Viele Familien wenden sich erst an die Erziehungs- und Familienberatung, wenn Konflikte schon lange bestehen. Viel lieber würde Anna Paris deutlich frühzeitiger die Beratung ansetzen. „Viele Probleme müssten gar nicht erst groß werden. Manchmal reichen schon ein oder zwei Gespräche.“
Die Realität der Beratung zeige jedoch, dass Eltern erst in Beratung kommen, wenn bereits viel „Porzellan“ zerbrochen sei, erzählt sie. Mit einem Augenzwinkern sage sie dann manchmal, sie brauche jetzt erst einmal „ganz viel Heißkleber“.
Eine Begründung hierfür sieht Anna Paris unter anderem darin, dass für einige Menschen die Institution Jugendamt nach wie vor als negativ behafteter Ort angesehen wird. Dabei sei die Erziehungs- und Familienberatung ein freiwilliges und vertrauliches Angebot. „Jedes Elternteil ist zunächst einmal gut und richtig so, wie es ist.“
Mit diesem Satz beschreibt Anna Paris ihre Haltung wohl am besten. Die Beratung solle Eltern nicht bewerten oder ihnen sagen, wie Familie funktionieren müsse. Oft gehe es vielmehr darum, sie in dem zu bestärken, was sie ohnehin schon gut machen.
„Für uns sind Eltern immer die ersten Expertinnen und Experten für ihr Kind.“ Nicht jede Beratung führe sofort zu einer Veränderung. Manchmal brauche es Zeit, manchmal sei einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt. Familien können sich auch erneut anmelden. „Wir setzen ein Komma – keinen Punkt.“ Die Tür stehe Eltern mit Veränderungsbereitschaft offen.