Christiane Zieger und Özcan Ayanoğlu erhalten die Bezirksmedaille 2026 für ihr Lebenswerk

Christiane Zieger und Özcan Ayanoğlu bauen seit 30 Jahren zwischen der türkischen und der deutschen Kultur

Christiane Zieger und Özcan Ayanoğlu bauen seit 30 Jahren zwischen der türkischen und der deutschen Kultur

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zeichnen in diesem Jahr sieben Personen und Projekte mit der Bezirksmedaille des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aus, die sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl in unserem Bezirk verdient gemacht haben.

Bürgermeister*innen kommen und gehen im Rhythmus der Legislaturperioden – die Initiator*innen der Städtepartnerschaft zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und dem Istanbuler Bezirk Kadıköy sind seit 30 Jahren eine verlässliche Größe als Brückenbauer*innen zwischen der türkischen und der deutschen Kultur im Bezirk – und darüber hinaus. Hierfür werden Christiane Zieger und Özcan Ayanoğlu mit der Bezirksmedaille 2026 ausgezeichnet.

Beide, Christiane und Özcan haben durch ihr jahrelanges Engagement die Grundlage für eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden Bezirken geschaffen. Sie haben nicht nur den Austausch zwischen Bürger*innen und Institutionen ermöglicht, sondern auch zwischen den jeweiligen Bezirksbürgermeister*innen.

Christiane ist seit 1999 Vorsitzende und Özcan seit 2014 stellvertretender Vorsitzender des 1998 gegründeten Verein Städtepartnerschaft Kadıköy e.V..

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann, Christiane Zieger, Özcan Ayanoğlu und der Vorsitzende der BVV Werner Heck während der Verleihung

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann, Christiane Zieger, Özcan Ayanoğlu und der Vorsitzende der BVV Werner Heck während der Verleihung

Ehrenamtlicher Einsatz für den Austausch

Ehrenamtlich setzen sie sich für den Austausch zwischen Menschen, Ideen und Institutionen der Partnerbezirke Kadıköy in Istanbul und in Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin ein.

Als Bezirksverordnete war Christiane Zieger damals Mitglied im Jugendhilfeausschuss und erwarb auch über ihre hauptberufliche Tätigkeit tiefgreifende Kenntnisse über das Leben der Menschen in Kreuzberg. Sie baute ein weitverzweigtes Netzwerk auf, insbesondere in der Gesundheits-, Jugend- und Sozialarbeit, das ihr ehrenamtliches Engagement stärkte.

Özcan Ayanoğlu ist seit 1998 Vorsitzender des Vereins VAK e.V., der im Bezirk zwei Kindertagesstätten betreibt, die sich durch ihr besonderes Konzept der Zwei- und Mehrsprachigkeit auszeichnen. In der Zeit von 1983 bis 1990 war er Mieterberater des Vereins SO 36. Dort machte er sich mit der Situation der türkischstämmigen Bevölkerung in Kreuzberg vertraut sowie mit der Wohn- und Stadtentwicklungspolitik des Bezirks.

Kadıköy ist zugleich die Heimat seiner Eltern in Istanbul und deshalb war und ist er wegen seiner Sprachkenntnisse und seiner Kenntnisse von Politik, Kultur und Gesellschaft der Türkei, in der Kommunikation mit dem dortigen Bezirksamt und anderen Institutionen sehr erfolgreich.

Besuch der Delegation aus Friedrichshain-Kreuzberg im Partnerbezirk Kadıköy in der Türkei

Besuch der Delegation aus Friedrichshain-Kreuzberg im Partnerbezirk Kadıköy in der Türkei 2025

1996 wurde die Städtepartnerschaft besiegelt

Christiane Zieger und Özcan Ayanoğlu lachen und strahlen, wenn sie von ihren beeindruckenden Projekten berichten: „Neben guten Ideen, hatten wir in den meisten Fällen Projektpartner, die Lust darauf hatten, etwas zu bewegen – das war uns immer wichtig: die richtigen Menschen zu begeistern.“ Merkten die beiden, dass eine Idee keine Unterstützung fand, verabschiedeten sie sich schnell davon.

Mitte der 1980er Jahre lernten sie sich kennen – zu diesem Zeitpunkt lebten knapp 27.000 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit in Kreuzberg. Mit einem Bevölkerungsanteil von 21 Prozent etablierte sich der Bezirk damals als türkisches Zentrum der Stadt. Christiane Zieger war damals Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und dort im „Frauen- und Ausländerausschuss“. Später engagierten sich beide in Kreuzberger Kommunalpolitik.

Christiane Zieger erinnert sich: „Es wurde damals in der BVV nach einem Partnerbezirk gesucht, der für die moderne Türkei steht und wir fanden mit Kadıköy, einem modernen und offenen Istanbuler Bezirk, den idealen Partner für das offenen und lebendige Kreuzberg. Gleichzeitig wollten wir beiderseits für mehr Verständnis für die Eigenheiten der unterschiedlichen Kulturen werben.

1996 wurde die Städtepartnerschaft besiegelt – bis heute gilt sie als besonders lebendig und basiert auf dem kulturellen, sozialen und politischen Austausch zweier weltoffener, diverser Stadtteile.

Özcan Ayanoğlu und Christiane Zieger anlässlich der Ausstellung Crossover Berlin am Redner*innenpult

Özcan Ayanoğlu und Christiane Zieger anlässlich der Ausstellung Crossover Berlin am Redner*innenpult

27 Jahre erfolgreiche Projektarbeit mit dem Partnerbezirk Kadıköy

Die Gründung des Städtepartnerschaftsvereins erfolgte 1998 zwei Jahre später. „Wir waren uns einig, dass eine Städtepartnerschaft mehr als Austausch zwischen Bürgermeistern und Bürgermeisterin beinhalten, sondern vor allem die Menschen beider Bezirke erreichen sollte.“

Hier zeigt sich die Zusammenarbeit der beiden als sehr fruchtbar: Christiane kennt sich in der Verwaltung und Politik im hiesigen Bezirk sehr gut aus, während Özcan auf der türkischen Seite zwischen den Zeilen lesen kann. Zwei Kulturversteher*innen, die erlebbare Brücken bauen.

Es begann mit einem ernsten Ereignis, dem Großen Erdbebens im Golf von Iznik im Jahr 1999. Der Verein kaufte mit gesammelten Spenden Sachen wie Bettdecken, Radiatoren, Schuhe, Bekleidung und andere notwendige Dinge direkt vor Ort gemeinsam mit Mitarbeitenden des Bezirksamtes der türkischen Partnerstadt. Ein direktes Übergeben der Gelder war nicht möglich. „Das Anpacken der Menschen, die Hilfsbereitschaft hat mich sehr beeindruckt. So haben wir die soziale Seite von Kadıköy gesehen und viele ehrenamtlich engagierte Frauen kennengelernt.“

Dies waren dann auch die Themen für die folgenden vielen Bildungs- und Begegnungsreisen, die wir nach Kadıköy und von dort aus nach Friedrichshain-Kreuzberg organsiert haben,“ erinnert sich Christiane Zieger. Migration, Binnenmigration, Situation der Frauen, Themen die die Lebensbedingungen der Menschen betreffen. Viele der Teilnehmenden aus Berlin hatten an ihren Arbeitsstellen im Bezirk mit türkischstämmigen Menschen zu tun – „aber sie hatten noch nie die Türkei besucht!“ Dank des intensiven Austausches mit Kadıköy war das nun möglich.

Alle Projekte, die sie in 27 Jahren angestoßen haben aufzuzählen ist unmöglich, aber einige sind Ihnen besonders wichtig: „Wir wollten nachhaltige Projekte unterstützen, die eine Vertiefung im gegenseitigen Austausch ermöglichen.“ Dies ist ihnen mit ihren Projektpartner*innen des Photocentrums der Gilberto Bosques Volkshochschule und dem Kadıköy Nazim Hikmet Kulturzentrum sehr gut gelungen.

Die Ausstellung Crossover Berlin anlässlich 30. Jubiläums der Städtepartnerschaft im Kulturzentrum von Kadıköy

Die Ausstellung Crossover Berlin anlässlich 30. Jubiläums der Städtepartnerschaft im Kulturzentrum von Kadıköy

Ausstellung Crossover Berlin mit den Fotografen Klaus W. Eisenlohr und Levent Karaoglu

Mit den Fotografen Klaus W. Eisenlohr und Levent Karaoglu bringen sie Menschen aus Istanbul und Berlin zum Fotografieren mit künstlerischem Anspruch zusammen. „Mit ihnen haben wir sechs Foto-Austauschprojekte und 12 Ausstellungen umgesetzt. Mit allem, was dazu gehört: Zolldokumente, Visa, Transport, Vermittlung, Raumfindung, Aufhängung, interkulturelles Management.“ Zuletzt zeigten sie die Ausstellung Crossover Berlin anlässlich 30. Jubiläums der Städtepartnerschaft im Kulturzentrum von Kadıköy. „Es macht sehr viel Arbeit aber auch ungeheuren Spaß. Wir lernen viel dabei,“ betont Christiane Zieger.

Ebenso initiierte der Verein zahlreiche Austauschprojekte mit Erzieher*innen türkischer wie auch deutscher Kindergärten in beiden Bezirken. Sie tauschten sich über Themen wie Elternarbeit, Raumgestaltung, Freiräume und pädagogische Ansätze aus. „Bei diesen Begegnungen konnten wir moderieren und vermitteln.“ Auch in diesem Jahr wurde aus Kadıköy ein erneuter Austausch angefragt.

Christiane Zieger: „Ein besonderes Highlight ist für uns der Austausch mit den Musikschüler*innen der Partnerstädte, den die Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg seit vielen Jahren organisiert. Er trägt den Namen „Zelle 12, benannt nach der Adresse der Schule in Friedrichshain in der Zellestraße. Für das Projekt in Kadıköy haben wir erfolgreich geworben und unterstützen es, wo wir können.“

Laufend unterstützen sie den Austausch zwischen den Verwaltungen – 2018 im Bereich Gesundheit und Soziales sowie 2024 im Bereich Klima und Grünflächen.

Jedes einzelne Projekt erfordert viel Arbeit – ehrenamtliche Arbeit. Doch durch das gemeinsame Engagement entstehen Freundschaften. „Und zum Glück sind wir nicht allein: Wir erhalten Unterstützung von vielen Freund*innen aus dem Verein.“

„Aktuell freuen wir uns auf ein Karikatur Projekt mit dem Karikatur Haus (Türkisch“Karikatür Evi“)aus Kadıköy und der Jugendkunstschule und der Aziz-Nesin-Grundschule aus Friedrichshain-Kreuzberg. Initiiert wurde es von einem jungen Karikatur-Fan aus Kreuzberg“ – und schon sind wieder neue Freundschaften für die Partnerschaft entstanden.

Bleiben bei diesem vollen Terminplan noch Augenblicke für persönliche Wünsche?

Beide lachen. „Früher“, sagt Christiane, „sind wir regelmäßig nach Italien gefahren. Heute reisen wir nach Kadıköy und treffen dort unsere Städtepartner*innen, die zu Freund*innen geworden sind.“ Besonders am Herzen liegt ihnen jedoch die Wiederherstellung demokratischer Verhältnisse in der Türkei.

Weitere Informationen:

Städtepartnerschaftsverein Kadıköy e.V.

E-Mail: kadikoey.ev@web.de
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Weitere Preisträger*innen der Bezirksmedaille 2026

Hier lesen Sie die Berichte über weitere Preisträger*innen der Bezirksmedaille 2026:
Ein Leben für das Theater – Bezirksmedaille für Yekta Arman