und Chancen der jeweiligen Variante abbilden. Diese Szenarien wurden in der ersten internen Planungswerkstatt vorgestellt und intensiv mit den verschiedenen Fachbeteiligten diskutiert und abschließend bewertet. Der Ausschluss und die Vertiefung konkreter Nutzungsvarianten erfolgte in einer zweiten Planungswerkstatt und einer dritten Steuerungsrunde und baute auf den vorgelegten Ergebnissen der vertiefenden Untersuchung auf.

Hier können Sie Ergebnisse der Machbarkeitsstudie runterladen:

  • Baerwaldbad - Bericht-Machbarkeitsstudie.indd

    PDF-Dokument (10.4 MB)

  • Baerwaldbad_Prozessdiagramm-Machbarkeitsstudie.pdf

    PDF-Dokument (256.2 kB)

Vertiefung und weitere Handlungsschritte:

Mit den vorhandenen Grundlagen und Gutachten zu den Gebäuden und den Entwicklungsszenarien aus der Machbarkeitsstudie wurde eine sehr solide Basis geschaffen, um einen weiteren Schritt in Richtung Umsetzung und Konkretisierung gehen zu können und dem zunehmenden Verfall der Bausubstanz entgegenzuwirken.
Vor diesem Hintergrund wurde das Planungsteam Anfang 2025 beauftragt, die Machbarkeitsstudie mit der Erarbeitung eines Sanierungs- und Nutzungskonzeptes zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Ziel dieser Weiterführung sollte es sein, ein Gesamtsanierungskonzept zu erarbeiten, aus dem sich konkrete Sanierungsschritte und Maßnahmen ableiten lassen, hinter denen eine Nutzungsperspektive bzw. ein Nutzungsplan steht. Beide Konzepte sind so aufeinander abzustimmen, dass Investition, Bauförderung und Betrieb optimal ineinander greifen und eine Sanierung und Nutzungsaneignung der einzelnen Gebäudeteile vorsehen.
Dies soll u.a. dazu beitragen, dass die Sanierungsmaßnahmen zur Sicherung der denkmalgeschützten Substanz schnellstmöglich beginnen und das historische Gebäude sukzessive schrittweise reaktiviert werden kann.

Baerwaldbad - am Tag des Offenen Denkmals 10.09.2025

Baerwaldbad - am Tag des Offenen Denkmals 10.09.2025

Sichtbarkeit und Beteiligung:

Im Rahmen der Erarbeitung des Nutzungskonzepts und des Sanierungsplans wurden im Jahr 2025 im Baerwaldbad mehrere Veranstaltungsformate (Führungen, Workshops, Fachgespräche) zur Steigerung der Sichtbarkeit dieses Ortes erprobt und durchgeführt. Dadurch wurde zahlreichen Menschen und Akteuren aus der Nachbarschaft sowie Interessierten der Zugang zu dem Ort gewährt und eine Beteiligung am aktuellen Prozess ermöglicht. Es wurden mehrere Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen gestartet. Diese haben anregende Entwürfe und neue Perspektiven für die Diskussion um das Gebäude entwickelt und öffentlich vorgestellt.

Am Tag der Städtebauförderung wurde eine Führung mit Andrea Kirste von der unteren Denkmalschutzbehörde angeboten. An diesem Tag fand im Erdgeschoss des Gebäudes eine Ideenwerkstatt mit Interessierten und potenziellen Akteuren statt. Ziel war es, ein Netzwerk aufzubauen, konkrete Nutzungsideen zu erfassen und die Menschen miteinander zu aktivieren und in Kontakt zu bringen.

Auch im Rahmen des Tags des offenen Denkmals 2025 haben über 170 Menschen an den Führungen teilgenommen. Viele weitere Interessierte haben diesen besonderen Ort an diesem Tag begeistert entdeckt oder wiedergefunden.

Fotos Baerwaldbad

  • Baerwaldbad - Plakat Ausstellung Bachelorarbeiten TU Berlin, Sept. 2025

    Baerwaldbad - Plakat Ausstellung Bachelorarbeiten TU Berlin, Sept. 2025

  • Baerwaldbad - am Tag des Offenen Denkmals 10.09.2025

    Baerwaldbad - am Tag des Offenen Denkmals 10.09.2025

  • Baerwaldbad - Rundgang am Tag der Städtebauförderung, 10.05.2025

    Baerwaldbad - Rundgang am Tag der Städtebauförderung, 10.05.2025

  • Baerwaldbad Stadtwerkstatt 2024

    Baerwaldbad Stadtwerkstatt 2024

  • Baerwaldbad - alte Halle, 13.01.2023

    Baerwaldbad - alte Halle, 13.01.2023

  • Baerwaldbad - alte Halle mit Fensterfront

    Baerwaldbad - alte Halle mit Fensterfront

  • Baerwaldbad - alte Halle, 13.01.2023

    Baerwaldbad - alte Halle, 13.01.2023

  • Baerwaldbad, neue Halle, 13.01.2023

    Baerwaldbad, neue Halle, 13.01.2023

  • Baerwaldbad - neue Halle, 13.01.2023

    Baerwaldbad - neue Halle, 13.01.2023

  • Baerwaldbad - alter Haartrockner, 13.01.2023

    Baerwaldbad - alter Haartrockner, 13.01.2023

  • Baerwaldbad - schon saniertes Treppenhaus, 13.01.2023

    Baerwaldbad - schon saniertes Treppenhaus, 13.01.2023

  • Baerwaldbad - Rückseite der alten Halle, 13.01.2023

    Baerwaldbad - Rückseite der alten Halle, 13.01.2023

  • Baerwaldbad - Nebenraum-Decke mit Wasserschäden

    Baerwaldbad - Nebenraum-Decke mit Wasserschäden

  • Baerwaldbad - Keller mit maroder Haustechnik, 13.01.2023

    Baerwaldbad - Keller mit maroder Haustechnik, 13.01.2023

  • Baerwaldbad- Kellerraum, 13.01.2023

    Baerwaldbad- Kellerraum, 13.01.2023

Finanzierung:

Das Bausubstanzgutachten 2020 und die Machbarkeitsstudie 2024 wurden aus bezirklichen Mitteln finanziert.

Fachbereich Stadtplanung

Leiter

Herr Peckskamp

Gruppe Infrastruktur und Städtebauförderung

Leiterin

Frau Kaden

Sprechzeit

Dienstag
9.00 bis 12.00 Uhr

und nach telefonischer
Vereinbarung

Rollstuhlgerecht Behindertenparkplatz Fahrstuhl WC nach DIN 18024

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