Mobiles Arbeiten, Vielfalt und Familie: Der Personalrat der SenASGIVA denkt Arbeit neu

Personalrat der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung

Der Personalrat hat sich vorgenommen, die Arbeitswelt Kolleg*innen aktiv mitzugestalten.

Ein modernes Personalratsteam, neue Ideen und der Anspruch, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern: Beim Personalrat der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SenASGIVA) trifft frischer Wind auf teilweise aus der Zeit gefallene Prozesse wie Papierakten auf Handwagen. Die meisten Mitglieder sind erst seit Ende 2024 im Amt – und haben sich vorgenommen, nicht nur Einzelfälle zu bearbeiten, sondern die Arbeitswelt ihrer Kolleg*innen aktiv mitzugestalten. Themen wie mobiles Arbeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Antidiskriminierung und moderne Arbeitsformen stehen dabei ebenso im Fokus wie der enge Austausch mit der Belegschaft.

Dienstgebäude der SenASGIVA in der Kreuzberger Oranienstraße

Die SenASGIVA hat ihren Dienstsitz in der Kreuzberger Oranienstraße.

Beschäftigtenvertretung für 790 Kolleg*innen

Die Behörde hat rund 790 Mitarbeiter*innen. Auch das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi) gehört personalvertretungsrechtlich in die Zuständigkeit des Personalrats. „Aber ein Landesamt arbeitet ganz anders als eine Senatsverwaltung. Die Kolleg*innen dort sind vielmehr im Außendienst unterwegs als wir und bearbeiten überwiegend Aufsichtsaufgaben in den Betrieben“, erklärt der Vorsitzende des Personalrats Vadim Reimer.

Vorsitzender des Personalrats ist Vadim Reimer. Der Jurist ist seit 2020 bei der Senatsverwaltung als Beamter tätig und über ein Qualifizierungsprogramm mit Rotation im Landesdienst eingestiegen. Seit November 2024 ist er Teil des Personalrats und schnell Vorsitzender geworden. Diese Funktion begleitet er seit April 2025 und ist dafür vollständig von seinen eigentlichen Aufgaben freigestellt.

Josephin Tischner ist seit September 2022 bei der Senatsverwaltung angestellt. In ihrem Referat betreut sie die Themen Langzeitarbeitslosigkeit und Arbeitsförderung. Im Personalrat ist sie, wie ihre Personalratskolleginnen seit November 2024 und Teil des Vorstands. Da sie sich viel alleine um ihre zwei Kinder kümmert, ist sie unfreiwillig zur Vereinbarkeitsexpertin geworden.

Stempelkarussell

Eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Dienststelle und Personalrat.

"Wir denken die Themen neu."

Debora Gärtner ist ebenfalls seit November 2024 Personalratsmitglied für Tarifbeschäftigte und zweite stellvertretende Vorsitzende. Sie arbeitet in der Abteilung Arbeit und berufliche Bildung. Seit 2020 ist sie in der Senatsverwaltung beschäftigt.

Aline Illigens ist Personalratsmitglied und als angestellte Referentin tätig. Dienstlich befasst sie sich mit Demokratieförderung und Antidiskriminierung sowie Prävention von Antiziganismus. Sie ist seit sechs Jahren in der Verwaltung beschäftigt und seit November 2024 Teil des Personalrats. Sie sieht ihre Rolle als Vermittlerposition: „Wir werden in der Behörde gehört.“

Alle Personalratsmitglieder sind bei Ver.di organisiert und schon länger Gewerkschaftsmitglieder. Bei der Personalratswahl gab es keine Listenwahl. Beschäftigte konnten Bewerber*innen direkt wählen. Insgesamt besteht das Gremium aus elf Personen. Aktuell sind jedoch nur zehn Mitglieder im Amt. Sieben davon sind Tarifbeschäftigte und drei Beamt*innen. Eine der Kolleginnen aus dem Personalrat kommt aus dem LAGetSi.

Von den aktuell zehn Mitgliedern im Personalrat waren acht vorher nie in einem Personalrat tätig. Debora Gärtner hat aus einem vorigen Job außerhalb des öffentlichen Dienstes bereits Erfahrungen als Betriebsrätin. Dieser Generationenwechsel sei für alle auch eine Chance: „Wir erfinden uns neu und denken die Themen neu.“ Auch die Dienststelle habe sich erst mal ans neue Team gewöhnen müssen, aber nun sei es eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Und das ist wirklich nicht als Floskel gemeint. Das Verhältnis hat sich sehr gut entwickelt“, fasst es Vadim Reimer zusammen.

Person arbeitet am Schreibtisch am Computer

"Wir sind angetreten, um die Arbeit hier zu verbessern.“

Ein gleichberechtigtes Miteinander und ein wertschätzender Umgang

Der Personalrat ist multigenerational aufgestellt. Aline Illigens: „Wir lernen viel von den Kolleg*innen, die schon lange im Personalrat dabei sind. Von deren Wissen können wir sehr profitieren.“

Zum Einstieg in ihre Tätigkeit bildeten sich die neuen Personalratsmitglieder umfangreich fort, um das entscheidende Wissen zu akquirieren. „Das war schon eine gewisse Herausforderung. Häufig gibt es ja auch eine Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Papier steht und dem was gelebte Praxis ist“, beschreibt es Josephin Tischner.

„Nachdem wir uns eingearbeitet hatten, haben wir nach unserem ersten Arbeitsjahr eine Klausur durchgeführt, in der wir reflektiert haben, wie unsere erste Zeit miteinander verlaufen ist“, erklärt Vadim Reimer. Wichtig sind dem Personalrat ein gleichberechtigtes Miteinander und ein wertschätzender Umgang.

Josephin Tischner: „Wir haben viele unterschiedliche Einzelvorgänge auf dem Tisch. Damit kann man seine Zeit sehr gut füllen, aber das ist nicht das, was ich mir als Personalratsarbeit vorstelle. Denn an diesen Einzelvorgängen kann man strukturelle Probleme gut erkennen. Wir möchten Veränderungen voranbringen, von denen alle im Haus profitieren. Wir sind schließlich angetreten, um die Arbeit hier zu verbessern.“

Person an Laptop und Smartphone

Mobiles Arbeiten ist in ganz Deutschland möglich.

Neue Dienstvereinbarung für ortsflexibles Arbeiten

Debora Gärtner hat die neue Dienstvereinbarung für ortsflexibles Arbeiten mitverhandelt. In dieser Dienstvereinbarung geht es um alternierende Telearbeit sowie mobiles Arbeiten für alle Beschäftigten. Die Verhandlungen sind jetzt abgeschlossen und die Dienstvereinbarung ist in Kraft . „Hier im Haus gab es vereinzelt noch die Vorstellung, dass man sich die Telearbeit als neuer Mitarbeiter erst einmal verdienen müsse“, schildert Josephin Tischner.

Die Beschäftigten können nun in ganz Deutschland mobil arbeiten, jedoch nicht im Ausland. Auch Sicht des Personalrates ist dies für Menschen, deren Eltern oder Familien nicht in Deutschland leben unfair. „Wenn jemand seine Eltern in Freiburg besucht, ist das deutlich weiter weg, als wenn die Eltern in Słubice sind. Das empfinde ich schon als massive Ungerechtigkeit. Das ist für uns weiterhin ein wichtiges Thema und wir bleiben auf jeden Fall dran“, erklärt Josephin Tischner. Im Land Schleswig-Holstein ist es für Landesbeschäftigte möglich, das mobile Arbeiten auch aus dem europäischen Ausland durchzuführen. Insgesamt ist die neue Dienstvereinbarung eine deutliche Verbesserung und der Personalrat ist stolz auf das Erreichte.

Vor Corona sei das mobile Arbeiten in der Behörde eher unüblich gewesen. Doch dann kam die Pandemie und zeigte, dass es auch anders geht. Erstmal mussten die Beschäftigten technisch besser ausgestattet werden. Die alte Dienstvereinbarung zur Telearbeit war von 2019 und relativ unflexibel. „Uns war klar, dass die geändert werden muss. Wir hätten gern noch mehr gehabt“, fasst es Debora Gärtner zusammen. „Wir haben ein Monatskontingent an Tagen zur mobilen Arbeit verhandelt. Die Mitarbeitenden können nun 13 Arbeitstage im Monat mobil arbeiten – auch am Stück. Damit haben sie wesentlich mehr Flexibilität als durch die vorige Regelung. Wir haben so wirklich viel möglich gemacht.“

Mutter mit Kind am Laptop

Zertifizierung der Behörde als familienfreundlicher Arbeitgeber

Personalrat ist an konzeptioneller Arbeit beteiligt

Aktuell vertritt Debora Gärtner den Personalrat in den Verhandlungen für eine Dienstvereinbarung zum Thema Krisenmanagement, die sich die Dienststelle gewünscht hat. Der Personalrat beteiligt sich auch an konzeptioneller Arbeit, etwa bei der Aktualisierung des Datenschutzkonzeptes und bei der Zertifizierung der Behörde als familienfreundlicher Arbeitgeber.

Weitere Fragen, die den Personalrat umtreiben sind: Was passiert mit den Papierakten? Wie schnell können wir auf digitale Prozesse umstellen? Wie verändert sich unsere Arbeit? Im Dienstgebäude in der Oranienstraße wird das Dachgeschoss gerade mit Shared-Workspaces ausgebaut. Dazu und zum Thema Desksharing gibt es erstmals Regelungen in der Dienstvereinbarung zum ortsflexiblen Arbeiten. Der Personalrat möchte den Teams dadurch größere räumliche Flexibilität, z. B. für Projektarbeit ermöglichen. Wobei es bei diesem Thema natürlich auch Ängste in der Belegschaft gebe, dass künftig keiner mehr einen festen Arbeitsplatz mehr hat. Aber es sei eine gute demokratische Erfahrung, gemeinsam mit der Belegschaft, die Arbeitsplätze und -bedingungen zu gestalten. Während der Verhandlungen hat der Personalrat mehrere digitale Sprechstunden zum Thema ortsflexibles Arbeiten durchgeführt und Vorschläge der Kolleg*innen mitgenommen.

Frau trägt einen A5-Schreibblock und ein Handy

Personalrat ist für die Belegschaft ansprechbar.

Antidiskriminierung als weiterer Schwerpunkt

Aline Illigens: „Wir wollen nah und ansprechbar sein. Wir möchten Kontakt mit der Belegschaft herstellen und deren Bedarfe hören.“ Dafür bietet der Personalrat verschiedene Formate zum Gespräch an und informiert regelmäßig über einen Newsletter. Einmal im Jahr informiert der Personalrat die gesamte Belegschaft bei der Personalversammlung. Ihre Personalratstätigkeit empfindet Aline Illigens als stärkend und motivierend. „Wir sind zwar nicht immer der gleichen Meinung, haben aber ähnliche Werte. Es ist wirklich sehr bereichernd, zusammen etwas zu erreichen.“

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt des Personalrats ist das Thema Antidiskriminierung. „Wir haben hierfür die entscheidenden Kompetenzen alle im Haus und wollen das Thema bei uns im Behördenhandeln widerspiegeln.“ Die Behörde sei schließlich ein Abbild der Gesellschaft. Debora Gärtner: „Wir alle müssen uns mit diesen Themen beschäftigen. Um die vielfältigen Aspekte von Diskriminierung und Prävention präsent zu halten, braucht es immer mal wieder Anstupser. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese Thematiken immer wieder sichtbar zu machen und dafür ansprechbar zu sein.“ Dazu gehöre es auch, gendersensible Sprache in der Verwaltung zu fördern. Auch für Josephin Tischner ist es wichtig, Diversität in der Personalratsarbeit immer mitzudenken. „Wir möchten ein Arbeitsumfeld schaffen, das eine diverse Belegschaft anzieht.“ Diese Diversität solle sich auch im Personalrat selbst zeigen.

Muter und Baby am Laptop

"Es ist wichtig, dass Kinder und Familien in der Behörde sichtbar sind."

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ein weiterer Aspekt, der dem Personalrat sehr am Herzen liegt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, mit der sich die SenASGIVA das Dienstgebäude in der Oranienstraße teilt, wurde dort ein Büro mit Spielzeug, Teppich und Stillsessel eingerichtet, das Eltern nutzen können, wenn sie keine Betreuung für ihr Kind haben. „Das Büro wird sehr liebevoll betreut und viel genutzt,“ sagt Josephin Tischner. Für die Kinder sei es vor allem deshalb ein interessanter Ort, weil anderes Spielzeug als zu Hause vorhanden sei. Auch einen Babysittervermittlungsservice bietet die Verwaltung ihren Mitarbeiter*innen an.

Generell findet die Personalrätin es wichtig, dass Kinder und Familien in der Behörde sichtbar sind. Um Menschen mit Sorgeverantwortung gerecht zu werden, hat der Personalrat festgelegt, dass all seine Sitzungen im Zeitfenster zwischen 10 und 15 Uhr stattfinden.

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Wir haben in dieser Reihe bereits den Betriebsrat der GFBM vorgestellt.