Vom ersten Kilometer auf dem Tempelhofer Feld zum Berlin-Marathon: Frau Selimovic läuft über ihre Grenzen hinaus

Frau Selimović läuft den Marathon

Mit etwas Abstand fühlt sich der Marathon für Frau Selimović noch immer „ziemlich unreal“ an.

Was vor etwas mehr als zwei Jahren mit kleinen Laufrunden begann, führte Frau Selimović vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zum Berlin-Marathon 2026. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Vorbereitung, der besonderen Atmosphäre entlang der Strecke und davon, was sie aus den 42,195 Kilometern mitnimmt.

Am Anfang stand nur der Wunsch, etwas Neues auszuprobieren. Am 1. Juni 2024 schnürte Elvedina Selimović erstmals die Laufschuhe. Gemeinsam mit einer guten Freundin begann sie, sonntagmorgens auf dem Tempelhofer Feld ihre ersten Runden zu drehen. Die Distanzen waren zunächst überschaubar: ein Kilometer, zwei Kilometer – irgendwann eine komplette Runde um das Tempelhofer Feld mit etwa sechs Kilometern. Ein kleines Erfolgserlebnis, das Lust auf mehr machte.

Der nächste Schritt kam eher spontan: Beim Blick auf ein Banner der Turngemeinde in Berlin 1848 e.V. (TiB) für den 38. Kreuzberger Viertelmarathon meldeten sich die beiden Freundinnen kurzerhand an. Die Strecke führte vom Columbiadamm über den Südstern, vorbei am Mariannenplatz und über die Oranienstraße zurück ins TiB-Stadion. Der Lauf machte so viel Spaß, dass daraus weitere Läufe und schließlich intensiveres Training entstanden.

Laufen als Ausgleich zum Arbeits- und Privatleben

Mit der Zeit wurde das Laufen für Elvedina Selimović mehr als nur Sport. Es wurde ein wichtiger Ausgleich zum Alltag: „Während des Laufens kann ich abschalten, den Alltag hinter mir lassen und den Kopf frei bekommen“, erzählt sie. Auch die eigene Wahrnehmung habe sich verändert: Dinge, die vorher belastend wirkten, erschienen nach einem Lauf oft plötzlich weniger schwierig.
Durch kleinere Läufe entstand schließlich der Wunsch, die eigenen Grenzen weiter auszutesten. Gemeinsam mit ihrer Freundin bewarb sie sich für den Berliner Halbmarathon und den Berlin-Marathon über das Losverfahren – mit dem Gedanken: Wenn es klappt, machen wir es. Und tatsächlich kam die Zusage. Nach dem erfolgreich gelaufenen Berliner Halbmarathon 2026 folgte schließlich die Teilnahme am Berlin-Marathon.

Frau Selimovic läuft den Marathon

Bereits durch den Berliner Halbmarathon wusste Frau Selimović ungefähr, was sie erwarten würde. Der Berlin-Marathon sei aber noch einmal etwas ganz anderes gewesen.

Vorbereitung auf 42,195 Kilometer

Die intensive Vorbereitung auf den Marathon begann bereits im April. Frau Selimović trainierte nach einem festen Trainingsplan, absolvierte mehrere Laufeinheiten pro Woche und integrierte das Training sogar in ihren Urlaub. Eine Marathonvorbereitung bedeute allerdings auch, viele Bereiche des Lebens neu zu organisieren: Training, Beruf, Privatleben, Erholung und Schlaf mussten miteinander vereinbart werden.
Besonders aufregend waren für sie die letzten zwei Wochen vor dem Start. Die Nervosität nahm zu, der Schlaf wurde schlechter und viele Fragen gingen ihr durch den Kopf: Wie würde der Körper reagieren? Würde die Energie reichen? Was passiert nach 30 oder 35 Kilometern? Am Marathon-Tag selbst war die Anspannung dann überraschend verschwunden. Nach einer guten Nacht überwog die Vorfreude: Endlich sollte es losgehen.

Ein besonderes Erlebnis auf Berlins Straßen

Bereits durch den Berliner Halbmarathon wusste Elvedina Selimović ungefähr, was sie erwarten würde. Der Berlin-Marathon sei aber noch einmal etwas ganz anderes gewesen. Die Stimmung entlang der Strecke, die Musik, die Zuschauenden und die vielen Läufer*innen hätten eine ganz besondere Energie erzeugt.
Besonders beeindruckt hat sie der Zusammenhalt unter den Menschen: Beim Berlin-Marathon 2026 waren laut ihrer Schilderung rund 56.000 Läuferinnen und Läufer aus 162 Nationen dabei. Für sie zeigt sich darin etwas Besonderes: Unterschiedliche Menschen kommen zusammen, unterstützen sich gegenseitig und verfolgen ein gemeinsames Ziel – die Ziellinie zu erreichen.
Diese positive Energie habe sie über die gesamte Strecke getragen. Sie habe sich gefreut, sei weitergelaufen und habe vor allem die Gemeinschaft erlebt. Diese Erfahrung wünsche sie sich auch stärker im Alltag: mehr aufeinander zuzugehen und die Bereicherung durch Unterschiedlichkeit zu erkennen.

Der Moment, an dem Durchhalten gefragt war

Der schwierigste Moment kam für Frau Selimović auf den letzten acht Kilometern. Die Energie sei zwar noch vorhanden gewesen, gleichzeitig hätten sich die Beine immer schwerer angefühlt. „Irgendwann fast wie Blei“, beschreibt sie diese Phase.
In diesem Moment habe ein Kampf mit sich selbst begonnen. Immer wieder musste sie sich motivieren: „Du schaffst das.“ Aufgeben sei für sie keine Option gewesen. Genau diese Erfahrung nehme sie auch für den Alltag mit: Die eigene Einstellung und das eigene Durchhaltevermögen seien entscheidend, wenn Herausforderungen schwierig werden.

Frau Selimovic läuft den Marathon

Eine Marathonvorbereitung bedeute, dass viele Bereiche des Lebens neu zu organisieren waren: Training, Beruf, Privatleben, Erholung und Schlaf mussten miteinander vereinbart werden.

„Man kann seine eigenen Grenzen verschieben“

Mit etwas Abstand fühlt sich der Marathon für Elvedina Selimović noch immer „ziemlich unreal“ an. Die vielen Glückwünsche von Familie, Freund*innen, Kolleg*innen und sogar unbekannten Menschen hätten ihr gezeigt, welche Bedeutung dieser Erfolg für andere hat.
Mit ihrer Leistung ist sie sehr zufrieden: Sie kam ohne Verletzungen nach 05:19:46 ins Ziel, hat ihre eigenen Grenzen überwunden und sich selbst bewiesen, was möglich ist. Gleichzeitig spürt sie, dass noch Entwicklungspotenzial vorhanden ist.
Ob sie noch einmal einen Marathon laufen würde? Im Moment sagt ihr Gefühl eher „Nein“ – vor allem wegen der intensiven Vorbereitungsphase. Die Balance zwischen Training, Beruf und Privatleben sei eine echte Herausforderung. Gleichzeitig hat sie gelernt, niemals nie zu sagen.
Für Frau Selimović bedeutet der Marathon deshalb mehr als 42,195 Kilometer: Er hat ihr gezeigt, dass man eigene Grenzen verschieben kann, wenn man an sich glaubt, dranbleibt und den Weg gemeinsam mit anderen geht.

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