Zahngesundheit für alle: Das Team der Caritas, das dorthin fährt, wo es am meisten wehtut

Das Team des elmex-Zahnmobils der Caritas an der mobilen Zahnarztpraxis

Das Team des elmex-Zahnmobils der Caritas an der mobilen Zahnarztpraxis

Der Tag der Zahngesundheit am 25. September geht in Deutschland auf eine Initiative des Vereins für Zahnhygiene e. V. aus dem Jahr 1991 zurück und ist heute als bundesweiter Aktionstag für Mundhygiene, Vorsorge und Aufklärung etabliert. Doch während vielerorts vor allem über Putztechniken und Vorsorgetermine informiert wird, bringt Zahnärztin Dr. Maria Karakla mit ihrem vierköpfigen Team des elmex-Zahnmobils der Caritas die Zahngesundheit bereits seit 2023 dorthin, wo sie am dringendsten benötigt wird: direkt zu Menschen in prekären Lebenssituationen.

Leiterin Dr. Maria Karakla: „Niemand geht gern zum Zahnarzt – schon gar nicht, wenn man auf der Straße lebt!“ Deshalb ist das Team mit dem Zahnmobil der Caritas, einer Zahnarztpraxis auf Rädern, in Berlin dort unterwegs, wo sich Menschen aufhalten, die Hilfe brauchen. In der Nähe von Suppenküchen bietet es Obdachlosen und Menschen ohne Krankenversicherung kostenfrei Akutbehandlungen und Schmerzlinderung an. „Immer dienstags sind wir ab 12 Uhr in der Kreuzberger Einrichtung Zentrum Gitschiner 15, zwischen Hallesches Tor und Prinzenstraße.“

Menschen ohne Krankenversicherung werden hier kostenfrei behandelt

Menschen ohne Krankenversicherung werden hier kostenfrei behandelt

Regelmäßiger Einsatz in der Nähe von Suppenküchen

Neben der leitenden Zahnärztin besteht das eingespielte Team aus der zahnmedizinischen Fachangestellten Britta Fisseler, die das Projekt von Anfang an begleitet. Bevor sie nach Berlin kam, sammelte sie bereits Erfahrungen auf dem Zahnmobil in Hamburg. Salsabeel Al-Azazi hat Zahnmedizin im Jemen studiert. Da ihr Studium in Deutschland noch nicht anerkannt ist, arbeitet sie als zahnmedizinische Fachangestellte für die Caritas. Zusätzlich unterstützen ehrenamtliche Zahnärzt*innen das Hilfsprojekt. Am Steuer des Zahnmobils sitzt Fahrer Theo, der vorher 40 Jahre lang als Fliesenleger gearbeitet hat.

Der Aufbau der mobilen Zahnarztpraxis dauert nur wenige Minuten, dann sind die engagierten Helfer*innen einsatzbereit. Britta Fisseler: „Schnell und unkompliziert kommen wir mit den Menschen ins Gespräch, die auf dem Weg zum Essen an uns vorbeigehen müssen.“ Ein Leben auf der Straße vergibt keine Schwächen – daher ist es in vielen Fällen die Zahngesundheit, die extrem leidet. „Wir verteilen kostenfrei ein kleines Zahnputzset und bieten Untersuchungen an.“ Etwa zwei bis sieben Patient*innen können pro Einsatztag in der rollenden Praxis behandelt werden. Seit 2023 haben sich rund 260 Patient*innen fest registriert und suchen das Zahnmobil regelmäßig auf.

Bis zu sieben Patient*innen können pro Einsatztag in der rollenden Praxis behandelt werden

Bis zu sieben Patient*innen können pro Einsatztag in der rollenden Praxis behandelt werden

Untersuchungen mit Schutzmaske und Doppelhandschuhen

Dr. Maria Karakla, die in Bulgarien Zahnmedizin studierte und anschließend in Thessaloniki in Griechenland eine eigene Praxis führte, lebt und arbeitet seit 15 Jahren in Berlin: „Auch wenn wir behandlungstechnisch hier schnell an unsere Grenzen kommen, ist es wichtig, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, ihre Schmerzen zu lindern.“ Kaum vorstellbar sei das Leid, das zum Beispiel Drogenkonsum innerhalb kürzester Zeit verursachen kann. Karies wird beschleunigt durch mangelnde tägliche Mundhygiene, Mundtrockenheit infolge von Wassermangel, starkes Verlangen nach Süßigkeiten infolge von Drogenabhängigkeit und die direkte Einwirkung toxischer Substanzen auf die Zähne. „Wir sehen hier, wenn die Menschen sich trauen, die schlimmsten Zerstörungen.“ Die aggressiven Inhaltsstoffe der Drogen greifen den Zahnschmelz direkt an.

Crystal-Meth-Konsum wirkt wie Batteriesäure am Zahn

„Crystal-Meth-Konsum zum Beispiel wirkt wie eine Batteriesäure an den empfindlichen Zähnen.“ Zu Beginn zeigen sich an den Zahnhälsen und vor allem an den Frontzähnen braune oder schwarze Verfärbungen. Dann gehe es sehr schnell mit einer fortschreitenden Karies. „Die Zähne bröckeln oder brechen ab. Wie eine Girlande ziehen sich die Entzündungen und Verfärbungen entlang der Zahnhälse.“ Da viele der Patient*innen Hepatitis oder andere Infektionskrankheiten haben, arbeitet das Team mit Schutzmaske und Doppelhandschuhen.

Dr. Maria Karakla: „Wir bieten allen Interessierten kostenfreie Erstuntersuchungen an. Das, was wir mobil zur Schmerzlinderung tun können, machen wir. Wir ziehen auch Zähne, wenn es sich nicht vermeiden lässt.“ Für weiterführende Behandlungen hilft das Team bei der Vermittlung zu stationären zahnärztlichen Praxen. „Wenn nötig, begleiten wir die Patient*innen auch dorthin.“ Ebenso finden Betroffene hier Unterstützung, wenn zum Beispiel die Clearingsstelle der Berliner Stadtmission oder andere Hilfsangebote der Behörden für nicht krankenversicherte Menschen Kosten für notwendige zahnmedizinische Behandlungen übernehmen müssen.

Kinder entdecken in dem riesigen Gebiss des Drachens Linda kleine Unebenheiten, die sie behandeln dürfen

Kinder entdecken in dem riesigen Gebiss des Drachens Linda kleine Unebenheiten, die sie behandeln dürfen

Stofftieraffe Momo und Drachenlady Linda schaffen Vertrauen

Salsabeel Al-Azazi, die besonders die präventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liebt, berichtet von einem weiteren Projekt: „Ein wichtiger Punkt unserer Aufgaben ist auch der Vertrauensaufbau zu Zahnärzt*innen und Zahnarztpraxen. Das betrifft Erwachsene genauso wie Kinder.“ Mit der rollenden Zahnarztpraxis leistet das Team ebenfalls kostenlose zahnmedizinische Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche. „Gemeinsam mit meiner Kollegin Britta Fisseler habe ich nach unserem Start im Jahr 2021 Kitas und Jugendeinrichtungen direkt angesprochen und ihnen einen Besuch von unserem Mobil angeboten.“

Wie wichtig gesunde Zähne für junge Menschen sind, erklären die engagierten „Zahnfreund*innen“ anhand von Stofftieren, die auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen dürfen. „Wie bei einer echten Behandlung dürfen die Kinder selbst Hand anlegen und in die Rolle des Zahnarztes schlüpfen.“ Hocherfreut entdecken sie in dem riesigen Gebiss des Drachens Linda kleine Unebenheiten, die sie behandeln dürfen. „Sie lachen dabei viel und freuen sich, denn Drache Linda sieht aus wie die kleine Schwester von Kroko“, einem niedlichen Kuscheltier, das als Zahnputzstar im Dienst der LAG-Berlin Kinder fürs Zähneputzen begeistert. Der Zweite im Bunde ist Stofftieraffe Momo, der in seinem Milchzahngebiss einen kleinen Wackelzahn hat, den die Kinder dringend verarzten müssen.

Spielerisch werden im Zahnmobil der Caritas an die zahnärztlichen Instrumente herangeführt

Spielerisch werden im Zahnmobil der Caritas an die zahnärztlichen Instrumente herangeführt

Für die Kinder ist jeder Termin großer Spaß

Salsabeel Al-Azazi:„Jeder Termin mit den Kindern und Jugendlichen ist ein riesiger Spaß – für uns genauso wie für die Kinder!“ Damit sie die einzelnen Instrumente besser kennenlernen und die Angst davor verlieren, „dürfen die Kinder sie in die Hand nehmen und sich damit zum Beispiel ein wenig an der Handfläche kitzeln“, fügt* Britta Fisseler* hinzu.

Die Mühen und das Engagement der fröhlichen Truppe kommen gut an und werden stark nachgefragt. Inzwischen hat sich herumgesprochen, wie interessant und einfühlsam Kinder und Jugendliche von ihnen eingebunden und informiert werden. Die kostenlosen Veranstaltungen sind auf Monate ausgebucht.

Regelmäßig zeigt sich das Team mit dem Zahnmobil auch auf großen Veranstaltungen. „Wir besuchen mit unserem Mobil demnächst einen zahnärztlichen Kongress der Firma Elmex. Dort werben wir für das Ehrenamt, damit wir noch mehr Menschen in Not helfen können. Wir freuen uns über jeden Zahnarzt, der unsere Arbeit unterstützen möchte“, sagt Dr. Maria Karakla. Das Caritas- Zahnmobil ist auf ehrenamtliche Unterstützung wie auch auf Spenden, meistens von der Firma Colgate-Palmolive (GABA) angewiesen.

Salsabeel Al-Azazi erzählt erfreut: „Wir waren im Juni zum 2. berlinweiten Kitakongress, veranstaltet von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) eingeladen. Dort konnten uns die Fachkräfte aus Kitas und Kindertagespflege sowie die Fachberatungsstellen direkt buchen.“

Weitere Informationen

Caritas Zahnmobil
Dr. Maria Karakla
Telefon 0152-04 18 66 33
E-Mail: Zahnmobil@caritas-berlin.de
Website

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