Ideenwerkstatt im Projekt „Kotti räumt auf“

Kotti räumt auf - Ideenwerkstatt

Rund 50 Menschen diskutierten bei der Ideenwerkstatt „Kotti räumt auf“ im Nachbarschaftshaus Urbanstraße über nachhaltige Lösungen für das Kottbusser Tor.

Mitte August wurde das Nachbarschaftshaus in der Kreuzberger Urbanstraße zum Treffpunkt für gelebtes Engagement: Rund 50 Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen kamen zur Ideenwerkstatt des Projekts „Kotti räumt auf“. Ob Anwohner*innen, Gastronom*innen Vertreter*innen aus Tourismus, Verwaltung, des Quartiersmanagements oder anderen Initiativen – sie alle eint das Ziel, das Kottbusser Tor nicht nur kurzfristig sauberer und lebenswerter zu gestalten, sondern auch die tieferen Ursachen der bestehenden Probleme zu verstehen und langfristige Veränderungen anzustoßen.

Gemeinsam mit dem Projektteam der „Organisationseinheit Klima und Internationales” sowie der Agentur New Standard.S wurden Ergebnisse einer Systemanalyse vorgestellt, die im Rahmen der ersten Projektphase unter Beteiligung einer kleineren Gruppe von Akteur*innen erstellt wurde.

Kotti räumt auf - Ideenwerkstatt - Garten

Im Garten des Nachbarschaftshauses Urbanstraße arbeiteten Teilnehmer*innen in kleinen Gruppen unter freiem Himmel an gemeinsamen Ideen für das Projekt „Kotti räumt auf“.

Nach einer kurzen Einführung ging es für die Teilnehmenden direkt in die Arbeitsphase. In kleinen Gruppen tauschten sie sich intensiv aus. Ziel war es, Ideen zur Verbesserung der Situation am Kottbusser Tor zu sammeln, Prioritäten festzulegen und konkrete Schritte ins Auge zu fassen. Als zentrales Werkzeug diente dabei eine System Map – eine visuelle Darstellung, die verdeutlicht, wie verschiedene Faktoren miteinander verknüpft sind und gemeinsam die komplexe Müllsituation am „Kotti“ prägen. Diese Karte half den Beteiligten, sogenannte Hebelpunkte zu identifizieren – also Stellen im Gefüge, an denen gezielte Maßnahmen eine besonders große Wirkung entfalten können.

Bei der Analyse traten zwei übergeordnete Dynamiken deutlich hervor. Zum einen sind es soziale Normen und Verhaltensmuster, die die Situation beeinflussen: Die Normalisierung von achtlosem Müllverhalten, das Ausbleiben nachhaltiger Veränderungen und die Vorstellung vom „gelebten Chaos“ als Teil des Kotti-Charmes – auch wenn dieser Charme für viele längst an seine Grenzen stößt.

Zum anderen erschweren fehlende, insbesondere langfristige Finanzierungsstrukturen sowie zersplitterte Zuständigkeiten in der Verwaltung eine koordinierte Herangehensweise. Beides trägt dazu bei, dass kurzfristige Erfolge schwer zu verstetigen sind und strukturelle Verbesserungen nur langsam greifen.

Aufbauend auf der Auseinandersetzung mit den identifizierten Hebelpunkten entwickelten die Teilnehmenden konkrete Maßnahmen, die sie am Ende der Ideenwerkstatt gemeinsam priorisierten. Das entstandene Maßnahmenpaket wird nun sowohl vom Projektteam als auch von der Bezirksverwaltung sorgfältig geprüft – mit Blick darauf, welche Vorhaben sich kurzfristig realisieren lassen und welche langfristige Planung, Ressourcen und Kooperationen erfordern. Ziel ist es, aus der Fülle an Vorschlägen jene herauszufiltern, die schnell Wirkung zeigen und zugleich eine nachhaltige Verbesserung der Situation am Kottbusser Tor anstoßen können.

Kotti räumt auf - Ideenwerkstatt - Urbanhaus

Gruppen entwickeln unter bunten Fahnen im Garten des Nachbarschaftshauses Urbanstraße Ideen für „Kotti räumt auf“.

Erste Ideen sollen bereits bei den Aktionstagen „Kotti räumt auf“ vom 11. bis 13. September sichtbar werden. So wird der BSR-Kieztag am 11. September in der Dresdener Straße durch eine Upcycling-Station, einen Repair-Shop und einen Lastenrad-Verleih ergänzt. Zusätzlich sind kreative Cleanups geplant: Mit Kajaks soll der Landwehrkanal von Müll befreit werden, während sich gleichzeitig Aktionsgruppen vom Kotti ausgehend in die umliegenden Kieze aufmachen. Geplant ist außerdem, möglichst viele der in der Werkstatt entwickelten und kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen direkt in diese Aktionstage zu integrieren – um den Schwung und die Motivation aller Beteiligten unmittelbar in sichtbare Ergebnisse zu verwandeln.

Insgesamt hat dieses Projekt eindrucksvoll verdeutlicht, welches Potenzial in gemeinschaftlich getragenen Prozessen liegt und wie wertvoll der offene Austausch zwischen unterschiedlichen Akteurs- und Betroffenengruppen ist, die sich gleichfalls Veränderungen wünschen.

Die hier entstandenen Impulse und Ideen bilden eine solide Basis für weitere Schritte und vertiefende Zusammenarbeit – die gerade unter allen Beteiligten, die im Umfeld des Kottbusser Tors leben und arbeiten fruchtbar wie wichtig ist.

Mit der Veröffentlichung der Map im Projektreport wird das erarbeitete Wissen nachhaltig gesichert und für weitere Initiativen nutzbar gemacht – ein wichtiger Beitrag, um den begonnenen Dialog fortzuführen und langfristig wirksame Veränderungen anzustoßen.

Das Projekt wird von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe aus Mitteln für besondere touristische Projekte finanziert (visitBerlin) sowie aus Eigenmitteln des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg für klimaverbessernde Maßnahmen.

Unter den Projektteilnehmer*innen waren: BVG, SenMVKU, BSR, Circular Berlin, Zero Waste Agentur, Bezirksamt Neukölln, Dütti Treff, wirBerlin, Yesil Cember, Nachbarschaftsraum Neues Kreuzberger Zentrum e.V., Fixpunkt e.V., mieterbeirat mariannenplatz, QM Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße, Mitglieder der BVV, Straßen- und Grünflächenamt (Ordnungsamt, Abfallkoordinatorin), visitBerlin, GEWOBAG, HOWOGE.