Grünberatung - Eine Kreuzberger Hausgemeinschaft bringt mit Herz und Hand ihren Hof zum Blühen

Ein starkes Team: Grünberaterin Lina Below und die Nachbarinnen Doris, Maike und Sylvia mit Enkel

Ein starkes Team: Grünberaterin Lina Below und die Nachbarinnen Doris, Maike und Sylvia mit Enkel

Zwischen einer alten Remise, knorrigen Stauden und einer wild wuchernden Brombeere fristete der Hinterhof einer Hausgemeinschaft in der Kreuzberger Oranienstraße lange Zeit ein Schattendasein – mehr Durchgang als Aufenthaltsort, mehr Grau als Grün. Doch damit sollte Schluss sein: Voller Tatendrang und mit der fachkundigen Unterstützung der Grünberatung, die im Auftrag des Bezirksamtes in Friedrichshain-Kreuzberg Hobbygärtner*innen unterstützt, krempelten die Bewohner*innen die Ärmel hoch und verwandelten ihr urbanes Hinterland in eine blühende Oase.

Sylvia, die schon seit 1981 zur Hausgemeinschaft gehört, denkt gerne an die goldenen Zeiten zurück, als ihr Nachbar Rüdiger noch lebte und im Hof das grüne Zepter schwang: „Er hatte wirklich einen grünen Daumen. Jedes Jahr brachte er die Beete und Kübel im Hof zum Strahlen – das war ein Fest für alle Sinne!“ Doch seitdem blieb das Gießkännchen verwaist, und das Hofgrün geriet ins Hintertreffen.

Bevor die Hausgemeinschaft pflanzen konnte, mussten die Beete entsprechend vorbereitet werden. Hier hat die Hausgemeinschaft Hand in Hand gearbeitet

Bevor die Hausgemeinschaft pflanzen konnte, mussten die Beete entsprechend vorbereitet werden. Hier haben alle Hand in Hand gearbeitet

Beetpläne und Gestaltungsvorschläge

„Uns war klar, dass wir etwas ändern mussten – nur das Wie war uns ein Rätsel“, erzählt Sylvia. Die rettende Idee kam mit der bezirklichen Grünberatung ins Spiel: ein Förderprogramm für Mieter*innen in Friedrichshain-Kreuzberg, das fachkundige Beratung, Pflanzen und Substrate bietet. Entsiegelungsmaßnahmen werden mit bis zu 3.000 Euro pro Hof bezuschusst – ein echter Turbo für alle, die ihr Stück Stadt in ein Naturparadies verwandeln wollen.

„Wir haben uns im Haus abgesprochen, wer welche Aufgaben übernehmen kann. Eine Mitarbeiterin der Grünberatung kam im Frühjahr letzten Jahres zu uns, um sich ein Bild von unserem Hof zu machen.“ Dabei habe sie die Bodenqualität begutachtet und bestimmt, welche Pflanzen für die überwiegend schattige bis halbschattige Hofsituation in Frage kommen. „Sie erstellte für uns einen Freiflächenplan, berechnete die Beetgrößen, die nötige Menge an Mutterboden und den passenden Substratanteil, damit sich die ausgewählten Pflanzen hier bei uns auch wohlfühlen.“

Lina Below, Grünberatung beim Stadtteilausschuss Kreuzberg e.V. für Friedrichshain-Kreuzberg: „Die Ziele dieser Begrünungsmaßnahme waren die Verbesserung der Bodenqualität, das Einbringen schattentoleranter heimischer Stauden, die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität sowie die Steigerung der Aufenthaltsqualität für die Bewohner*innen. Hierfür wurden der Hausgemeinschaft etwa 900 Euro Fördersumme vom Bezirk zur Verfügung gestellt.“

Die Kräuterspirale versorgt die Hausgemeinschaft mit essbaren Pflanzen

Die Kräuterspirale versorgt die Hausgemeinschaft mit essbaren Pflanzen

Der nachbarschaftliche Einsatz hat sich gelohnt!

Die Arbeitsgruppe informierte sich anhand der Vorschläge bei verschiedenen Gärtnereien. Nachbarin Doris erzählt: „Wir haben einige Gärtnereien abtelefoniert und angeschrieben, denn nicht jeder Betrieb hatte alles, was wir brauchten, vorrätig. Einige Vorschläge mussten ergänzt und angepasst werden, bis die Bestellung endlich rausging.“

Die Zusammensetzung der neuen schattentoleranten Bepflanzung kann sich sehen lassen – Lina Below: „Schatten-Segge, Storchschnabel, Walderdbeeren, gelber Lerchensporn, geflecktes Lungenkraut und weißrandige Graublatt-Funkie sorgen in einem großen Beet für ansehnliches Grün, während auf der gegenüberliegenden Seite eine große Kräuterspirale als Blickfang dient – und als Naschgarten.“

Doch ohne Fleiß kein Preis weiß Nachbarin Sylvia: „Bevor wir pflanzen konnten, mussten wir die Beete vorbereiten.“ Das war mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden, da Beet-Einfassungen erneuert werden mussten und zudem verrottete Balken der angrenzenden Remise zum Vorschein kamen. „Also hoben wir die alte Erde aus, transportierten sie per Schubkarre in die ehemaligen Prinzessinnengärten, kümmerten uns um Ersatz für die maroden Balken und füllten die Beete mit Kompost und neuem Mutterboden auf.“

Nachbarin Maike erinnert sich: „Es war wirklich viel Arbeit, bis die Balken endlich erneuert und abgedichtet waren und wir die neuen Pflanzen und Stauden ins Beet setzen konnten! Aber es hat sich gelohnt. Mir persönlich gefällt am besten die Kräuterspirale. Ich bevorzuge essbare Pflanzen.“

Ein Blick vom Dach während der Umgestaltungsarbeiten

Ein Blick vom Dach während der Umgestaltungsarbeiten

Dieses Projekt hat uns wieder einmal aufs Neue zusammengeschweißt – als Nachbar*innen und als Mitmenschen

Auch Sylvia und Doris sind glücklich, dass dieses Projekt für die Hausgemeinschaft jetzt abgeschlossen ist: „Unser Hof gehört zu unserem Zuhause, genauso wie unsere Wohnungen. Es hat uns wieder einmal aufs Neue zusammengeschweißt – als Nachbar*innen und als Mitmenschen. Wir freuen uns auf schöne Sommerabende, die wir hier gemeinsam im Hof verbringen können.“ Auch in gemeinsamer Erinnerung an den Nachbarn Rüdiger, der, solange er lebte, viel Zeit in diesem Hof verbrachte.

Hier finden Sie die Vorstellung der Grünberaterin Lina Below. Sie arbeitet dienstags in der Bergmannstraße. 14, von 18 bis 19.30 Uhr im Büro des Stadtteilausschusses Kreuzberg e.V. und donnerstags in der Boxhagener Straße 89, von 18 bis 19.30 Uhr im Büro des Selbsthilfe-Treffpunkts.