Für die Älteren und ihren Kiez: Gundel Riebe mischt sich weiter ein

Gundel Riebe

Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Friedrichshain Gundel Riebes Zuhause. Sie hat erlebt, wie sich der Bezirk verändert hat – und sich selbst immer wieder eingemischt, wenn ihr etwas wichtig war. Ob als Mieterin, im Berliner Mieterverein oder in der bezirklichen Seniorenvertretung: Gundel Riebe setzt sich für die Menschen in ihrem Kiez ein. Eigentlich hatte sie nach zwei Legislaturen mit der Seniorenvertretung aufhören wollen. Doch dann waren da die kaputten Gehwege, die sie täglich selbst erlebt. Nun tritt sie erneut an.

Sie ist aktuell in der zweiten Legislatur in der Seniorenvertretung aktiv. „Unsere Aufgabe als Seniorenvertretung ist es, die Verbindung zwischen den älteren Bürgern unseres Bezirks und der Verwaltung sowie der BVV herzustellen. Wir wollen die Nöte der älteren Menschen aufnehmen und in die Politik und Verwaltung einbringen.“

Friedrichshain, Karl-Marx-Allee

Seit 1900 engagiert sich Gundel Riebe im Berliner Mieterverein.

Engagement in der Seniorenvertretung und im Berliner Mieterverein

Die Seniorenvertreterin ist studierte Chemikerin. Nach ihrem Abschluss an der Humboldt-Universität war sie an der Akademie der Wissenschaften beschäftigt. Nach der Wiedervereinigung wechselte sie in die Bundeanstalt für Materialforschung und -prüfung und war dort in der anorganisch analytischen Chemie, unter anderem auch im radioaktiven Bereich tätig. Sie überprüfte, als hoheitliche Aufgabe für die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), die Isotopenzusammensetzung von Plutonium und Uran, aus Kernbrennstoffaufbereitungsanlagen .

Das Engagement in der bezirklichen Seniorenvertretung ist nur eines ihrer Ehrenämter. Die Rentnerin ist seit 1990 im Berliner Mieterverein als ehrenamtlich Bezirksleiterin von Friedrichshain bzw. Friedrichshain-Kreuzberg aktiv, seit 2017 auch im Vorstand. In der Arbeitsgruppe „Wohnen und Stadtentwicklung“ der Landesseniorenvertretung vertritt Gundel Riebe den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Bersarinplatz

„Gerade wir Älteren haben wahnsinnige Angst vor dem Verlust unserer Wohnung.“

Wohnungstausch als wichtiges Instrument

Ein wichtiges Thema ist aus ihrer Sicht der Wohnungstausch, bei dem ältere Bürger*innen mit zu großen Wohnungen mit Familien mit zu kleinen Wohnungen tauschen können. Leider komme das immer noch viel zu selten zustande. Das habe viele Gründe. Neben der Befürchtung, dass die Miete der kleineren Wohnung höher als die der großen Wohnung sein könnte, komme hinzu, dass sowohl die Älteren als auch die Jüngeren gerne in ihrem Kiez bleiben möchten. „Für uns Ältere ist entscheidend, dass der Arzt und die Einkaufsmöglichkeiten bekannt sind. Das wollen wir einfach nicht aufgeben.“ Gundel Riebe betont. “Wichtig ist, dass ein Wohnungstausch immer freiwillig sein muss. Niemand darf gezwungen werden.“

Auch mit Fragen zum Thema Eigenbedarfskündigung beschäftigt sich die 75-Jährige in ihrer Tätigkeit im Mieterverein. „Gerade wir Älteren haben wahnsinnige Angst vor dem Verlust unserer Wohnung.“ Ein weiteres Thema, das auch im Zusammenhang mit vielen Eigenbedarfskündigungen steht, ist das Auslaufen der Sozialbindung für viele Wohnungen in Friedrichshain-Kreuzberg. Danach sind die Mieten nicht mehr preisgebunden und steigen teilweise enorm. Zudem beschäftigt sie das Thema Umwandlung in Eigentum. „Mir geht es in erster Linie um die älteren Leute und deren Bedürfnisse als Mieter. Gerade wenn sie alleine sind und niemanden haben mit dem sie darüber sprechen können, benötigen sie Hilfe. Es ist mir wirklich ein Herzensanliegen, die älteren Leute zu diesen Themen zu unterstützen.“ Genau deshalb haben die Seniorenvertretung und die Volkssolidarität in der aktuellen Legislatur mehrfach zu Veranstaltungen eingeladen. „Über die ganze Mieter-Geschichte bin ich eigentlich ein bisschen reingepurzelt.“

Samariterviertel

Nach dem Mauerfall gründete Gundel Riebe den Mieterverein Friedrichshain.

Seit 1970 in Friedrichshain

1970 zog sie nach ihrer Hochzeit mit ihrem Mann nach Friedrichshain, der von hier stammte, und wohnte dort erst am Boxhagener Platz. Geboren und aufgewachsen ist sie in Altglienicke und Adlershof in einem Einfamilienhaus, in dem ihr Bruder bis heute wohnt. Mich hat Friedrichshain zu Anfang sehr verunsichert mit all seinen Eckkneipen. Das war ich alles nicht so gewohnt. Nach der Arbeit bin ich lieber bis zum S-Bahnhof Lichtenberg gefahren und habe mir von dort ein Taxi genommen, weil ich nicht durch den Kiez laufen wollte.“

1987 zog sie, nach zwölf Jahren im Samariterkiez, mit ihrer Familie in ihre aktuelle Wohnung im Ostkreuzkiez und war dort in der Hausgemeinschaftsleitung aktiv. Auch dieses Ehrenamt nahm die Mutter zweier Kinder neben ihrer Vollzeittätigkeit wahr. „Und das obwohl mein Mann im Schichtdienst tätig war.“

Nach dem Mauerfall gründete sie zusammen mit Gleichgesinnten den Mieterverein Friedrichshain. Die Gruppe spaltete sich und wurde einerseits Teil der Mietergemeinschaft und andererseits Teil des Berliner Mietervereins. „So wurde ich die erste Bezirksleiterin des Berliner Mietervereins in Ost-Berlin.“

Gehweg Friedrichshain

"Wir Seniorinnen und Senioren brauchen eine laute Stimme."

"Der Zustand der Bürgersteige hier ist unmöglich."

Eigentlich wollte sie keine dritte Legislatur in der Seniorenvertretung aktiv sein, nun bewirbt sie sich doch wieder: „Weil ich mich einfach so sehr über den Zustand der Fußwege geärgert habe.“ Aufgrund einer Operation ist sie aktuell auf einen Rollator angewiesen, mit dem sie viel zu Fuß im Ostkreuz-Kiez unterwegs ist. „Der Zustand der Bürgersteige hier ist unmöglich!“ Für den kurzen Weg von ihrer Wohnung zur Bushaltestelle am Wismarplatz brauche sie aktuell fast eine halbe Stunde. Bereits in der aktuellen Legislatur hatte die Seniorenvertretung Verkehrsstadträtin Annika Gerold zu diesem Thema eingeladen. „Das ärgert mich derart, dass ich mich erneut in der Seniorenvertretung bewerben werde. Das betrifft ja nicht nur uns ältere Menschen, sondern auch junge Leute, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind.“

Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Seniorenvertreterin nimmt sie sowohl Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen der Bezirksverordnetenversammlung als auch am Mobilitätswenderat teil. Die Verkehrsberuhigung des Ostkreuzkiezes findet sie gar nicht so schlecht, da damit der Durchgangsverkehr großer Fahrzeuge reduziert worden sei. Aber ihrer Meinung nach muss mehr für die Fußgänger*innen getan werden.

„Wir Seniorinnen und Senioren brauchen eine laute Stimme, damit wir gehört werden“. Mit dieser Stimme will sie sich nochmals in der nächsten Wahlperiode als Seniorenvertreterin einsetzen.

Kandidat*innen für die Wahl der Seniorenvertretung gesucht!

Sie haben auch Lust, sich in der Seniorenvertretung einzubringen? Berufungsvorschläge können bis zum 2. Oktober eingereicht werden. Vorgeschlagen werden können Menschen ab 60 Jahren mit Hauptwohnsitz in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle. Selbstvorschläge sind ebenso möglich wie der Vorschlag einer anderen Person. Weitere Informationen sind in unserer Pressemitteilung zu finden.

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