Jeden Montag um 19.30 Uhr trifft sich der Rhythmusen-Chor im Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße. Den Frauenchor gibt es bereits seit 25 Jahren. Das Repertoire ist bunt gemischt, von Popsongs über mittelalterliche Lieder bis hin zu Filmmusik ist alles dabei. Sabine Dornbusch und Annette Bastigkeit singen schon fast seit der Anfangszeit bei Rhythmusen und kümmern sich um die Webseite und die Organisation im Hintergrund. Als der Chor Anfang des Jahres plötzlich ohne musikalische Leitung dastand, schalteten die Sängerinnen eine Anzeige auf der Webseite des Berliner Chorverbands und vereinbarten Probetermine mit den Interessentinnen. So fanden sie Rebekka Zastrow, die seit Mai dieses Jahres den Chor leitet und viele neue Impulse setzt. „Sie schafft es, Menschen zu begeistern und ist äußerst motivierend“, schwärmen die beiden von der neuen Chorleitung. Rebekka Zastrow hat Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und am Conservatorio di Milano studiert. Seit elf Jahren arbeitet sie freiberuflich in der Musikbildung; sie hat schon mehrere Chöre und Orchester geleitet, Klavierunterricht gegeben und Musikfreizeiten begleitet. Derzeit studiert sie im Master Dirigieren an der Universität der Künste Berlin und leitet nebenbei den Rhythmusen-Chor. „Mein Anspruch ist, dass wir ein möglichst hohes musikalisches Niveau erreichen, ohne dabei Stress und Druck zu verbreiten. Der Spaß soll nicht verloren gehen. In unserer Gesellschaft gibt es so viel Zeitdruck und Stress, alle haben so viel um die Ohren heutzutage. Was ich den Leuten mitgeben möchte, ist ein Ort der Erholung, der Abwechslung und Entspannung, wo man sich einfach mal fallen lassen und den Alltag vergessen kann, und wo man trotzdem alles gibt und mit Herz, Geist und Körper vollkonzentriert dabei ist.“
Viele Stimmen, gute Stimmung – Der Rhythmusen-Frauenchor in Kreuzberg
Bild: Duygu Atçeken
Die Chorprobe beim Kreuzberger „Rhythmusen“-Frauenchor beginnt jede Woche mit Aufwärmübungen. „Wie beim Sport müssen die Muskeln erst einmal warm werden, bevor wir sie benutzen,“ erklärt Chorleiterin Rebekka Zastrow. „Anders als bei anderen Instrumenten fungiert beim Singen der eigene Körper als Resonanzraum. Wir aktivieren also nicht nur die Stimmbänder, sondern den ganzen Körper. Körperliche Verspannungen äußern sich in der Stimme ebenso wie Emotionen oder Stress. Im Intro versuche ich ein Gefühl für die Gruppe zu bekommen, wie die Stimmung an dem Tag ist und wie ich die Probe entsprechend anpassen kann.“ Nach den Aufwärmübungen folgt ein einfacher Kanon. „So kommt man direkt ins Singen ohne viel nachzudenken“, erläutert die Chorleiterin. „Beim Singen mit Noten ist man schnell sehr auf die einzelnen Wörter und Noten konzentriert. Wenn man stattdessen auswendig singt, ist man viel freier und kann mehr auf den Klang achten. Es soll sich natürlich anfühlen.“ Im letzten Teil der Probe werden mehrere Stücke eingeübt, in dieser Dezemberprobe war die Auswahl mit „Adeste Fideles“, „Carol of the Bells“ und „Alle Jahre wieder“ angemessen weihnachtlich.