Mitgärtnern am Fanny-Hensel-Weg – Workshop zur Baumscheibenbepflanzung

Gruppenbild vor dem neu bepflanzten Riesenblumentopf in der Dessauer Straße

„Wir säen Gut aus“ – mit diesen Worten eröffnete Annie Stamm-Grossjohann am späten Nachmittag des 19. September einen besonderen Workshop am Fanny-Hensel-Weg, Ecke Dessauer Straße, unweit des Anhalter Bahnhofs. Ziel war es, gemeinsam mit Anwohner*innen eine Baumscheibe und einen sogenannten „Riesenblumentopf“ zu bepflanzen und damit einen kleinen, grünen Akzent im Stadtbild zu setzen.
Das Projekt „“Anhaltend Nachhaltig am Anhalter Bahnhof(https://anaab.de/) hatte Anwohner*innen und alle anderen Interessierten eingeladen. Gemeinsam setzen sich die Projektteilnehmenden dafür ein die Themen Umweltbildung und Nachhaltigkeit rund um den Anhalter Bahnhof zu fördern und dabei gleichzeitig auch Begegnungsräume für die Menschen im Kiez zu schaffen. Umweltbelastungen entgegenzuwirken und Stadtnatur zu entdecken und zu erleben, haben sich die Gründer*innen auf die Fahnen geschrieben. Etabliert ist bereits eine Nachbarschaftsgruppe, welche sich jeden Montag trifft um gemeinsam zu gärtnern oder nachhaltige Nachbarschaftsprojekte umzusetzen.

Erde wird auf einer Baumscheibe ausgelegt und von Frau Stamm-Grossjohann geharkt

Neue Krokusse für die Baumscheibe

Damit auch in der Dessauer Straße eine kleine grüne Oase entstehen kann, wurde nun zu einem Bepflanzungsworkshop eingeladen. Unter der Anleitung von Annie Stamm-Grossjohann, tätig in der “Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern” und Gründerin der Nachbarschaftsinitiative GreenKiez e.V. soll allen Teilnehmer*innen gezeigt werden, wie aus einer brachen Fläche eine kleine Pflanzeninsel entstehen kann. Welche Pflanzen sind überhaupt geeignet, wie muss der Boden bearbeitet werden und wie können alle gemeinsam dafür sorgen, dass die Pflanzen möglichst lange erhalten bleiben?
Bevor es aber in die Praxis geht werden alle Workshop Teilnehmer*innen aber zunächst mit einer kleinen Stärkung begrüßt. Bei Kaffee, Tee und leckeren belegten Brötchen kamen die Menschen miteinander ins Gespräch. Einige Teilnehmer*innen waren zum ersten Mal dabei, einige findet man regelmäßig an den umliegenden liebevoll gestalteten Beeten. Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte, war die Stimmung gut. Pflanzen brauchen nun mal Wasser, „allerdings auch nicht zu viel“, betonte Frau Stamm-Grossjohann.
Der erste Pflanzort war eine Baumscheibe unter einem stattlichen Ahorn. Mit Harken und Schaufeln wurde der Boden vorbereitet, eine Voraussetzung dafür, dass dort bald Frühblüher wie Krokusse wachsen können. Das Saatgut wurde sorgfältig ausgebracht, festgedrückt und angegossen.
Während des Gärtnerns, kam die Frage auf, wie alt der Baum wohl sein könnte. Ein Teilnehmer wies auf das Berliner Baumkataster hin, dort lässt sich die Geschichte vieler Stadtbäume nachvollziehen. Tatsächlich spenden die Ahornbäume in der Dessauer Straße schon seit rund 24 Jahren Schatten.Stamm-Grossjohann begleitete die Pflanzarbeiten fachkundig: „Wenn Pflanzen von einem Topf in die Erde kommen, brauchen sie Zeit, sie müssen erst wieder lernen, Wurzeln zu schlagen“, erklärte sie.

Der große Blumentopf wird von einem der Teilnehmer*innen gegossen

Arbeiten am Riesenblumentopf

Anschließend begaben sich die Anwohner*innen zur nächsten Station, einem sogenannten „Riesenblumtopf“. Am Ende der Straßenkreuzung wurde es nochmal kreativ. Hier soll ein Meer aus Pflanzen entstehen. In der Mitte wurde zunächst eine Leitstaude platziert, diese ist als größte und höchste Pflanze quasi der „Star“ des Beetes. Um sie herum gruppieren sich die kleineren Begleitstauden; Lücken werden durch sogenannte Füllpflanzen gefüllt. „Pflanzen können Diven sein“, so Frau Stamm-Grossjohann. „Wenn jeden Tag jemand mit der Gießkanne vorbeischaut, werden Sie zu sehr verwöhnt.” Zu viel Gießen könne daher auch nachteilig für die Pflanzen sein, zu wenig dürfe es aber natürlich auch nicht sein. Diesen Spagat zu meistern ist wahrscheinlich schon vielen Hobbygärtner*innen schwergefallen.
Nachdem die Pflanzen im Beet ihren Platz gefunden hatten, wurde ausgiebig über die optimale Anordnung diskutiert: Wo bekommen die Pflanzen das meiste Licht? Wie kann man Passant*innen für den achtsamen Umgang mit den neuen Beeten sensibilisieren?

„Einige denken vielleicht, das sei nur Unkraut und rupfen es wieder heraus“, bemerkte ein Teilnehmer. Um dem entgegenzuwirken, soll ein kleines Hinweisschild auf die neue Bepflanzung aufmerksam machen und zum Mitmachen einladen.

Mit vereinten Kräften wurden schließlich alle Pflanzen gesetzt und gut gewässert. Der Workshop endete mit einem gemeinsamen Gruppenfoto und dem Gefühl, dem Kiez eine neue grüne Insel geschenkt zu haben.
Bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere solche kleinen Oasen folgen – und sich noch mehr Menschen vom „Gartenfieber“ anstecken lassen.