Schichtwechsel 2026: „Das wären meine Kollegen!“

Ein älterer Mann sitzt an einem Schreibtisch, eine Frau steht neben ihm. Beide blicken in die Kamera und lächeln. Der Schreibtisch ist mit einem Computer, Papieren, einem Telefon und verschiedenen Büromaterialien belegt. Im Hintergrund hängen mehrere großformatige Stadtpläne und bunte Zeichnungen an der Wand. Das Fenster links ist mit Jalousien teilweise geschlossen, draußen sind parkende Autos zu sehen. Die Atmosphäre wirkt freundlich und sachlich.

Nicole Bieleke und Herr Sternberg bestritten gemeinsam den Schichtwechsel im teilhabefachdienst. beide empfanden den Tag als tolle Möglichkeit und empfehlen allen Mitarbeitenden die Teilnahme.

Nachdem Nicole Bieleke aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg im Tierpark Neukölln Einblicke in die Arbeit der Union Sozialer Einrichtungen gGmbH (USE) bekommen hatte, war am 24. September die andere Perspektive an der Reihe. Herr Sternberg, ein USE-Beschäftigter, besuchte den Teilhabefachdienst Soziales des Bezirksamts. Dabei lernte Herr Sternberg nicht nur neue Kolleg*innen und Arbeitsabläufe kennen, sondern konnte auch selbst mit seinem Wissen weiterhelfen.

Ein Arbeitstag mit neuen Einblicken

Für Frau Bieleke begann der Schichtwechseltag mit einer kleinen Überraschung. Eigentlich wollte sie Herrn Sternberg in Empfang nehmen. Doch dazu kam es nicht ganz wie geplant: „Die Chance hatte ich gar nicht – Herr Sternberg war einfach schneller als ich“, erzählt Frau Bieleke. Zwei frühe Vögelchen unter sich – das hatten die zwei also schonmal gemein.
Danach ging es direkt in den Arbeitsalltag des Teilhabefachdienstes Soziales. Herr Sternberg lernte die Mitarbeitenden kennen und wurde mit den Aufgaben von Frau Bieleke als Standortkoordinatorin vertraut. Er schrieb eine Mail und nahm an einer kollegialen Beratung im Nachbarschaftshaus Urbanstraße teil.
Gerade dort konnte Herr Sternberg seine eigenen Erfahrungen einbringen. Er beriet eine Kollegin und konnte ihr nach eigener Einschätzung „sehr gut weiterhelfen“. Auch Empfehlungen konnten an die Teilhabeplanenden weitergeleitet werden. Für Frau Bieleke war besonders wertvoll, dass Herr Sternberg in der kollegialen Beratung viele Informationen an die Inklusionsberaterin weitergeben konnte.
„Herr Sternberg hat die Rolle der Standortkoordination hervorragend ausgefüllt“, sagt Frau Bieleke. Er habe zu allen Kolleg*innen Kontakt gehabt. Besonders beeindruckt habe sie seine Offenheit.
Herr Sternberg selbst hebt vor allem den Kontakt zu den Mitarbeitenden hervor. Auf die Frage, was ihm an dem Tag am meisten Spaß gemacht habe, antwortet er: „Der Kontakt zu den Mitarbeitenden – das wären meine Kollegen.“

Zu sehen sind der Leiter der USE Tierpark Neukölln, Robert Seuntjens, sechs Mitarbeitende sowie die "Schichtwechslerin" Nicole Bieleke.

In der USER Tierpark Neukölln schnupperte Nicole Bieleke in den Arbeitsalltag einer dort beschäftigten Person rein. Den Perspektivwechsel fand sie bereichernd und interessant.

Schichtwechsel heißt nicht 1 zu 1-Tausch

Der Besuch von Herrn Sternberg war Teil des bundesweiten Aktionstags Schichtwechsel am 24. September. Der Aktionstag bietet einen besonderen Anlass, unterschiedliche Arbeitswelten miteinander in Kontakt zu bringen und neue Perspektiven kennenzulernen.
Der Schichtwechsel ist dabei nicht auf den Aktionstag beschränkt. Interessierte Menschen, Unternehmen, Behörden und andere Einrichtungen können sich grundsätzlich jederzeit für einen Schichtwechsel melden.
Auch müssen nicht zwei Menschen ihre Arbeitsplätze direkt miteinander tauschen. Die Personen, die jeweils einen Perspektivwechsel erleben, müssen nicht dieselben sein. Entscheidend ist die Begegnung: Beschäftigte aus Werkstätten können andere Arbeitsplätze kennenlernen, während Menschen aus Unternehmen, Behörden oder anderen Einrichtungen Einblicke in die Arbeitswelt von Menschen mit Behinderungen erhalten.
Die USE bietet Menschen mit Behinderungen vielfältige Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die USE ist in unterschiedlichen Arbeitsbereichen tätig – von Büro, Verwaltung und IT über Hauswirtschaft und Handwerk bis hin zu Pflanzen und Tieren.
Auch der Tierpark Neukölln gehört zu den Arbeitsbereichen der USE. Dort hatte Nicole Bieleke wenige Tage zuvor ihren Schichtwechseltag verbracht. Sie lernte dort gemeinsam mit Melanie Renz unter anderem die Versorgung der Tiere und die Arbeit in der Tierschule kennen. Zum ersten Bezirksticker: „Ein Tag, zwei Arbeitswelten: Schichtwechsel im Tierpark Neukölln“
Die beiden Tage waren also keine klassische Rückgabe eines Arbeitsplatzes von einer Person an die andere. Sie waren zwei unterschiedliche Einblicke im Rahmen desselben Schichtwechsel-Formats.

Was bleibt von einem Tag?

Für Herrn Sternberg war der Tag vor allem wegen der vielen Kontakte interessant. Gleichzeitig stellte er fest, dass ein einziger Tag auch Grenzen hat.
„Die Herausforderungen festzustellen, wenn man nur einen Tag hier arbeitet“, sei schwierig gewesen, sagt Herr Sternberg. Seine Idee für die Zukunft: mehr Zeit für einen Schichtwechsel – „vielleicht eine ganze Woche?“
Ein Wunsch, der zeigt, dass ein eintägiger Perspektivwechsel auch der Beginn eines längeren Kennenlernens sein kann. Aus einem ersten Kontakt können sich weitere Möglichkeiten ergeben – beispielsweise ein Praktikum, wenn beide Seiten daran Interesse haben und es organisatorisch möglich ist.
Dass der Austausch über den einzelnen Tag hinaus wirken kann, zeigte sich allerdings schon während des Schichtwechsels: Herr Sternberg konnte eine Kollegin für den Schichtwechseltag im kommenden Jahr begeistern.
Auch Frau Bieleke zieht ein positives Fazit. „Die Gespräche und der Austausch mit Herrn Sternberg waren toll! Er kennt die ganze Stadt und weiß so viel!“, sagt Frau Bieleke.
Dass es überhaupt zu diesem Austausch kam, ist nicht zuletzt Frau Bielekes Engagement zu verdanken. Sie hatte den Schichtwechsel zwischen dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der USE angestoßen und damit den Rahmen für die beiden Perspektivwechsel geschaffen.
So bleibt von zwei Schichtwechseltagen vor allem eines: zwei Arbeitswelten sind miteinander in Kontakt gekommen – und beide Seiten konnten etwas mitnehmen.

Mehr Einblicke

Zu sehen sind der Leiter der USE Tierpark Neukölln, Robert Seuntjens, sechs Mitarbeitende sowie die "Schichtwechslerin" Nicole Bieleke.

Im Gehege der Angoraziegen sind Mitarbeitende und deren Gäste stets für eine Streicheleinheit willkommen. (v.l.: Philip Sch., Markus, Canfeda, Melanie, Robert Seuntjens (Leitung), Lea-Michelle, Angelique und Nicole Bieleke)

Ein Tag, zwei Arbeitswelten: Schichtwechsel im Tierpark Neukölln

Wie sieht der Arbeitsalltag in einer Werkstatt aus? Und was passiert, wenn Menschen für einen Tag in eine andere Arbeitswelt eintauchen? Beim Schichtwechsel bekam Nicole Bieleke aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Einblicke in die Arbeit der USE im Tierpark Neukölln. Weitere Informationen

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