Älter werden, aber nicht allein sein in Friedrichshain-Kreuzberg - Netzwerk für mehr Teilhabe älterer Menschen

Einige Akteur*innen des Netzwerkes Friedrichshain mit Stefanie Richter (u.li.,Stadtteilzentrum Friedrichshain) und Kilian Erlen (u.re., Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit)

Einige Akteur*innen des Netzwerkes Friedrichshain mit Stefanie Richter (u.li.,Stadtteilzentrum Friedrichshain) und Kilian Erlen (u.re., Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit)

Das Netzwerk für mehr Teilhabe älterer Menschen besteht seit 2013 in Kreuzberg und seit 2017 auch in Friedrichshain aus einem Zusammenschluss starker Partner*innen, die sich zum Ziel gesetzt haben, unseren Bezirk fit für die Zukunft der immer mehr und älter werdenden Menschen zu machen. Zentral ist dabei das Anliegen, allen und vor allem von Altersarmut betroffenen älteren Menschen soziale, gesundheitliche und kulturelle Teilhabe im Bezirk zu ermöglichen und soziale Isolation und Einsamkeit im Alter vorzubeugen.

Stefanie Richter, Sozialwissenschaftlerin und ehemalige Krankenschwester, leitet seit 2022 als Projektkoordinatorin im Stadtteilzentrum Friedrichshain der Volkssolidarität Berlin e.V., das Netzwerk für mehr Teilhabe älterer Menschen in Friedrichshain. Im Team von sechs Mitarbeiter*innen ist sie verantwortlich für generationsübergreifende Arbeit.

„Allein hier bei uns im Stadtteilzentrum bieten wir täglich mehrere Events für ältere Menschen an: Sportkurse, Selbsthilfe-Kurse, offene Café- und Kochangebote, Sprachunterricht und Theater-Gruppen. So finden sich im ganzen Bezirk die unterschiedlichsten Aktivitäten der Stadtteil- und Nachbarschaftsangebote, Begegnungsstätten und Beratungsstellen.“

„Unsere Partner sind dort, wo ältere Menschen hingehen"

Doch was nützt das beste Angebot, wenn die Betroffenen nicht wissen, dass es das Angebot gibt? Oder wenn sich ältere Menschen nicht trauen, etwas Neues anzufangen, was auch oft vorkäme. So gehe es darum, die vielfältigen Angebote des Bezirks den Menschen näherzubringen, sie zu ermuntern, doch einmal zu vorbeizuschauen, ob eine Veranstaltung oder eine bestimmte Gruppe für sie passen könnte. Denn: „Nicht jede Gruppe passt zu jedem Menschen. Nicht jeder Vortrag begeistert gleichfalls das Publikum.“ Wichtig sei hier, immer wieder genau anzupassen, wie und über welche Multiplikator*innen die älteren Menschen erreicht werden können und wie berücksichtigt werden kann, was sich ältere Menschen wünschen.

„Wir nehmen die Wünsche, die an uns herangetragen werden, sehr ernst und versuchen so viel wie möglich umzusetzen, was gewünscht wird – das ist unser Ziel!“ Im Netzwerk finden sich alle relevanten Akteur*innen der Altenhilfe. Sie arbeiten zusammen daran, die Lebenssituation älterer und hochaltriger Menschen zu verbessern.

„Jeder ältere Mensch in unserem Bezirk soll die Möglichkeit zur sozialen und kulturellen Teilhabe bekommen.“ Die Grundlage für diese Arbeit wurde schon im Jahr 2013 geschaffen. Damals initiierte das Nachbarschaftshaus Urbanstraße gemeinsam mit dem Bezirksamt das Netzwerk für mehr Teilhabe älterer Menschen. Seitdem wird es gemeinsam mit den Kreuzberger Kolleg*innen und mit unseren Netzwerk-Partner*innen ständig ausgebaut. Denn wir wollen möglichst viele ältere Menschen erreichen.“ „Unsere Partner sind überall dort, wo die älteren Menschen hingehen, wie Arztpraxen, Apotheken, Physiotherapie-Praxen. Aber zu unseren Verbündeten zählen auch Pflegeeinrichtungen oder Pflegestützpunkte, die zum Beispiel Hausbesuche vermitteln können, damit auch die ans Haus gebundenen Personen dort nicht vereinsamen.“

Im Mittelpunkt stehen aufsuchende Strategien, denn die Menschen sollen dort abgeholt werden, wo sie ihren Alltag verbringen. „Nämlich dort, wo sie wohnen, in der Nähe. So schreiben wir zum Beispiel Briefe an ältere Menschen unterschiedlicher Jahrgänge. Wir beschreiben, wer wir sind, und nennen konkrete Ansprechpartner*innen, die in vielerlei Hinsicht hilfreich sein können. Wir haben auch aktuelle Flyer, mit denen wir auf unser Wochenprogramm hinweisen.“

Je nach Bedarf, kann auf diesem Weg eine Beratung vermittelt, oder die Suche nach einer Freizeitaktivität oder Geselligkeit unterstützt werden.

„Wir haben oft auch telefonische Nachfragen, wenn es um testamentarische oder vertragliche Angelegenheiten geht, oder um Fragen zur Pflegeversicherung. Oft gibt es auch Fragen zur Rente. Da helfen wir gern mit entsprechenden Beratungsangeboten weiter. Das sind ja sehr persönliche Themen, die besser in Einzelgesprächen aufgehoben sind.“

Zur Prävention gebe es regelmäßige Informationsveranstaltungen, zum Beispiel von der Polizei, aber auch von der Verbraucherzentrale. Auch über Gesundheitsthemen, wie Altersdiabetes und Ernährung, werde regelmäßig aufgeklärt.

Unkompliziertes Miteinander

„Manchmal“, führt Stefanie Richter fort, „fragen interessierte Menschen am Telefon, was denn bei uns so los sei, und was man denn bei uns machen könne. Dann unterhalte ich mich einen Moment und versuche herauszufinden, wie wir am besten behilflich sein können.“ Hier helfen auch immer Beispiele. So gebe es zum Beispiel eine ehemalige Konditorin, die regelmäßig ins Stadtteilzentrum kommt, um Zimtschnecken für das Stadtteil-Café zu backen. Sie mache das wirklich sehr gern, gemeinsam mit anderen, die gern backen. Und alle, die das Café besuchen, freuen sich auf das frische Gebäck, das mit jeder Konditorei mithalten könne. „Auch hier ermöglichen wir jedem – unabhängig davon, ob arm oder reich – den Besuch unseres Cafés, denn Kaffee und Kuchen bieten wir gegen eine Spende an.“ Die Spendenempfehlung läge unter einem Preis, der „draußen“ bezahlt werden müsse.

Das Miteinander zeigt sich unkompliziert – es sei doch sehr schön, wenn am Ende alle etwas von den speziellen Talenten und Fähigkeiten der anderen haben. So ist im Laufe der Jahre ein bunter Mix aus Menschen mit verschiedenen Möglichkeiten entstanden, die nahe an der Basis sind und etwas für die Gemeinschaft bewirken können.

Im ganzen Bezirk findet sich zahlreiche Stadtteil- und Nachbarschaftsangebote, Begegnungsstätten und Beratungsstellen

Im ganzen Bezirk findet sich zahlreiche Stadtteil- und Nachbarschaftsangebote, Begegnungsstätten und Beratungsstellen

Wichtig sei auch die Sensibilisierung der direkten Nachbarschaft und des näheren Umfelds auf die Fallstricke des Alterns, damit auch von nebenan eine eventuelle Hilfsbedürftigkeit wahrgenommen werden kann. „Nachbarn sind naturgemäß in der Nähe und können ohne weite Anfahrt für den anderen da sein und helfen, wenn es nötig ist. Auch mit guten Hinweisen auf die Möglichkeiten zur Seite stehen. Es ist immer einfacher, wenn jemand etwas empfiehlt, oder auch mal sagt, dass man mitkommen soll.“

So sprechen sich die Netzwerker*innen regelmäßig ab, welche Bedarfe derzeit benötigt werden. „Einmal im Jahr bieten wir einen Fachtag im Bezirk an. Mit einem gemeinsamen Thema richten wir uns an alle, die sich beruflich und fachlich mit der älter gewordenen Generation beschäftigen als auch an alle Menschen, denen das Thema unseres Fachtags am Herzen liegt oder die sich aktuell mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen.“

Zufrieden berichtet Stefanie Richter abschließend über die hervorragende Zusammenarbeit und die sehr gute Informationspolitik untereinander im Netzwerk: „Wir sprechen und informieren über unsere Angebote, so, dass wir gegenseitig auf einem sehr guten Stand sind. Darauf können wir stolz sein, denn das haben wir uns in den letzten Jahren erarbeitet: Ein starkes Netzwerk für die älteren Menschen in unserem Bezirk!“