Unter dem Motto „Theater in der Stadt“ hat das Berliner Ensemble 2025 ein Programm ins Leben gerufen, bei dem Leonie Ahmer und ihre Kolleg*innen an verschiedenen Orten in Berlin unterwegs sind. Sie bieten in Nachbarschaftszentren und Bibliotheken mobile Workshops an, in denen es nicht primär ums Theaterspielen geht, sondern sich die Teilnehmenden in Gesprächen einem gewählten Thema widmen.
Bei den Workshops mitmachen können grundsätzlich alle Interessierten. „Sie richten sich ganz besonders an Menschen, die bisher keine Berührungen mit Theater hatten.“ Denn für die Workshops sind keine Vorkenntnisse erforderlich. In der ersten Stunde des zweistündigen Workshops helfen Theaterübungen beim Einstieg. Sie dienen dazu, dass die Teilnehmenden sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Es wird ausprobiert, was passiert, wenn die Teilnehmenden zum Beispiel über längere Zeit Blickkontakt miteinander aufnehmen oder die Plätze tauschen. Für Leonie Ahmer sind die Theaterübungen immer wieder ein guter Einstieg in die Workshops. „Es ist immer wieder toll zu sehen, wie die Teilnehmenden, die sich vorher nicht kannten, so das Eis miteinander brechen und in einen verspielten Zustand kommen. Es geht auch darum, Quatsch zu machen und miteinander aufzutauen.“ In ihrer Rolle als Moderatorin achtet Leonie Ahmer darauf, dass alle gleichmäßig zu Wort kommen und auch die vermeintlich leisen
Stimmen einen Platz bekommen.
Im zweiten Teil des Workshops gibt Leonie Ahmer eine Frage in die Diskussion. Dann darf zunächst die erste Person drei Minuten lang etwas sagen, während die zweite Person nur zuhört. Danach ist die zweite Person dran, ihre Meinung zum Thema zu äußern. „Das ist durch die Zeitregelung sehr gerahmt – es ist etwas anderes als ein normales Gespräch.“ Wie im Theater nehmen die Personen mal die Rolle der Schauspielenden ein und mal die der Zuschauenden bzw. Zuhörenden. Die Gesprächspartner*innen sollen dabei möglichst wenig auf das Gesagte der*des Gesprächspartner*in eingehen und müssen auch nicht derselben Meinung sein. Leonie Ahmer weiß, dass dabei viele verschiedene Meinungen und Vorstellungen zum Ausdruck kommen und die Chance bekommen, gehört zu werden. „Das sind Momente, die unsere Gesellschaft gerade braucht: dass wir einfach mal eine Zeit lang zusammensitzen und uns gegenseitig in unserer Unterschiedlichkeit zuhören und anerkennen.“