Auf kurzem Weg vom Kiez ins Amt: Drei Stadtteilkoordinatorinnen vernetzen den Ortsteil Kreuzberg

Cosima Speckhardt, Regionalkoordinatorin, Denia Rodriguez und Cristina Samper für Kreuzberg Ost und Emine Yilmaz für den Bereich Kreuzberg Süd

Cosima Speckhardt, Regionalkoordinatorin, Denia Rodriguez und Cristina Samper für Kreuzberg Ost und Emine Yilmaz für den Bereich Kreuzberg Süd

Seit März 2025 gibt es auch im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vier Stadtteilkoordinatorinnen. Sie sorgen dafür, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen in den vielen Kiezen des Bezirks direkt in der Verwaltung ankommen – und umgekehrt. Zwei von ihnen sind für den Ortsteil Kreuzberg zuständig: Emine Yilmaz ist Ansprechpartnerin für den Bereich Kreuzberg Süd, Cristina Samper betreut den Bereich Kreuzberg Ost und wird seit 2026 von ihrer Kollegin Denia Rodriguez unterstützt, mit der sie sich die Stelle der Stadtteilkoordinatorin aktuell teilt.

Cosima Speckhardt ist als Regionalkoordinatorin für Kreuzberg in der Organisationseinheit Planung und Koordinierung des Bezirksamtes die Schnittstelle zu den Stadtteilkoordinator*innen. Sie ist seit 2024 im Bezirksamt tätig. Als zentrale Ansprechpartnerin bildet sie den direkten Draht in die Verwaltung. „Hier handelt es sich nicht um eine Einbahnstraße, eher um einen regelmäßigen Austausch auf kurzem Wege, von der beide Seiten – und am Ende natürlich die Anwohnenden in den Kiezen – viele Vorteile haben“, erklärt sie.

Im „Dütti-Treff“ finden die Besucher*innen immer ein offenes Ohr

Im „Dütti-Treff“ finden die Besucher*innen immer ein offenes Ohr

Jeder Kiez hat seine Herausforderungen

Der Bezirk ist mit rund 13.000 bis 14.500 Einwohner*innen pro Quadratmeter der am dichtesten besiedelte Bezirk Berlins und aufgrund seiner Historie in jedem Kiez mit unterschiedlichen sozialen Herausforderungen versehen. Emine Yilmaz berichtet aus dem „Dütti-Viertel, das nach dem Berliner Architekten und Stadtbaurat Werner Düttmann benannt ist. In der Werner-Düttmann-Siedlung, nahe der Urbanstraße und der Hasenheide, leben rund 3.000 Menschen. Es ist geprägt von einer sehr jungen und multikulturellen Bevölkerung. „Auch um besonders der vergleichsweisen hohen Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken, wurde dieses Viertel bis 2020 durch das Berliner Quartiersmanagement gefördert, die hier inzwischen ausgelaufen ist.“

Emine Yilmaz leitete bereits mehrere Jahre zuvor die soziale Einrichtung „Dütti-Treff“. Sie kennt die Menschen und deren Nöte in ihrem Bereich genau. Zudem sind ihr die Abläufe innerhalb der Verwaltung des Bezirksamts inzwischen so gut vertraut, dass sie als geübte Zuhörerin Probleme analysieren und unterschiedliche Hilfen auf dem Weg zur Lösung schaffen kann.

„Die Menschen im Kiez finden einen einfachen Zugang zu uns und können uns vertrauen“, sagt Cristina Samper,. Allein die sozialen Brennpunkte rund um den Görlitzer Park bringen Aufgaben und Empfindlichkeiten mit sich, die sie dort gemeinsam mit dem Bezirk, ansässigen Initiativen und Anwohner*innen angehen.

Mittendrin im Kiezgeschehen sind die Koordinatorinnen immer „auf Empfang“, wenn es um die Belange der Anwohnenden geht

Mittendrin im Kiezgeschehen sind die Koordinatorinnen immer „auf Empfang“, wenn es um die Belange der Anwohnenden geht

Herzenssache Schulwegsicherheit

„Regelmäßig organisiert das Bezirksamt den Runden Tisch Görlitzer Park, an dem wir als Stadtteilkoordinatorinnen ebenfalls teilnehmen. Der Runde Tisch bringt Anwohnende, Gewerbetreibende, die Polizei, soziale Träger und die Bezirksverwaltung zusammen.“
Da die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks zu einer starken Verlagerung der Drogenkriminalität und sozialer Probleme in die umliegenden Kieze geführt hat, hat die Stadtteilkoordinatorin Cristina Samper gemeinsam mit dem Bezirk, umliegenden Schulen und der Berliner Polizei im Rahmen des Projektes „Sichere Schulwege“ überlegt, wie dieser Entwicklung entgegengewirkt werden kann.

Cristina Samper sagt: „Besonders die Schulwegsicherheit liegt uns am Herzen. Hier sind wir jetzt gemeinsam mit Eltern, den Schulleitungen und weiteren Akteur*innen aktiv.“ Rund um den Görlitzer Park befinden sich mehrere Schulen. Aufgrund der Kriminalitätsbelastung, des offenen Drogenhandels und der sichtbaren Drogenszene – einschließlich herumliegender Spritzen – arbeiten die Stadtteilkoordinatorinnen gemeinsam mit den Eltern, Schulleitungen und der Polizei an Konzepten, wie sich die Schulwege für die Kinder angenehmer und vor allem sicherer gestalten lassen.

Mithilfe der Stadtteilkasse wurden bereits viele tolle Projekte im Kiez umgesetzt

Mithilfe der Stadtteilkasse wurden bereits viele tolle Projekte im Kiez umgesetzt

Gute Vernetzung ist das A und O

Mittendrin im Kiezgeschehen sind die Koordinatorinnen immer „auf Empfang“, wenn es um die Belange der Anwohnenden geht. „Oft wird uns unterwegs eine Info kurz zugerufen,“ erzählt Emine Yilmaz. „Wir ordnen das schnell ein, nehmen das Wissen mit in die nächste Besprechung, und so können am Ende alle davon profitieren.“ Auf diesem Wege habe sie beispielsweise erfahren, dass umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen in der Siedlung anstehen, die langfristig das Mietniveau für die Mieter*innen in die Höhe treiben könnten. „Gut, dass wir aufgepasst haben und sich die Verwaltung jetzt für einen Milieuschutz einsetzen kann.“ Das ist nur ein lebendiges Bespiel für die schnelle Auffassungsgabe, über die eine Stadtteilkoordinatorin verfügen sollte.

Eine gute Vernetzung mit den Menschen und den unterschiedlichen Initiativen am Standort sei das A und O ihrer Tätigkeit, bemerkt Cristina Samper. „Wir sind gut vernetzt und in unterschiedlichen Gremien vertreten. Wir haben Interesse an den Menschen und ein offenes Ohr. Und einen geschärften Blick auf Veränderungen in unserem Umfeld.“ Das mache die Arbeit als Koordinatorin sehr abwechslungsreich und interessant.

Eine weitere wichtige Aufgabe für die Stadtteilkoordinatorinnen ist die Verwaltung der Stadtteilkasse. „Das Bezirksamt unterstützt freiwillige, kleinere Aktionen von Anwohnenden, die die Nachbarschaft stärken und öffentlich zugänglich sind. Das können Ausstellungen, kleinere Flohmärkte oder Feste sein. Die Kasse verwalten die Stadtteilkoordinatorinnen“, erklärt die Regionalkoordinatorin Cosima Speckhardt.

Die Stadtteilkoordinatorinnen verwalten die Stadtteilkasse mit der kleinere Aktionen der Anwohnenden finanziell unterstützt werden können

Die Stadtteilkoordinatorinnen verwalten die Stadtteilkasse mit der kleinere Aktionen der Anwohnenden finanziell unterstützt werden können

Kurze Kommunikationswege

„Wenn jemand aus der Nachbarschaft eine Idee hat, können Gelder aus der Stadtteilkasse bei der Umsetzung helfen. Wir nehmen die Anträge entgegen und legen sie der Jury vor.“ Einzelpersonen, Gruppen, Vereine und Initiativen können innerhalb einer vorgegebenen Frist und unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 1.000 Euro beantragen. „Alle eingereichten Projekte werden von einer ehrenamtlichen Bürger*innen-Jury geprüft und bewertet.“

Cristina Samper: „Wir sind gern dabei behilflich, die Gelder zu beantragen; das Formular dafür findet sich sogar auf unserer Seite im Internet. Wir haben mithilfe der Stadtteilkasse schon tolle Projekte im Kiez umsetzen können.“

Zum Beispiel hatte ein Anwohnender die Idee, Nachbar*innen unterschiedlicher Religionen im Advent an einen gemeinsamen Kaffeetisch zu bringen. Emine Yilmaz: „Das kleine Projekt nannten wir ‚Advent der Kulturen‘ – ein wunderschöner Nachmittag, auch für die Teilnehmer*innen, die eigentlich keinen Advent feiern.“

„Durch unsere gute Vernetzung haben wir die Möglichkeit, auf „kurzen Wegen“ zu kommunizieren.“ Die Stadtteilkoordinatorinnen arbeiten angestellt bei unterschiedlichen lokalen Trägern: dem NHU e.V. , VIA e.V. und der Volkssolidarität e.V bedeutet auch aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen und Schwerpunkten der Träger Vielfalt in den Aufgaben. Wir stimmen uns untereinander eng ab, treffen uns regelmäßig und sind damit gut informiert,“ so Cosima Speckhardt.

Weitere Informationen

Stadtteilkoordination Kreuzberg Ost
Cristina Samper und Denia Rodriguez
Naunynstraße 73
10997 Berlin
Mail: stk.kreuzberg-ost@nhu-ev.org

Stadtteilkoordination Kreuzberg-Süd
Emine Yilmaz
Dütti-Treff
Urbanstraße 48e
10967 Berlin
Mail: wds.nachbarschaft@via-in-berlin.de

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