Tommy Miska im Spielplatzrevier: „Irgendwo ist immer eine Schraube locker“

Eine Person mit kurz geschnittenem, dunklem Haar und Brille sitzt auf einer Holzbank mit gelben Metallstreben. Sie trägt einen dunklen Trainingsanzug und hat die Hände locker im Schoß gefaltet. Im Hintergrund stehen weitere Holzbänke und dichte grüne Bäume.

Seit vier Jahren ist Tommy Miska im Spielplatzrevier beschäftigt.

Schaukeln, Rutschen, Klettergerüste: Auf einem Spielplatz gibt es für Kinder viel zu entdecken. Tommy Miska schaut dagegen zuerst auf die Dinge, die man leicht übersieht. Sitzt eine Verbindung noch richtig? Ist ein Spielgerät sicher? Muss etwas repariert werden? Seit vier Jahren ist das sein Arbeitsalltag im Spielplatzrevier des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg.
Rund 180 Spielplätze gibt es im Bezirk. Fünf Mitarbeitende sind für ihre regelmäßige Kontrolle zuständig. Und auch wenn Tommy Miska längst viele Spielplätze kennt: Langweilig wird es ihm nicht. „Jeder Spielplatz ist anders. Und auch jedes Spielgerät.“

Jede Woche unterwegs im Bezirk

Montags und dienstags stehen im Spielplatzrevier vor allem die Kontrollen an. Zuerst wird geschaut: Fehlt etwas? Ist ein Teil beschädigt? Hängt etwas herunter? Anschließend werden die Spielgeräte praktisch geprüft – gerüttelt, bewegt und getestet.
Je nach Revier kommen dabei an einem Tag zwischen 15 und 24 Spielplätze zusammen. Die restlichen drei Tage der Woche sind für Reparaturen vorgesehen. Was bei den Kontrollen auffällt, wird nach Dringlichkeit abgearbeitet. Sicherheitsrelevante Schäden müssen sofort behoben werden. Andere Dinge brauchen mehr Zeit: Einen Pilzbefall am Holz etwa beobachten die Mitarbeitenden über einen längeren Zeitraum, bevor betroffene Teile irgendwann ausgetauscht werden müssen. „Wir sind da. Wir machen, was nötig ist.“, versichert Tommy Miska.
Dass eine Reparatur größer werden kann als zunächst gedacht, gehört für Herrn Miska allerdings auch dazu.

Wenn aus einer Schraube ein großes Problem wird

Ein Federwipper ist dafür ein gutes Beispiel. Eine Schraube ist locker – eigentlich eine Sache von zehn Minuten. Bei einem älteren Gerät kann das Holz rund um die Schraube allerdings bereits angegriffen sein. Beim Nachziehen bricht die Schraube ab. Dann ist es mit dem Festziehen nicht getan: Das komplette Spielgerät muss ausgegraben, zum Betriebshof gebracht und dort repariert werden. Anschließend wird es wieder aufgebaut.
Genau solche Momente machen für Tommy Miska den Reiz der Arbeit aus. Eine Reparatur lasse sich nicht immer einfach von außen erledigen. Manchmal müssten erst andere Teile abgebaut werden, um überhaupt an die Problemstelle zu kommen. „Das hat ein bisschen was mit Puzzeln zu tun“, sagt er.

Im Mittelpunkt steht ein weitläufiger Sandspielplatz in der Körtestraße, umgeben von hohen Bäumen und angrenzenden Wohnhäusern. Zentral verlaufen mehrere gelbe Kletterstangen in parallelen Reihen. Rechts befindet sich ein Klettergerüst mit Rutsche und überdachtem Podest, ebenfalls in Gelb gehalten. Im Vordergrund steht eine Wippe in Tierform auf einer Spiralfeder. Links am Rand ist ein überdachter Pavillon mit Sitzgelegenheit zu erkennen. Der Himmel ist blau mit wenigen Wolken, das Gelände wirkt gepflegt und offen.

Klettergarten mit Ketten auf dem Spielplatz in der Körtestraße: Beim Bau und bei Reparaturen müssen auch Aushärtungszeiten und Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden.

Vom Landschaftsgärtner zum Spielplatzprofi

Sein Weg ins Spielplatzrevier begann als Landschaftsgärtner. Nach seiner Ausbildung blieb Tommy Miska zunächst bei seinem Ausbildungsbetrieb und machte dort seinen Meister. Über die Meisterausbildung kam er intensiver mit dem Spielplatzbau in Kontakt und schrieb seine Abschlussarbeit zu diesem Thema.

Als die Aufgaben bei seinem früheren Arbeitgeber irgendwann nicht mehr zu dem passten, was er sich vorgestellt hatte, suchte er nach etwas Neuem. Das Bezirksamt suchte zu dieser Zeit Mitarbeitende für das Spielplatzrevier. Seine Reaktion: „Probiere es einfach mal.“ Vier Jahre später ist daraus ein Beruf geworden, den er nach wie vor gern macht.

Einen Spielplatz auf der Halbinsel Stralau kennt Tommy Miska dabei aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Rund zehn Jahre bevor er zum Bezirksamt kam, hatte er ihn bei seinem früheren Arbeitgeber teilweise selbst mitgebaut. Heute gehört er zu den Spielplätzen, die er im Bezirk regelmäßig kontrolliert.

„Du hast was zum Anfassen“

Was er am Handwerk besonders schätzt? „Du hast was zum Anfassen.“ Am Ende einer Arbeit ist etwas sichtbar: Ein Spielgerät funktioniert wieder, eine Reparatur ist erledigt, ein Problem behoben. Dafür braucht es aus seiner Sicht nicht nur handwerkliches Geschick. Man sollte gern tüfteln, überlegen und räumlich denken. Und man braucht Ruhe. Denn gearbeitet wird häufig mitten im laufenden Spielplatzbetrieb. Die Plätze werden für Reparaturen in der Regel nicht komplett gesperrt. Kinder schauen zu, stellen Fragen und wollen wissen, was dort passiert. Gerade im Hochsommer sind die Spielplätze ab dem Vormittag oft voller Kita-Gruppen.
Für den Spielplatz-Spezialisten gehört auch das zum Job. Und manchmal zeigt sich dabei unmittelbar, für wen die eigene Arbeit eigentlich gemacht wird.

Wenn das reparierte Spielgerät zurückkommt

Kinder kennen ihren Spielplatz genau. Sie wissen, welches Gerät dort steht – und bemerken auch, wenn etwas fehlt. Wenn ein repariertes Spielgerät wieder an seinem Platz steht, bekommen sie das entsprechend mit.
„Die freuen sich tierisch“, erzählt Tommy Miska. Für ihn ist das eine besondere Form der Anerkennung: „Das ist schon eine Wertschätzung von den kleinsten Mitbürgern.“
Überhaupt sieht er in Spielplätzen mehr als eine Ansammlung von Spielgeräten. Kinder bewegen sich dort, probieren Dinge aus und lernen spielerisch. Fein- und Grobmotorik werden dabei ebenso angesprochen. Auch deshalb ist es wichtig, dass Spielgeräte zu unterschiedlichen Altersgruppen passen und Sicherheitsbereiche und Fallräume eingehalten werden.

Was man auf einem fertigen Spielplatz nicht mehr sieht

Wer einen fertigen Spielplatz betrachtet, sieht vor allem das Ergebnis. Was darunter steckt, bleibt meist verborgen. Tommy Miska schaut inzwischen auch auf das, was später niemand mehr erblickt: Fundamente, Verbindungen oder Wasserleitungen für Wasserspielplätze.
„Vieles ist unter der Erde, was man schon gar nicht mehr sieht.“
Wie viel Geduld beim Bauen manchmal nötig ist, zeigt ein Projekt in der Kreuzberger Körtestraße. Dort wurde ein Klettergarten mit Ketten aufgebaut. Der Beton musste zunächst aushärten. Nachdem der Bauzaun vorzeitig unbefugt geöffnet worden war, wurde das Spielgerät genutzt und ein Pfosten destabilisiert. Er musste neu einbetoniert werden – und erneut aushärten. Von außen kann eine solche Wartezeit schnell wie Stillstand wirken. Für die Menschen, die an einem Spielplatz arbeiten, gehört sie zur notwendigen Arbeit dazu.

Im Vordergrund befindet sich eine moderne Spielplatzanlage mit hellen Sandflächen. Die Spielgeräte bestehen aus Metall und Holz, darunter eine lange Rutsche, eine Kletterstruktur mit schrägen und gebogenen Stangen sowie eine kleine drehbare Sitzfläche. Ein hölzernes Spielhaus mit roten und beigen Stützen steht zentral, darüber ragt eine stilisierte Palme aus Holz mit grünen Blättern. Im Hintergrund sind Bäume und mehrstöckige Wohnhäuser mit Balkonen zu sehen. Der Spielplatz ist von einem roten Zaun umgeben.

Spielplatz in der Palmkernzeile in Friedrichshain-Kreuzberg: Tommy Miska und seine Kolleg*innen kontrollieren und reparieren Spielgeräte, damit Kinder sie sicher nutzen können.

Ein Blick, der bleibt

Die Arbeit im Spielplatzrevier verändert auch den Blick auf den eigenen Kiez. Früher achtete Tommy Miska beim Pflastern automatisch auf Fugen. Heute fallen ihm bei Spielgeräten Verbindungen und Gelenke auf.
Und die Aufmerksamkeit endet nicht an der eigenen Zuständigkeitsgrenze. Wenn ihm irgendwo ein offensichtlich beschädigtes Spielgerät auffällt, würde er den Hinweis weitergeben.
Denn zwischen zwei Kontrollen kann immer etwas passieren. Jeder Spielplatz wird zwar regelmäßig geprüft, aber das Team kann nicht überall gleichzeitig sein. Hinweise aus der Bevölkerung können deshalb helfen, Schäden schneller zu erkennen.

Zeit für gute Arbeit

Was Tommy Miska an seiner Arbeit im Bezirksamt außerdem schätzt, ist die Zeit, die ihm für eine Reparatur zur Verfügung steht. Aus seiner persönlichen Erfahrung habe er in der Privatwirtschaft mehr Zeitdruck erlebt. Im Spielplatzrevier könne er eine Arbeit so machen, wie sie gemacht werden soll.
Wenn eine Reparatur statt einer halben Stunde eine Stunde dauert, damit das Ergebnis anschließend wirklich „picobello“ ist, sei das für ihn in Ordnung. Entscheidend ist, dass die Arbeit am Ende ordentlich erledigt ist.
Seine eigene Haltung beschreibt Tommy Miska mit einem einfachen Vergleich: Er arbeite so, als würde er seinen eigenen Garten bauen. Wenn eine Schaukel heute repariert werden kann, die benötigten Teile da sind und die Zeit dafür vorhanden ist, warum sollte man bis morgen warten?

„Wir sind da“

Im Spielplatzrevier arbeiten insgesamt 11 Personen. In den kommenden Jahren werden mehrere erfahrene Kolleg*innen in den Ruhestand gehen. Damit geht viel Wissen aus einer Arbeit verloren, die sich nicht allein aus Büchern oder Lehrplänen lernen lässt. Gerade für Landschaftsgärtner*innen ist der Spielplatzbau aus Tommys Sicht ein spannendes Feld, weil viele seiner Besonderheiten in der Ausbildung nur am Rande vorkommen.
Was bleibt, ist ein Beruf, bei dem Erfahrung, handwerkliches Können und ein genauer Blick zusammenkommen – und bei dem das Ergebnis jeden Tag mitten im Bezirk zu sehen ist.

Weitere Einblicke in die Arbeit von Kolleg*innen gibt es hier:

Zu sehen sind der Leiter der USE Tierpark Neukölln, Robert Seuntjens, sechs Mitarbeitende sowie die "Schichtwechslerin" Nicole Bieleke.

Ein Tag, zwei Arbeitswelten: Schichtwechsel im Tierpark Neukölln

Wie sieht der Arbeitsalltag in einer Werkstatt aus? Und was passiert, wenn Menschen für einen Tag in eine andere Arbeitswelt eintauchen? Beim Schichtwechsel bekam Nicole Bieleke aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Einblicke in die Arbeit der USE im Tierpark Neukölln. Weitere Informationen

Eine Frau mit langen, blonden Haaren steht an einem Geländer am Ufer eines Flusses. Sie trägt ein helles, ärmelloses Kleid mit Spitzenoberteil und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist die Oberbaumbrücke mit ihren markanten Türmen und einem gelben Zug zu sehen. Der Himmel ist blau mit wenigen Wolken.

Standesbeamtin Julia Merz: Warum im Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg jeder Fall anders ist

Hochzeiten sind nur ein Teil des Berufs: Standesbeamtin Julia Merz begleitet Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen. Im Interview berichtet sie, warum jeder Fall anders ist, welche Verantwortung ihre Arbeit mit sich bringt und weshalb Empathie dabei genauso wichtig ist wie juristische Sorgfalt. Weitere Informationen

Ein Mann mit kurzem, braunem Haar steht vor hohen, blühenden Pflanzen in einem Garten. Er trägt ein kurzärmeliges, dunkelgraues Hemd mit feinem Muster und lächelt leicht. Im Hintergrund sind grüne Blätter, weiße und gelbe Blüten sowie ein Teil eines hellen Gebäudes zu sehen. Die Szene wirkt sommerlich und freundlich.

Zwischen Geschichte und Zukunft – Wie Alexander Matthes das Dragonerareal und das Modellprojekt Rathausblock mitgestaltet

Bezahlbarer Wohnraum, Klimaanpassung, Denkmalschutz und Beteiligung – am Dragonerareal kommen viele Themen zusammen. Alexander Matthes gibt Einblicke in seine Arbeit als Stadtplaner und zeigt, wie im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam an einem Quartier für die Zukunft gearbeitet wird. Weitere Informationen

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin

Postanschrift

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
Postfach 35 07 01
10216 Berlin