Wie ein kleines Krokodil Kinder fürs Zähneputzen begeistert

Diana und Jelena

Kroko ist der absolute Star. Er ist in der Stadt so etwas wie ein analoger Zahnputz-Influencer. Wer mit ihm unterwegs ist, wird sofort angesprochen – vor allem von Kindern. Denn bei den Kitakindern ist das grüne Plüschkrokodil mit dem eindrucksvollen Gebiss berlinweit bekannt.

Das ist an diesem Freitagvormittag nicht anders. Mit ihrer Ausrüstung, zu der auch Kroko gehört, sind Jelena und Diana vom zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes in einer Kreuzberger Kita unterwegs. Jetzt in den Sommermonaten trägt das Kuscheltier – passend zum Wetter – sogar eine rote Sonnenbrille. Für den Winter hat eine der Kolleginnen aus dem Team ihm eine warme Mütze gehäkelt. So kommt das Maskottchen immer saisonal ausgestattet zu den Kindern.

Kroko im Hackenporsche

Mit dem Hackenporsche zur Kita

Zu Dienstbeginn trifft sich das Duo, bestehend aus Zahnärztin und Zahnarzthelferin, im Curt-Bejach-Gesundheitshaus in der Urbanstraße und packt dort gemeinsam ihre Tasche auf Rollen mit allem, was sie für die Zahnuntersuchung in einer Kindertagesstätte benötigen: Arbeitskleidung, Laptop, Listen und Formulare, eine Lampe für die Untersuchung, Zahnbürsten und Spiegel. Zahnarzthelferin Diana ist seit 2024 im Gesundheitsamt beschäftigt. Vorher war sie in einer Zahnarztpraxis tätig. Mit ihren Kolleginnen ist sie in beiden Ortsteilen des Bezirks in Kitas und Grundschulen zu Untersuchungen unterwegs. Jelena arbeitet seit 2021 im zahnärztlichen Dienst. Bevor sie ins Gesundheitsamt kam, war sie ebenfalls in einer Praxis beschäftigt.

Um 9 Uhr steigen die Kolleginnen vom zahnärztlichen Dienst an der nahe gelegenen Haltestelle in den Bus, der sie zur Kita bringt, in der sie heute angekündigt sind. Schon im Bus sorgt Kroko, der aus dem Hackenporsche lugt, für erste Blicke und Lächeln auf den Gesichtern.

In der Kindertagesstätte im Norden Kreuzbergs gibt es dann ein großes Hallo, als Diana und Jelena mit Gepäck ankommen, aus dem das kleine Krokodil hervorschaut. Die beiden sind bekannt – vor allem aber ihr grüner Begleiter. Jede Person, die sie in der Kita treffen – ob jung oder alt – weiß bei Krokos Anblick sofort, worum es geht: um starke Zähne. Die Kinder bekommen heute einerseits erklärt, wie sie richtig die Zähne putzen. Andererseits schaut die Zahnärztin in alle Münder, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist.

Gruppenraum_Kita

Für alle Kinder gibt's eine neue Zahnbürste

Geübt richten die Kolleginnen im Sportraum der Kita ihren heutigen Arbeitsplatz ein. Die Turnbank wird zum Wartebereich. An einem kleinen Tisch wird die helle Lampe befestigt, die die beiden mitgebracht haben. Dort nimmt auch Diana auf einem Kinderstuhl Platz und klappt ihren Laptop auf, mit dem sie heute die Untersuchungsergebnisse dokumentieren wird. Nachdem alles eingerichtet ist, ziehen sich die Kolleginnen ihre Arbeitskleidung über.

13 Kinder zwischen 3 und 4 Jahren aus der rosa Gruppe werden heute untersucht. Es ist ein großes Gewusel an diesem für die Kinder besonderen Tag. Routiniert bringen die beiden Erzieher der Gruppe Ruhe in das Durcheinander. Ella, Gustav, Mohamed, Silas und die anderen Kinder setzen sich in ihrem Gruppenraum in einen Kreis am Boden in der Kuschelecke. Mit etwas Hilfe der Erzieher entsteht auch ein Sitzkreis – nicht ganz einfach, denn alle Kinder möchten möglichst nah bei Kroko sein. Diana setzt sich mit der Handpuppe dazu und verteilt erstmal die mitgebrachten Zahnbürsten an die Kinder. Wer hätte gedacht, dass sich Kinder so über einen Alltagsgegenstand als Geschenk freuen können! Alle sind begeistert. Zwischen den Kleinen wird noch um die Farben gefeilscht: eine gelbe Bürste oder doch lieber blau?

Zähne putzen im Waschraum

Gemeinsames Zähneputzen

Nachdem alle gemeinsam geübt haben, den Mund schön weit aufzumachen, geht’s gemeinsam in den Waschraum zum Zähneputzen. Dort kommen die neuen Zahnbürsten an den kleinen Waschbecken direkt zum Einsatz. Diana und Kroko stellen sich an den Rand, sodass sie gut gesehen werden. Die Kinder versammeln sich vor den Spiegeln. Die Zahnarzthelferin verteilt die Zahnpasta. Dann beginn die gemeinsame Zahnpflege: „Hin und her, hin und her, Zähne putzen ist nicht schwer. Rundherum, rundherum, Zähne putzen ist gesund.“ Mit Begeisterung machen alle Kinder mit und putzen Zähne, was das Zeug hält. Kroko und die Gruppendynamik treiben sie an. „Super macht ihr das!“, motiviert Diana. „Fege aus, fege aus, fege alle Krümel raus.“

bei der Untersuchung

"Hat Kroko Quatsch gemacht?"

Mit frisch geputzten Zähnen bringt die Zahnarzthelferin die Gruppe in den Sportraum, wo Jelena mit ihrer Ausrüstung wartet, um die Untersuchung durchzuführen. „Hat Kroko eben beim Zähneputzen Quatsch gemacht?“, will sie wissen. Schon ist das Eis gebrochen. Alle Kinder nehmen Platz und die Zahnärztin erklärt mit dem „kleinen Kroko“, einem etwas kleineren Kuscheltier gleicher Bauart, wie sie gleich mit dem Spiegel in die weit geöffneten Münder schauen wird. Die Neugier ist groß. Alle möchten wissen, was man in Krokos Maul sehen kann, wenn man einen kleinen Spiegel benutzt. Angst vor der Untersuchung scheint keines der Kinder zu haben. Auch die Frage, ob jemand schon beim Zahnarzt war, beantworten die Kleinen ganz bereitwillig. Zahlreiche weitere Informationen werden nebenbei dazu geliefert. So weiß die Zahnärztin anschließend auch darüber Bescheid, wer einen Bruder hat und wer eine Schwester. Die Kinder sind gesprächig. Denn sie fühlen sich wohl.

Untersuchung zahnärztlicher Dienst

20.000 Untersuchungen im Jahr

Kindgerecht spricht Jelena die kleinen Patientinnen und Patienten an: „Einmal weit aufmachen wie ein Löwe.“ Das funktioniert. Alle machen prima mit. „Erstmal will ich gucken, wie viele Zähne bei dir überhaupt da sind. Habt ihr denn schon so viele Zähne wie Kroko?“

Die Informationen hierzu trägt Diana parallel am Computer ein. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Die Kinder erhalten nach gemeisterter Untersuchung eine kleines Stempelbild. Für ihre Eltern stellen die Kolleginnen im Anschluss “gelbe Zettel” aus. Diese Briefe informieren die Erziehungsberechtigten über den Zustand der Zähne. Wenn Karies oder andere Erkrankungen festgestellt werden, empfiehlt der zahnärztliche Dienst eine Weiterbehandlung.

Jährlich führen die Kolleginnen des zahnärztlichen Dienstes im gesamten Bezirk um die 20.000 Untersuchungen durch – in den Kindertageseinrichtungen und den Grundschulen in Friedrichshain und Kreuzberg.