Lasst uns reden: Theater- und Gesprächsworkshop des Berliner Ensemble in der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda

Zwei Paare sitzen sich auf Stühlen in einem Raum mit schwarzem Hintergrund gegenüber, eine Person gestikuliert lebhaft mit erhobenen Händen

Im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit findet am 20. Oktober von 18 bis 20 Uhr in der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda der Gesprächs- und Begegnungsworkshop „Lasst uns reden – über seelische Gesundheit“ statt. Der Workshop wird organisiert durch das Berliner Ensemble, das 1949 von Bertolt Brecht und Helene Weigel gegründet wurde. Geleitet wird das Gesprächsformat von der Geisteswissenschaftlerin und Theaterpädagogin Leonie Ahmer. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung auf der Webseite der Stadtbibliothek ist erforderlich. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit (QPK) des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg statt.

Foto von Leonie Ahmer

Leonie Ahmer ist 35 Jahre alt und hat in den Jahren 2016–2018 Theaterpädagogik im Master an der Berliner Universität der Künste studiert. Schon seit ihrer Jugend interessiert sie sich für Theater und Regie. Während ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Heidelberg stellte sie für sich fest, dass sie das Theaterspielen und den Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen braucht. So begleiteten sie bereits neben dem Studium Theaterprojekte. Nach dem Abschluss arbeitete sie zunächst als freiberufliche Theaterpädagogin in verschiedenen Projekten, die sie an Theater in Dresden, Mannheim und Frankfurt am Main führten. Seit 2022 ist sie als Theaterpädagogin am Berliner Ensemble angestellt. Ihre Arbeit führte sie dabei nicht nur an Schauspielhäuser und städtische Bühnen, sondern auch in soziale Einrichtungen, Schulen und Nachbarschaftszentren. „Theaterpädagogik ist eine Schnittstelle: Mal ist es an professioneller Theaterkunst orientiert, mal an Orten, die gar nicht direkt Kulturinstitutionen sind“, erklärt Leonie Ahmer. Es geht darum, Menschen über das Spiel zusammenzubringen.

Das Berliner Ensemble zu Gast nebenan

Unter dem Motto „Theater in der Stadt“ hat das Berliner Ensemble 2025 ein Programm ins Leben gerufen, bei dem Leonie Ahmer und ihre Kolleg*innen an verschiedenen Orten in Berlin unterwegs sind. Sie bieten in Nachbarschaftszentren und Bibliotheken mobile Workshops an, in denen es nicht primär ums Theaterspielen geht, sondern sich die Teilnehmenden in Gesprächen einem gewählten Thema widmen.
Bei den Workshops mitmachen können grundsätzlich alle Interessierten. „Sie richten sich ganz besonders an Menschen, die bisher keine Berührungen mit Theater hatten.“ Denn für die Workshops sind keine Vorkenntnisse erforderlich. In der ersten Stunde des zweistündigen Workshops helfen Theaterübungen beim Einstieg. Sie dienen dazu, dass die Teilnehmenden sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Es wird ausprobiert, was passiert, wenn die Teilnehmenden zum Beispiel über längere Zeit Blickkontakt miteinander aufnehmen oder die Plätze tauschen. Für Leonie Ahmer sind die Theaterübungen immer wieder ein guter Einstieg in die Workshops. „Es ist immer wieder toll zu sehen, wie die Teilnehmenden, die sich vorher nicht kannten, so das Eis miteinander brechen und in einen verspielten Zustand kommen. Es geht auch darum, Quatsch zu machen und miteinander aufzutauen.“ In ihrer Rolle als Moderatorin achtet Leonie Ahmer darauf, dass alle gleichmäßig zu Wort kommen und auch die vermeintlich leisen Stimmen einen Platz bekommen.
Im zweiten Teil des Workshops gibt Leonie Ahmer eine Frage in die Diskussion. Dann darf zunächst die erste Person drei Minuten lang etwas sagen, während die zweite Person nur zuhört. Danach ist die zweite Person dran, ihre Meinung zum Thema zu äußern. „Das ist durch die Zeitregelung sehr gerahmt – es ist etwas anderes als ein normales Gespräch.“ Wie im Theater nehmen die Personen mal die Rolle der Schauspielenden ein und mal die der Zuschauenden bzw. Zuhörenden. Die Gesprächspartner*innen sollen dabei möglichst wenig auf das Gesagte der*des Gesprächspartner*in eingehen und müssen auch nicht derselben Meinung sein. Leonie Ahmer weiß, dass dabei viele verschiedene Meinungen und Vorstellungen zum Ausdruck kommen und die Chance bekommen, gehört zu werden. „Das sind Momente, die unsere Gesellschaft gerade braucht: dass wir einfach mal eine Zeit lang zusammensitzen und uns gegenseitig in unserer Unterschiedlichkeit zuhören und anerkennen.“

Zwei Frauen im Gespräch, eine trägt eine bunte Jacke und eine auffällige Brille, die andere ein helles Oberteil und gemusterte Hose, sie stehen vor einem technischen Gerät in dunklem Raum

Seelische Gesundheit: Lass uns drüber reden

Für Leonie Ahmer ist das Thema seelische Gesundheit zwar kein Tabuthema. Sie findet es aber wichtig, das Thema stärker und ehrlicher in den analogen Austausch zu bringen. Ihr Workshop könne dabei helfen, bestimmte Gedankenkreise zu unterbrechen. „Es geht darum, in einen weniger kontrollierten Zustand zu kommen, in dem man sich nicht selber be- oder verurteilt.“ Gerade in der Gruppe kann eine Dynamik entstehen, in der das Gemeinschaftsgefühl das Selbstbewusstsein stärkt. „Jede Einzelperson kann, so wie sie ist, ein Teil der Gemeinschaft werden und gesehen werden.“ Für Leonie Ahmer braucht Theater genau das: Durch die Unterschiedlichkeit der Charaktere entsteht im Zusammenspiel etwas Verbindendes, was sehr heilsam sein kann. Sie weiß auch, dass das Theater Raum für Unvorhergesehenes und Fehler bietet und so zur Selbstakzeptanz beitragen kann. Dabei geht es nicht darum, dass die Teilnehmenden ihre intimsten Erfahrungen teilen, sondern dass alle für sich entscheiden, was sie mitteilen möchten und was nicht.

Zuhören und sich gegenseitig Mut zusprechen

In den bisherigen Workshops, zum Beispiel zum Thema „Generationen“, konnte Leonie Ahmer spannende Gespräche miterleben. „Es wurden sehr, sehr große Lebensthemen mitgebracht, die zwischen jüngeren und älteren Menschen besprochen wurden. Es ging viel um Wendepunkte im Leben – da bekommt man schon Gänsehaut.“ Ältere Menschen blickten häufig auf große Entscheidungen zurück, während junge Menschen den großen Druck zum Ausdruck brachten, unter dem sie in ihrer jeweiligen Lebenssituation stehen. „Das bewegt mich total zu merken, wie junge und alte Menschen Lust haben, sich zuzuhören, zu zeigen und gegenseitig Mut zuzusprechen.“
Wer zum Workshop in der Pablo-Neruda-Bibliothek am 20. Oktober nicht kommen kann, findet auf der Website des Berliner Ensembles alle Termine der kommenden Workshops in der Reihe „Lasst uns reden“.

Workshop mit dem Berliner Ensemble: Lasst uns reden – über seelische Gesundheit

  • Wann? Dienstag, 20. Oktober 2026, von 18 bis 20 Uhr
  • Wo? Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda

Teilname kostenfrei, Anmeldung unter diesem Link

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