Kotti e.V. – 40 Jahre Vielfalt und ziemlich beste Nachbar*innen im Stadtteilzentrum Familiengarten

Neriman Kurt, Leiterin des Stadtteilzentrums und Monique Messikh-Müller, Geschäftsführerin des Kotti e.V. feiern 40 Jahre Familiengarten

Neriman Kurt, Leiterin des Stadtteilzentrums und Monique Messikh-Müller, Geschäftsführerin des Kotti e.V. feiern 40 Jahre Familiengarten

Seit 40 Jahren ist der Kotti e.V. ein wichtiger Anlaufpunkt im Kiez. Für Erstbesucher*innen des Stadtteilzentrums Familiengarten hält es jedoch eine Überraschung bereit: Im Hinterhof der Oranienstraße 34 verbirgt sich ein idyllischer Familiengarten mit altem Baumbestand und schattiger Terrasse. Gemeinsam mit den großzügigen Räumen der ehemaligen Schuhfabrik Leiser bietet dieser Ort auf zwei Fabriketagen viel Raum für Begegnung – für Kinder ebenso wie für ältere Menschen, die hier neben Gemeinschaft auch ein Gefühl von Zuhause finden.

Monique Messikh-Müller, Geschäftsführerin des Kotti e.V., ist seit dem Jahr 2000 dabei, und Neriman Kurt, Leiterin des Stadtteilzentrums, startete bereits 1990 – damals noch als Erzieherin – ihre Mitarbeit für den Kotti e.V.: „Die Planung eines Nachbarschaftshauses reicht sogar bis ins Jahr 1981 zurück. Damals haben sich die Kreuzberger Gründer*innen zusammengetan, um sich hier für Wohnraumerhaltung und ein gutes Wohnumfeld einzusetzen.“ Nach einer langen und zähen Verhandlungs- und Bauphase startete das Projekt 1986.

Monique Messikh-Müller, Geschäftsführerin des Kotti e.V.: „Seitdem bieten wir intensive Nachbarschaftsarbeit in den Bereichen Bildung, Jugendhilfe, Beratung und Gemeinwesenarbeit über Generationen hinweg an.“ Mit Erfolg: Der Verein, inzwischen an acht Standorten im Kiez breit aufgestellt, steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn es einmal zwickt oder auch existenzielle Probleme im Raum stehen. „Hierfür bieten wir regelmäßige Beratungsstunden an. Einige Familien kommen über Generationen hinweg zu uns. Mit zunehmendem Alter wachsen mitunter auch die Probleme – oder sie verändern sich.“

Der schöne große Familiengarten lädt zum verweilen ein

Der schöne große Familiengarten lädt zum verweilen ein

Wichtige Stadtteilarbeit für Jung und Alt

80 festangestellte Mitarbeiter*innen, Auszubildende, Praktikant*innen und ehrenamtlich Tätige halten das Stadtteilzentrum und den Kotti e.V. für die Anwohnenden im Kiez lebendig: „Wir betreiben drei Kitas, das Schülerhaus an der Jens-Nydahl-Grundschule und leisten dort sowie an der Nürtingen-Grundschule Schulsozialarbeit.“

Neriman Kurt: „Das ist wichtige Stadtteilarbeit, die besonders unseren Jüngsten zugutekommt, die mit uns aufwachsen.“ Oft ergebe es sich, dass junge Menschen anschließend als Praktikant*innen zum Kotti e.V. zurückkehren. „Und wenn sie selbst eine Familie gegründet haben, kommen sie mit ihren Kindern zu uns. Sie lassen sich beraten oder nutzen unser Kursangebot.“ So oder so: Hier kennt und vertraut man einander.

Das leistungsstarke Team hat stets im Blick, wer im Team welche Interessen und besonderen Fähigkeiten hat. „Das ist eine Stärke von uns, denn so bündeln wir unsere Ressourcen.“ Aus den eigenen Reihen werden so Pilates-Kurse, Ernährungsberatung, aber auch viele nachbarschaftliche Kooperationen initiiert. Neriman Kurt erklärt es so: „Wir freuen uns immer, wenn wir Anwohnende mit besonderen Talenten fördern können. So veranstalten wir für Kulturschaffende Ausstellungen, auf denen ansässige Künstler*innen ihre Werke präsentieren können.“ Gleiches gilt für musikalische Talente, für die kleinere Konzert- und Auftrittsmöglichkeiten geschaffen werden. Tanz und Comedy kommen ebenfalls nicht zu kurz. Im Laufe der Jahre haben die Mitarbeitenden ein gutes Gespür dafür entwickelt, was funktioniert und die Besucher*innen ein Stück weit glücklicher macht. „Stellen wir fest, dass etwas nicht so gut ankommt, reagieren wir sehr flexibel.“ Kurze Wege, Offenheit und gut funktionierende Netzwerke prägen das Erfolgsrezept für vier Jahrzehnte gelungener Stadtteilarbeit.

Monique Messikh-Müller: „Es ist unser Ziel, mit Hilfe unseres professionellen Teams gemeinsam mit den Anwohnenden an der Verbesserung der Lebensqualität zu arbeiten – was uns bisher sehr gut gelungen ist!“ Hierfür finden mit allen Akteur*innen aus dem Gemeinwesensbereich und dem Quartiersmanagement regelmäßige Netzwerktreffen statt. „Gemeinsam planen wir Aktionen in unseren Häusern und im öffentlichen Raum.“ Zielgruppenorientiert engagiert sich beispielsweise das Netzwerk Solidarisches Kreuzberg in der Kälte- und Obdachlosenhilfe, „Oder wir beschäftigen uns mit der Frage, wie älteren Menschen im Bezirk mehr Teilhabe ermöglicht werden kann.“

Ein besonderes Angebot ist mit KOTTImobil die mobile Stadtteilarbeit: „Drei unserer Kolleg*innen sind regelmäßig im Kiez unterwegs – das ist sehr wichtig!“ So wird gemeinsam mit den Nachbar*innen analysiert, was fehlt und was die Menschen im Umfeld benötigen. „Immer drängender ist das Thema Einsamkeit, die zunehmend auch jüngere Menschen betrifft.“ Hier bietet der Verein niedrigschwellige Unterstützung an, um Probleme wie Existenzängste oder den Dauerbrenner Wohnungssuche gemeinsam mit den Betroffenen etwas erträglicher zu machen.

Raum für große und kleinere Veranstaltungen

Raum für große und kleinere Veranstaltungen

Starkes Team über vier Generationen

Neriman Kurt: „Inzwischen sucht uns die vierte Generation auf. Wir beschäftigen uns mit den Themen, die aufkommen, wenn Kinder erwachsen werden – genauso wie mit den Schwierigkeiten, die heute mit einer Familiengründung einhergehen.“ Auch der Geburtenrückgang fordere den Verein heraus: „Vor 40 Jahren gab es reichlich Kinder, die unsere Häuser besuchten.“ Inzwischen sehe das anders aus. „Die Zukunft macht es für uns nicht einfacher.“

Monique Messikh-Müller ist als Geschäftsführerin sturmerprobt: „Wir erleben immer wieder Talfahrten“, erinnert sie sich besonders an die 1990er Jahre. „Durch die Fusion der Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg trafen uns massive Streichungen. Damals haben die Anwohner*innen für uns gekämpft – mit Erfolg, wie unser Jubiläum zeigt!“

Auch Neriman Kurt vertraut auf die Vereinsarbeit und weiß aus Erfahrung: „Wir zeichnen uns durch Beständigkeit, Kontinuität und Verlässlichkeit aus. Wir haben uns in all den Jahren weiterentwickelt und unseren Kompetenzradius erweitert.“ Früher, so sagt sie, sei nicht alles besser gewesen – es war anders.

Regelmäßige Veranstaltungen im Familiengarten

Weitere Informationen zum Stadtteilzentrum Familiengarten (Kotti e.V.):
Regelmäßig finden im Familiengarten Kunst- und Kulturveranstaltungen, gesellschaftspolitische Diskussionen, Sport- und Bewegungsangebote sowie Kreativworkshops und Beratungen statt. Diese sind meistens kostenfrei und bieten einen niedrigschwelligen Zugang für alle Bürger*innen aus dem Stadtteil aber auch darüber hinaus. Hier geht‘s zum Veranstaltungskalender.

Stadtteilzentrum Familienzentrum (Kotti e.V.)
Oranienstraße 34
10999 Berlin
Telefon: (030) 614 3556
E-Mail: stadtteilzentrum@kottiberlin.de