Der Weg hierher beginnt für Anja Guth an einem ganz anderen Punkt: 1990 am Mariannenplatz. Frisch als Auszubildende im damaligen Bezirksamt Kreuzberg gestartet und aufgewachsen in Lichtenrade, steht sie plötzlich mitten im Trubel der Obdachlosenstelle. Menschen warten, es ist laut, unübersichtlich. „Das war ein Kulturschock“, erinnert sie sich. Was sie auffängt, ist nicht die Struktur, sondern das Team. „Alle haben füreinander eingestanden.“ Diese Erfahrung bleibt – und prägt ihre Haltung bis heute.
Anja Guth und das FamilienServiceBüro Friedrichshain-Kreuzberg: Wo Verwaltung auf Alltag trifft
Anja Guth leitet das FamilienServiceBüro Friedrichshain-Kreuzberg. Seit vielen Jahren setzt sie sich dafür ein, Familien unkompliziert und niedrigschwellig zu unterstützen.
Bild: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg/Elisa Ruben
Wer durch das Bezirksamtsgebäude läuft, spürt schnell die typische – nicht immer allzu gemütlich oder willkommene- Atmosphäre einer Behörde: lange Flure, viele Türen, konzentrierte Ruhe. Im vierten Stock des Rathauses Friedrichshain eröffnet sich eine andere Welt. Kinderwagen stehen im Raum, Kinder spielen auf dem Boden, Stimmen mischen sich in verschiedenen Sprachen. Die Tür steht offen, jemand lacht, irgendwo wird gerade ein Formular erklärt. Hier arbeitet Anja Guth – und man merkt sofort: Das FamilienServiceBüro Friedrichshain-Kreuzberg funktioniert anders als viele andere Bereiche im Bezirksamt.
„Manchmal denkt man, ein ganzer Bus ist angekommen“, so die Gruppenleiterin und lacht. Es sei dieser Moment, in dem alles gleichzeitig passiert – Gespräche, Fragen, Kinder mittendrin. Und genau darin liegt für sie die Stärke dieses Ortes.