Vermittler im Jobcenter: Uwe Hilgendag erhält die Bezirksmedaille

Uwe Hilgendag

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zeichnen in diesem Jahr sieben Personen und Projekte mit der Bezirksmedaille des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aus, die sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl in unserem Bezirk verdient gemacht haben.

Zu ihnen gehört auch der ehemalige Ombudsmann im Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg Uwe Hilgendag. Geboren ist der Bezirksmedaillenträger in Kreuzberg. Seine ersten Lebensjahre bis 1952 verbrachte er in der damaligen Manteuffelstraße, wo er im Hinterhof in Kriegstrümmern spielte, bevor er mit seinen Eltern in einen Neubau nach Britz zog. In den 1970er Jahren kam er zurück nach Kreuzberg, wo er bis heute wohnt. Er lebt seit Jahrzehnten in Laufnähe zum U-Bahnhof Prinzenstraße. „Hier sieht und fühlt man die Veränderungen.“ Da er selbst nicht Auto fährt, schätzt er die gute ÖPNV-Anbindung vor seiner Tür. „Es ist wunderbar, dort leben zu dürfen.“ Uwe Hilgendag arbeitete ab 1992 im Amt für Soziales in Kreuzberg, vorher war er über 20 Jahre in der Arbeitsverwaltung beschäftigt (bevor diese in Agentur für Arbeit umbenannt wurde) und schließlich bis zur Rente 2012 im Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg. Dadurch habe er einen guten Überblick über das System gehabt.

Festnetztelefon

Der Ombudsmann war vor Ort und telefonisch erreichbar.

"Wir sind einen richtig guten Weg gegangen."

Als Ansprechperson für die Kund*innen des Jobcenters war er Mediator zwischen der Behörde und ihren Kund*innen. Die Ombudsstelle im Jobcenter wurde 2013 als Pilotprojekt in Berlin geschaffen, das ursprünglich in allen zwölf Bezirken ausgerollt werden sollte. „Damals gab es eine gewissen Aufbruchstimmung für diese zusätzliche Anlaufstelle.“

Berlin wollte die Ombudsstellen als zusätzliche Unterstützung für Jobcenter-Kund*innen damals erproben. Friedrichshain-Kreuzberg war der erste Bezirk, der die Ombudsstelle umsetzte. In anderen Bezirken hat sich das Konzept nicht durchgesetzt.

Die Zentrale der Arbeitsagentur in Nürnberg habe damals Bedenken gehabt. „Aber wir sind einen richtig guten Weg gegangen und konnten damit überzeugen und das war schön.“ Uwe Hilgendag resümiert: „Der Gewinn dieser Ombudsstelle ist unüberschaubar. Sie ist eine echte Bereicherung für alle Beteiligten.“

Im August 2013 nahm er seine ehrenamtliche Tätigkeit als Ombudsmann auf. In den ersten Wochen erreichen ihn über 50 Anrufe am Tag. „Da dachte ich, wenn das so weitergeht, kann das ja heiter werden.“ Aber das Ganze habe sich relativ schnell eingependelt, sodass die Arbeitslast händelbar wurde.

Frau hält eine Mappe in der Hand

„Die Leitungsebene hat mir immer sehr genau zugehört und die Rückmeldungen sehr ernst genommen.“

Schlüsse ziehen und Kommunikation verbessern

Das Jobcenter saß damals noch in der Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg. Uwe Hilgendag hatte seinen Arbeitsplatz in einer sozialen Einrichtung nebenan, keine 30 Meter vom Jobcenter entfernt. Einmal die Woche bot er eine Sprechstunde an und war vor Ort ansprechbar, aber auch telefonisch war er erreichbar.

„Ich habe immer geschaut, welche Schlüsse wir aus den vorgetragenen Kritikpunkten ziehen und die Kommunikation verbessern können.“ Am rechtlichen Rahmen durch das Sozialgesetzbuch sei ja nicht zu rütteln, aber gerade in der Kommunikation habe es immer wieder Raum für Optimierung gegeben. „Ich habe mir immer sehr genau angeschaut und ausgewertet, wer vorsprach und welche wiederkehrenden Themen es gab.“

Hierfür fertigte er Statistiken und nahm diese in seine Rücksprachen mit der Leitung des Jobcenters und dem zuständigen Bezirksstadtrat. „Die Leitungsebene hat mir immer sehr genau zugehört und die Rückmeldungen sehr ernst genommen.“ Teilweise konnte in manchen Angelegenheiten nachjustiert werden.

Kritik der Kund*innen hat Uwe Hilgendag innerhalb der Behörde weitergeleitet. „Das große System können wir natürlich nicht ändern, aber im Kleinen kann man schon viel verbessern.“ Er sei recht frei in der Ausgestaltung seiner Tätigkeit als Ombudsmann gewesen. „Es war ein Gewinn, dass sich das System selbst sehr gut kannte.“ Es habe sehr geholfen, dass er sowohl in den Sachverhalten als auch in der Struktur des Jobcenters Experte war.

Aktenornderstapel

Eine alleinerziehende Frau erhielt einen 190 Seiten langen Bescheid vom Jobcenter.

Bezirksmedaille geht an Uwe Hilgendag und seinen Nachfolger

Schwerpunkte der von den Jobcenter-Kund*innen vorgetragenen Konflikte waren die Bedarfe für Wohnraum und Heizung, Eingliederungsleistungen und -vereinbarungen, die Nicht-Nachvollziehbarkeit von Bescheiden, die Anrechnung von Einkommen und die Rückforderung überzahlter Leistungen. Besonders in Erinnerung geblieben ist dem ehemaligen Ombudsmann ein 190 Seiten langer Bescheid, den eine alleinerziehende Mutter vom Jobcenter erhielt. Aufgrund von wechselndem Einkommen, Unterhaltszahlung für ihre Kinder von zwei Vätern und anderen Rahmenbedingungen war dieser Bescheid ungewöhnlich lang. „Aber das kann man ja keinem Laien zumuten, das alles zu lesen.“

Uwe Hilgendag erhielt die Bezirksmedaille gemeinsam mit seinem Nachfolger Winfried Raetz, der die ehrenamtliche Aufgabe des Ombusmannes seit über zehn Jahren bekleidet.

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Auch Christiane Zieger und Özcan Ayanoğlu erhielten in diesem Jahr eine Bezirksmedaille – für ihren Einsatz für den Städtepartnerschaftsverein.