In der Regel seien die meisten Patienten jedoch positiv überrascht, wenn das Team mit den Büchern vorbeikommt. Auch auf den psychiatrischen Stationen klopfen sie an die Türen – was einigen nicht immer leichtfällt. „Dort muss man ein dickes Fell mitbringen und besonders verständnisvoll sein.“
Einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen diese Situation aus eigener Erfahrung, da sie selbst bereits Zeit aus gesundheitlichen Gründen in der Psychiatrie verbracht haben. „Für sie ist es ein großer Augenblick, jetzt als Dienstleister zurückzukehren.“ Andere sehen es als Herausforderung, die sie auf ihrem Weg aus der Krankheit weiterbringen kann.
200 bis 400 Bücher werden monatlich ausgeliehen. Besonders gefragt sind Krimis und: „Harry Potter geht immer! Leider vergessen viele, den Harry Potter wieder zurückzubringen.“ Ärgerlich, denn oft wartet schon eine Person bereits darauf. „In diesem Fall müssen wir dann immer nachkaufen.“ Oder auf eine entsprechende Bücherspende warten, von denen die Bibliothek lebt.
Frau Voroneckas: „Wir freuen uns über gut erhaltene Bücher, die hier abgegeben werden können. Entweder geben wir sie direkt in den Verleih, oder wir bieten sie gegen eine kleine Spende zum Mitnehmen an. Besonders lesenswerte Bücher sind auch in unserem Gratis-Regal zu finden.“
Eine Mitarbeiterin erzählt, wie gern sie zu ihrer Arbeit in der Bibliothek geht: „Ich arbeite hier zehn Stunden im Monat. Das macht mir richtig Spaß! Hier treffe ich tolle Kollegen. Und es macht mir Spaß, besondere Bücher zu empfehlen oder für unsere Kunden das richtige Buch herauszusuchen.“ Ziel und Zweck des Einsatzes ist die Nutzung der eigenen Fähigkeiten, was das Selbstbewusstsein stärkt und Bestätigung bietet.
Besondere Aufmerksamkeit erhält die Bibliothek auch bei regelmäßig stattfindenden Lesungen, die so viel Publikum anziehen, dass es in der gemütlichen Bibliothek eng werden kann. Der Bestsellerautor Robert Seethaler stellte bereits zwei Mal eines seiner Bücher in einer Lesung vor. Genauso wie drei Patienten der Klinik, die mit ihren Texten einen Verlag überzeugten.