Standesbeamtin Julia Merz: Warum im Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg jeder Fall anders ist

Eine Frau mit langen, blonden Haaren steht an einem Geländer am Ufer eines Flusses. Sie trägt ein helles, ärmelloses Kleid mit Spitzenoberteil und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist die Oberbaumbrücke mit ihren markanten Türmen und einem gelben Zug zu sehen. Der Himmel ist blau mit wenigen Wolken.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Inhalte zu stillen Geburten (Totgeburten), die emotional belastend sein können. Wenn Sie Unterstützung suchen, finden Sie Informationen sowie Beratungs- und Hilfsangebote im Berliner Familienportal.

Für viele Menschen beginnt der Kontakt mit dem Standesamt mit einer Hochzeit oder nach der Geburt eines Kindes. Für Julia Merz gehören genau diese Momente zum Berufsalltag. „Es ist nicht mein schönster Tag. Es ist der schönste Tag des Brautpaares.“ Dieser Satz beschreibt ihre Haltung wohl am besten.

Nach ihrer Ausbildung im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg arbeitete Julia Merz zunächst im Bürgeramt. Den direkten Kontakt mit Bürger*innen schätzte sie schon damals. Auch nach dem Verwaltungslehrgang II wollte sie weiterhin mit Menschen arbeiten. Eine Führungsposition reizte sie dagegen weniger. Deshalb entschied sie sich für den Wechsel ins Standesamt. „Ich bereue es nach wie vor nicht.“

Ein Beruf, der auch sie selbst verändert hat

Dass sie einmal regelmäßig vor vielen Menschen sprechen würde, hätte Julia Merz früher nicht erwartet. „Das Selbstbewusstsein kam dann auch erst durch den Job. Davor war ich doch etwas schüchterner.“ An ihre ersten Eheschließungen erinnert sie sich noch gut. Die Aufregung sei groß gewesen. Sie habe nichts vergessen und den Brautpaaren eine schöne Trauung ermöglichen wollen. Heute sei die Routine gewachsen – die Verantwortung aber geblieben. Jedes Brautpaar bringe eigene Wünsche und Erwartungen mit. Manchmal entstünden dabei auch ungeplante Momente. An eine besondere Trauung erinnert sie sich bis heute. Während ihrer Rede machte ein Baby plötzlich lautstark auf sich aufmerksam. „Erst habe ich versucht, das zu überspielen. Aber ich konnte dann nicht mehr vor Lachen. Dann mussten alle anderen lachen.“ Für Julia Merz gehört genau das dazu. „So ist das Leben.“

Zwei Männer in hellen Anzügen stehen eng beieinander am Ufer der Spree und halten sich an der Taille. Sie blicken auf eine Frau in einem langen, hellen Kleid, die ein Dokument in den Händen hält und spricht. Im Hintergrund sind die Oberbaumbrücke und die Spree zu sehen. Die Szene spielt bei Sonnenschein im Freien, direkt am Wasser. Die Trauung wird durch Standesbeamtin Julia Merz vom Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg in der Eventlocation Spreespeicher durchgeführt.

Ob bei einer Eheschließung, einer Geburtsbeurkundung oder einer schwierigen Beratung – für Julia Merz steht hinter jedem Vorgang ein Mensch.

Viel mehr als Hochzeiten

Viele Menschen verbinden das Standesamt vor allem mit Eheschließungen. Tatsächlich verbringt Julia Merz den größten Teil ihrer Arbeitszeit im Geburtenregister. Dort beurkundet sie Geburten, bearbeitet Namenserklärungen und Vaterschaftsanerkennungen.
Gerade im Standesamt des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg ist ihre Arbeit besonders vielfältig. Internationale Familien, unterschiedliche Staatsangehörigkeiten und verschiedene Namensrechte sorgen dafür, dass kaum zwei Fälle gleich sind. „Jedes Länderrecht ist anders. Somit ist jeder Fall auch anders.“ Zum Arbeitsalltag gehören deshalb nicht nur Personenstandsrecht, sondern auch internationales Privatrecht und die Prüfung unterschiedlichster rechtlicher Konstellationen.

Entscheidungen, die Menschen ein Leben lang begleiten

Was von außen oft wie eine reine Formalität wirkt, verlangt häufig umfangreiche rechtliche Prüfungen. Gerade bei internationalen Familien müssen unterschiedliche Rechtsordnungen berücksichtigt werden. Welches Namensrecht gilt? Welche Möglichkeiten sieht das jeweilige Landesrecht vor? Welche Auswirkungen haben gesetzliche Änderungen?
„Die Entscheidung, die wir hier treffen, gilt ja doch ein Leben lang.“ Deshalb werde jeder einzelne Fall sorgfältig geprüft. Die Vielfalt der Fälle ist einer der Gründe, warum Julia Merz ihren Beruf bis heute so spannend findet.

Empathie und Recht gehören für sie zusammen

Im Gespräch wird deutlich, dass Julia Merz ihren Beruf nicht nur über Gesetze definiert. Sie spricht vor allem über Menschen. Über Eltern, die möglichst schnell eine Geburtsurkunde benötigen. Über Familien, die sich im deutschen Personenstandsrecht zurechtfinden müssen. Und über Brautpaare, die sich wünschen, dass ihre Trauung genauso verläuft, wie sie sie sich vorgestellt haben.
„Ich versuche schon immer sehr hilfsbereit zu reagieren und Lösungen anzubieten.“ Nicht jeder Wunsch lasse sich erfüllen. Schließlich seien Standesbeamt*innen an gesetzliche Vorgaben gebunden. Das A und O sei jedoch, Entscheidungen nachvollziehbar darzulegen.
„Wenn man das den Eltern genau erklärt und mit Verständnis reagiert, gibt es da auch weniger Probleme.“ Ihre frühere Zeit im Bürgeramt helfe ihr dabei bis heute. Dort habe sie gelernt, auch unter hohem Arbeitsdruck ruhig zu bleiben und Menschen verständlich zu beraten. „Man ist ja nicht nur Mitarbeiter in der Verwaltung. Man ist ja auch selber Bürger oder Bürgerin in der Verwaltung. Und da möchte man ja auch, dass einem geholfen wird.“

Im Trauzimmer des Standesamts Friedrichshain-Kreuzberg stehen gepolsterte Stühle in mehreren Reihen auf einem roten Teppichboden. Die Stühle sind hell bezogen und haben dunkle Holzbeine. Links fällt Tageslicht durch große, bodentiefe Fenster mit weißen, transparenten Vorhängen. An der rechten Wand hängt ein rechteckiger Spiegel mit goldfarbenem Rahmen, darunter steht eine dekorative Pflanze. Zwei Kronleuchter hängen von der Decke und sorgen für eine festliche Atmosphäre.

Viele Menschen verbinden das Standesamt vor allem mit Eheschließungen. Tatsächlich verbringt Julia Merz den größten Teil ihrer Arbeitszeit im Geburtenregister.

Besondere Momente bleiben in Erinnerung

Auch alltägliche Momente aus ihrem Berufsalltag bleiben oft besonders in Erinnerung. Manchmal sind es kleine Situationen, die ihr im Gedächtnis bleiben. Ein Enkelkind, das die Ringe mit einem kleinen Elektroauto nach vorne bringt. Ein Brautpaar, das seinen Hund mit zur Trauung bringt. Kleine Wünsche eben, für die sich innerhalb der gesetzlichen Möglichkeiten eine Lösung finden lässt.
„Wenn es da einen Spielraum gibt, dann versuche ich den auch zu nutzen.“ Besonders bewegt hat sie eine Trauung, bei der die Mutter der Braut im Hospiz lag und deshalb nicht persönlich teilnehmen konnte. Das Brautpaar wünschte sich eine Live-Übertragung der Eheschließung. Auch dieser Wunsch ließ sich umsetzen. „Es ist schön, wenn man den Brautpaaren an dem Tag auch die Möglichkeit gibt, die Eheschließung so durchzuführen, wie sie sich das wirklich vorstellen.“

Auch schwierige Lebenssituationen gehören dazu

Der Beruf einer Standesbeamtin bedeutet nicht nur, Menschen an glücklichen Tagen zu begleiten. Zum Geburtenregister gehören auch Totgeburten, sogenannte stille Geburten. Gerade dann komme es darauf an, den Eltern mit Respekt und Verständnis zu begegnen. „Dann ist es wichtig, dass man freundlich ist, dass man die Eltern ernst nimmt, zuhört und ihnen das Gefühl gibt, dass sie gut aufgehoben sind.“ Für Julia Merz gehören Empathie und rechtliche Sorgfalt untrennbar zusammen.

Warum sie ihren Beruf weiterempfiehlt

Viele Menschen verbinden das Standesamt ausschließlich mit Hochzeiten. Julia Merz wünscht sich, dass mehr Menschen wissen, wie vielseitig ihr Beruf tatsächlich ist. „Es sind nicht nur Eheschließungen.“ Ob bei einer Eheschließung, einer Geburtsbeurkundung oder einer schwierigen Beratung – für Julia Merz steht hinter jedem Vorgang ein Mensch. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie ihre Entscheidung für das Standesamt bis heute nicht bereut.

Wer Freude am Umgang mit Menschen hat, sich für rechtliche Fragestellungen interessiert und Verantwortung übernehmen will, findet im Standesamt einen abwechslungsreichen Beruf. Für Julia Merz ist gerade diese Vielfalt das Besondere. Kein Fall gleicht dem anderen. Und mit jedem neuen Fall lernt man weiter dazu: „Man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt sie.

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