Ein Leben für das Theater – Bezirksmedaille für Yekta Arman

Yekta Arman

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zeichnen in diesem Jahr sieben Personen und Projekte mit der Bezirksmedaille des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aus, die sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl in unserem Bezirk verdient gemacht haben.

Ausgezeichnet wurde unter anderem Yekta Arman für das „Tiyatrom“. Es ist das erste türkische Theater in Berlin, das 1984 in Kreuzberg gegründet wurde. Yekta Arman ist im Friedrichshain-Kreuzberger Partnerbezirk Istanbul-Kadıköy aufgewachsen und kam 1974 als Gaststudent an die Technischen Universität Berlin, wo er BWL studierte. Das habe er damals eigentlich vor allem deswegen gewählt, weil es eine recht kurze Regelstudienzeit hatte. Danach macht er dann näher an seinen persönlichen Interessen weiter, indem er an der damaligen Hochschule der Künste Theaterpädagogik studierte. Das „Tiyatrom“ hat seinen Sitz in einem ehemaligen Kinderheim in der Alten Jakobstraße.

Istanbul Kadiköy

Yekta Arman wuchs in Friedrichshain-Kreuzbergs Istanbuler Partnerbezirk Kadıköy auf.

"Das Theater schlägt eine Brücke zwischen Orient und Okzident."

„Erstmal war es natürlich für unsere türkischen Mitbürger gedacht, für die es sehr identitätsstiftend war.“ Aber am Ende sei es natürlich ein Theater für alle. „Wir hatten von Anfang an auch immer iranische Theatergruppen bei uns oder Musikgruppen aus ganz unterschiedlichen afrikanischen Staaten.“ Auch indische oder vietnamesische Tanzgruppen waren immer mal dabei.

„Das Theater ist eine wichtige Kultursäule für Berlin. Es schlägt eine Brücke zwischen Orient und Okzident. Es ist ein wichtiger Kulturstein der Berliner Kulturlandschaft.“ Yekta Arman ist einer der drei lebenden Mitbegründer. „Ich wollte, dass wir als türkischstämmige Menschen nicht parallel laufen, sondern mittendrin. Im Theater tobt das Leben. Theater macht Träume wahr. Nicht alles ist im echten Leben machbar, im Theater aber schon.“

Aladins Wunderlampe

"Wir haben uns der Stoffe aus dem Orient angenommen."

Theateraufführungen für Kinder

Während das Theater anfangs für die Zielgruppe der Erwachsenen produzierte, begann es nach einigen Jahren auch Theateraufführungen für Kinder zu inszenieren. „Da haben wir natürlich nicht die Gebrüder Grimm inszeniert, das können andere viel besser. Wir haben uns der Stoffe aus dem Orient angenommen: Ali Baba, Aladin und die Wunderlampe, Kapitän Sindbad, all die Stoffe aus 1001 Nacht. Und natürlich Nasreddin Hodscha.“

Das sei damals neu für alle gewesen. Yekta Arman und sein Team begannen zweisprachige Theaterstücke auf die Bühne zu bringen, die zu ungefähr 20 Prozent in türkischer Sprache bestanden und zu 80 Prozent aus deutscher Sprache. Das habe sehr gut funktioniert und gerade für die Kinder, die türkisch zu Hause sprachen, eine gewisse Motivation gebracht, da sie ihren Mitschüler*innen, die ausschließlich deutsch sprachen, die türkischen Textpassagen übersetzen konnten.

Kreuzberg mit Hochbahntrasse

Überall in Kreuzberg betreute Yekta Arman Theaterprojekte.

Mit jeder Faser seines Körpers Schauspieler

Yekta Arman bildete sich im Bereich Theater stets weiter. Sechs Monate lang besuchte er eine Clownschule und hat danach zwei Jahre schwerpunktmäßig Clownstücke gespielt. Nach viel Schauspielen wollte er irgendwann selbst auch mal Regie führen. „Danach haben sie mich nicht mehr in Ruhe gelassen.“

Nebenbei hat Yekta Arman in den vergangenen Jahrzehnten auch viele andere Theaterprojekte umgesetzt, beispielsweise in der Justizvollzugsanstalt in Plötzensee. Seit 50 Jahren ist er zudem Dozent an der Volkshochschule in Kreuzberg. Auch an der Carl-von-Ossietzky-Schuel gibt er eine Theater-AG.

Wer Yekta Arman im Gespräch erlebt, merkt sofort, wie er das Theater liebt und lebt. Mit jeder Faser seines Körpers ist er Schauspieler. Das Stillsitzen fällt ihm schwer. Immer wieder steht er auf und schreitet einige Schritte durch den Raum, um Szenen aus seinem Leben nachzustellen. Der sterile Besprechungsraum im Rathaus wird so zur Bühne. Der Theatergründer zitiert und spielt seine ehemaligen Theaterschüler, seine Professorin an der TU, seinen griechischstämmigen Kindheitsfreund und seinen Vater. Wer mit ihm am Konferenztisch sitzt, hat das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein – in der Justizvollzugsanstalt, im Hörsaal oder im Kadıköy der 1960er Jahre. Das Gespräch mit ihm wird so zu einem kleinen Schauspiel.

Bühne

"Jeder sollte sich künstlerisch betätigen."

"Kunst heilt die Seele."

Passend dazu Yekta Arman hält ein flammendes Plädoyer für die Kunst: „Meinen Körper heilt der Arzt, aber wer heilt meine Gefühle, meine Seele? Das macht die Kunst. Sie gibt Lebensfreude. Kunst zeigt mir, dass ich lebe. Kunst regt uns zum Denken an. Und wir müssen denken, um Verständnis für andere zu haben und Respekt und Empathie zu entwickeln.“ Es ist aus seiner Sicht unerlässlich, sich menschlich zu verhalten und Respekt und Empathie für andere zu entwicklen. „Das dürfen wir nie verlieren.“

Der Theatergründer findet, jede*r sollte ein Instrument spielen, im Chor singen, Theater spielen oder sich anderweitig künstlerisch oder kulturell betätigen. „Lasst uns mit Liebe und Kunst für Menschlichkeit kämpfen.“

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Weitere Preisträger*innen der Bezirksmedaille 2026

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