Leben an Land: Landschaftsplanung für Artenvielfalt im Kiez

Porträtfoto von Julia Lindner

Julia Lindner arbeitet seit 2019 für das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg – als Sachbearbeiterin für Landschaftsplanung im Umwelt- und Naturschutzamt

Im Bezirksticker zeigen wir inspirierende Projekte aus Friedrichshain-Kreuzberg, die ganz konkret zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN beitragen. Denn: „Global denken – lokal handeln“ beginnt genau hier bei uns im Kiez. Diesmal: Ziel 15 – Leben an Land.
Wie lässt sich Naturschutz in einem dicht besiedelten Bezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg gestalten? Julia Lindner kennt die Herausforderungen. Seit 2019 arbeitet sie als Sachbearbeiterin für Landschaftsplanung im Umwelt- und Naturschutzamt und beschäftigt sich unter anderem mit Ausgleichsmaßnahmen, dem Biotopflächenfaktor und der Spielplatzablöse.
„Es fasziniert mich, welche Artenvielfalt mitten in der Stadt existiert – trotz Verkehr, Lärm, Licht und allem, was der Mensch so mitbringt“, erzählt Julia Lindner. „Biber, Fischotter und verschiedene Raubvögel finden: Das hier ist ein schöner Ort zum Leben. Und es macht total viel Spaß, Projekte zu entwickeln, die für die Tier- und Pflanzenwelt Rückzugsräume schaffen.“ Julia Lindner hat Biogeowissenschaften in Jena studiert, in die Landwirtschaft reingeschnuppert und Arbeitserfahrungen an der Universität sowie im Architekturbüro zum Energiebau gesammelt. Schließlich wurde sie auf einem Stellenportal auf die Stelle als Landschaftsplanerin im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg aufmerksam. Die Stelle verbindet ihre verschiedenen Kenntnisse und Interessen und bringt unter anderem noch folgenden Vorteil mit sich: „Ich lerne ständig dazu – durch die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, durch neue Projekte, durch Bürger*innenanfragen.

Eine Blumenwiese entsteht am Görlitzer Ufer

Natur schützen, wo gebaut wird

Die Landschaftsplanung im Bezirk wirkt in zahlreiche Prozesse hinein. Ob bei der Entwicklung von Naturräumen, Bauanträgen oder Spielplatzplanungen – überall bringt Julia Lindner gemeinsam mit ihrem Team naturschutzfachliche Aspekte ein. Die Mitarbeiter*innen des Umwelt- und Naturschutzamtes betreuen nicht nur die Landschaftsplanung, sondern auch Fachgebiete wie den Arten- oder Baumschutz. „Wir achten zum Beispiel darauf, dass Biodiversität im Quartier mitgedacht wird: Blühstreifen statt Schotter, Sträucher statt reinem Rasen, Regenwassernutzung statt Versiegelung.Ein Beispiel dafür, wie Straßenzüge aufgewertet werden können, ist das Görlitzer Ufer. Aber auch Stellungnahmen zu Großvorhaben, wie dem Liegestellenkonzept an der Spree oder zur Sanierung des Landwehrkanals (mit Auswirkungen auf den Baumbestand), gehören zu Julia Lindners Aufgabenbereich. Die Arbeit ist oft ein Spagat zwischen ökologischen Anforderungen und städtebaulichen Interessen. „Das Schönste ist, wenn Lösungen gefunden werden, mit denen alle zufrieden sind.“

Was bedeutet das Nachhaltigkeitsziel „Leben an Land“ konkret im Bezirk?

Ob es um das Schwammstadt-Prinzip, die Förderung von Biodiversität oder um die Sicherung städtischer Lebensräume geht: Die Schnittmenge mit dem Nachhaltigkeitsziel 15 ist groß. Viele kommunale Richtlinien basieren auf den UN-Zielen.
In einem urbanen Raum wie Friedrichshain-Kreuzberg steht der Naturschutz dabei besonders unter Druck. Denn: Viele Flächen gehören privaten Eigentümer*innen oder fallen in den Zuständigkeitsbereich anderer Ämter. Die Landschaftsplanung agiert hier oft als Vermittlerin zwischen Stadtentwicklung, Erholungsnutzung, Klimaanpassung und Artenschutz.
„Unsere Werkzeuge sind relativ begrenzt, aber wir holen viel raus – durch Kooperation und durch Kreativität.“. So arbeitet ihr Team eng mit den Kolleg*innen im Straßen- und Grünflächenamt zusammen, um zum Beispiel versiegelte Flächen ökologisch aufzuwerten. Auch Bildungsprojekte wie die Lebendige Stadtgärtnerei, der Baumlehrpfad Böcklerpark oder die Erlebnispfade Volkspark Friedrichshain und Görlitzer Park entstehen in dieser Zusammenarbeit.

Naturschutz braucht Vernetzung und Geduld

Das Sachgebiet Naturschutz und Landschaftsplanung umfasst sieben Mitarbeiter*innen und ist Teil der Naturschutzbehörde. „Wir kommen alle aus unterschiedlichen Fachrichtungen: von der Landschaftsarchitektur bis zur Lehrtätigkeit. Diese Vielfalt macht uns stark. Und wir lernen fachlich und menschlich viel voneinander.“ Die Zusammenarbeit mit anderen Ämtern sei zentral, etwa auch mit der Stadtplanung, dem Schul- und Sportamt oder der Bauaufsicht.
Trotz positiver Erfahrungen gibt es auch ernüchternde Erkenntnisse: „Ich komme aus einer kleineren Stadt, in der es andere Probleme gibt. Hier in Berlin hat es mich am Anfang schon überrascht, wie vermüllt viele Orte sind und wie sorglos manche Menschen mit der Natur umgehen“. Besonders problematisch: Der Druck, neuen Wohnraum zu schaffen, führt häufig zu Verlusten an Lebensraum für Tiere und Pflanzen. „Das lässt sich nicht vollständig ausgleichen. Wir müssen hier abwägen, priorisieren und vor allem frühzeitig mitdenken.“

Blick nach vorn

Julia Lindner und ihre Kolleg*innen leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der Stadt und damit eben zur Erreichung des Nachhaltigkeitsziels 15.
„Mir macht es große Freude, Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen mitzudenken und später zu sehen, wie unsere Ideen Wirklichkeit werden“, sagt sie. Durch Ausgleichsmaßnahmen, Begrünungskonzepte, Umweltbildung oder Projekte wie die Entsiegelung von Straßenflächen wächst der Bezirk Stück für Stück zu einem Lebensraum, in dem Natur ihren Platz hat.
„Wir können nicht alles umsetzen, was wir möchten, aber wir schaffen es immer wieder, neue Impulse zu setzen. Das motiviert mich.“
Für das Nachhaltigkeitsziel 14 – Leben unter Wasser – haben wir… vorgestellt

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