Das ideale Betreuungsangebot für die individuellen Bedürfnisse der Familien in Friedrichshain-Kreuzberg – Vorstellung des Fachbereichs „Kindertagespflege“ im Jugendamt

Das Team der Gruppe "Kindertagespflege"

Jedes Kind in Berlin hat ab dem ersten Geburtstag Anspruch auf Betreuung. Die Eltern bekommen dafür einen Gutschein vom Jugendamt und die meisten Familien in Friedrichshain-Kreuzberg lösen diesen für einen Kitaplatz ein. Deutlich weniger bekannt ist hingegen das Angebot der Kindertagespflege. „Der Ursprung dieses Formats liegt in der Tagesmutterbewegung der 1970er Jahre“, erklärt Marie Kurth, die Leiterin des Fachbereichs Kindertagespflege im Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg. „Damals fingen Mütter an, neben ihren eigenen Kindern weitere Kinder aus der Nachbarschaft zu betreuen. Seitdem wurde das System zunehmend professionalisiert.“ In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es derzeit 65 Kindertagespflegepersonen, die entweder allein oder im Verbund arbeiten und zwischen drei und maximal zehn Kindern betreuen, meist in angemieteten Räumen im Bezirk, teilweise aber auch in der eigenen Wohnung.

Unterstützung, Beratung und Überprüfung der Kindertagespflegepersonen

Zu den Hauptaufgaben des fünfköpfigen Teams „Kindertagespflege“ gehören die fachliche Aufsicht der Kindertagespflegepersonen, die Überprüfung der Qualität der Betreuung sowie die Beratung in pädagogischen, rechtlichen, organisatorischen und entwicklungsfördernden Fragen. Regelmäßig führen sie Hausbesuche durch, um sicherzustellen, dass das jeweilige Betreuungsangebot den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird. Auch die Eignungsüberprüfung und Qualifizierung neuer Kindertagespflegepersonen im Bezirk läuft über das Jugendamt, ebenso die Ausstellung und regelmäßige Überprüfung der Pflegeerlaubnis. Dazu gehören ein Kinderschutzkonzept, ein ärztliches Attest, ein erweitertes Führungszeugnis und ein Erste Hilfe am Kind-Kurs.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit von Marie Kurth und ihren Kolleginnen ist außerdem die Unterstützung und Beratung der Kindertagespflegepersonen in Krisensituationen. Zu den zentralen Herausforderungen des letzten Jahres gehört die sinkende Nachfrage; mittlerweile gibt es in ganz Berlin mehr Angebote für Kinderbetreuungsplätze als von den Eltern nachgefragt werden. „Das liegt einerseits am starken Geburtenrückgang deutschlandweit, andererseits sind die Mieten in Berlin für Familien einfach zu teuer. Viele ziehen außerhalb des Rings, sodass gerade in den innerstädtischen Bezirken die Nachfrage weiter sinkt.“ Manche Einrichtungen müssen schließen oder neue Konzepte entwickeln. Auch dabei steht das Team „Kindertagespflege“ den Fachkräften unterstützend zur Seite. „Es geht auch darum, zu zeigen: Wir sind auf eurer Seite – auch wenn uns natürlich manchmal die Hände gebunden sind. Für die Kindertagespflegepersonen ist das nicht nur ein Job, das ist eine Berufung. Sie arbeiten aus Überzeugung und machen auch dann weiter, wenn es finanziell schwierig wird.“

Das Team im Fachbereich „Kindertagespflege“

Seit Mai dieses Jahres leitet Marie Kurth den Fachbereich Kindertagespflege im Jugendamt. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin und ihrem Bachelorstudium der Sozialen Arbeit absolvierte sie einen Master in Internationaler Entwicklung an der Bethlehem University. Bevor sie ihre Stelle im Bezirksamt antrat, arbeitete sie zuletzt acht Jahre lang in den palästinensischen Gebieten in der internationalen Zusammenarbeit. Auch wenn sich die Umstände und die Intensität der Arbeit durch ihre Rückkehr nach Deutschland verändert hätten, sei ihre Motivation stets die gleiche geblieben: „Dass Kinder gut betreut und begleitet werden, ist mir ein sehr großes Anliegen.“

Neben Marie Kurth gehören zum Team zwei weitere Fachberaterinnen und zwei Sachbearbeiterinnen. Stefanie Haberer ist gelernte Kauffrau für Bürokommunikation und hat zuvor im Ordnungsamt gearbeitet. Seit 2018 ist sie im Fachbereich Kindertagespflege für die Verträge und Abrechnungen mit den Kindertagespflegepersonen zuständig. An ihrer Tätigkeit gefallen ihr besonders die abwechslungsreichen Aufgaben sowie die Zusammenarbeit mit tollen Kolleginnen.
Svenja Kettmann hat während ihres dualen Studiums der Sozialen Arbeit mehrere Monate in der Fachberatung Kindertagespflege gearbeitet und ist nach Abschluss des Studiums zurückgekehrt. Das Arbeitsgebiet kennt sie bereits aus ihrer eigenen Kindheit – von der anderen Seite: Ihre Mutter hat 30 Jahre lang als Tagesmutter in Berlin gearbeitet. „Es waren immer andere Kinder bei uns zuhause. Die haben zur Familie gehört und man hatte immer jemanden zum Spielen. Zu manchen haben wir bis heute noch Kontakt“, erzählt sie. Am meisten mag Svenja Kettmann an ihrer Arbeit die Hausbesuche: „Wenn wir vom Schreibtisch wegkommen und die Kindertagespflegepersonen besuchen, den Alltag dort sehen und unterstützen können, dann geht man mit einem guten Gefühl nach Hause.“

Kleine Gruppen, familiäres Umfeld, individuelle Betreuung

Nicht nur den Kindertagespflegepersonen, auch den Eltern im Bezirk stehen die Fachberaterinnen unterstützend und beratend zur Seite. Vielen ist das Angebot der Kindertagespflege gar nicht bekannt oder etwas suspekt. Zu den Aufgaben des Teams gehört daher auch, über die Arbeit der Kindertagespflegepersonen zu informieren und mögliche Bedenken aus dem Weg zu räumen.

Die meisten Kindertagespflegepersonen sind spezialisiert auf die Beziehungsgestaltung und Bindungsarbeit von null bis drei Jahren. Das Besondere an diesem Format ist außerdem das familiäre Umfeld und die enge Betreuung. Durch die kleinen Gruppen können die Fachkräfte auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder dezidiert eingehen. „Gerade für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf ist die Kindertagespflege daher oft ein sehr passendes Format“, betont Marie Kurth. „Die Kindertagespflege ist das perfekte Angebot für das individualistische und heterogene Berlin“, ergänzt ihre Kollegin Carola Behnke. Man könne das Angebot viel flexibler gestalten und individuell an die jeweilige Situation anpassen. Carola Behnke hat einen Bachelor in Sozialer Arbeit und arbeitet seit fünf Jahren im Fachbereich Kindertagespflege im Jugendamt. „Das Schöne an der Kindertagespflege ist, dass sie nicht exklusiv für eine besondere Bevölkerungsschicht oder Familienform ist, sondern wirklich für alle. Das Angebot lässt sich individuell an die vielfältigen Bedürfnisse der Familien in Friedrichshain-Kreuzberg anpassen.“

Weitere Informationen zum Angebot der Kindertagespflege in Friedrichshain-Kreuzberg gibt es hier.