In der Krisenbewältigung gibt es keine Hoch- oder Nebensaison. „Wir stellen keine besonderen Ausschläge fest. Unsere Telefone klingeln unabhängig von Wetter, Luftdruck oder Jahreszeit“, sagt der Mitarbeiter des Berliner Krisendienstes.
Die Gründe für psychosoziale Krisen sind vielfältig, ebenso wie ihre Erscheinungsformen. Schweigt das Telefon einmal ungewöhnlich lange, prüfen die Mitarbeitenden vorsichtshalber die Leitungen. Zu ungewohnt ist die Ruhe für ein Team, das normalerweise kontinuierlich Gespräche führt.
Gemeinsam mit den Anrufenden wird herausgearbeitet, wie belastbar sie aktuell sind und wie sie mit Gefühlen wie Angst, Wut oder Hilflosigkeit umgehen können.
„Wir bemühen uns, Klarheit und Verbindlichkeit zu schaffen – auch im Umgang mit unangenehmen oder neuen Gefühlen, die nicht automatisch unnormal oder als Zeichen einer Störung zu sehen sind.“
Viele Menschen erleben bestimmte Gefühlszustände während einer Krise zum ersten Mal. Es kann entlasten, gemeinsam einzuordnen, was gerade passiert und welche Unterstützung sinnvoll ist.
„Antriebslosigkeit bedeutet nicht automatisch eine Diagnose“, erklärt Viktor Michnev. „Wir versuchen herauszufinden, welche weiteren Einflüsse auf die betroffene Person wirken.“ Schon die Einordnung einer Situation könne beruhigen. „Gefühle, die mit unüblichen, ungewöhnlichen Ereignissen einhergehen, welche wir nicht täglich erfahren, werden beispielsweise verlangsamt verarbeitet.“ Daher brauche die Psyche da manchmal länger diese Erfahrungen inklusive der Gefühle zu verarbeiten.
„Sehr viele Klient*innen ja, aber sicherlich nicht alle. Es gibt vereinzelt schon auch tragische Fälle, die sehr viel Schwieriges/Schlimmes erlebt haben. Dafür braucht man Zeit. Sehr viele unserer Klient*innen verfügen über viel eigenes Potenzial, das wir mobilisieren können.“ Es gebe vereinzelt schon auch tragische Fälle, die sehr viel Schwieriges und Schlimmes erlebt haben.