Grünberatung Friedrichshain-Kreuzberg

Lina Below

Grünberaterin Lina Below

Friedrichshain-Kreuzberg ist der am höchsten versiegelte Bezirk Berlins. 68,1 Prozent der Fläche sind hier versiegelt, also bebaut – mit Wohnhäusern, anderen Gebäuden oder Verkehrsflächen. Daher ist es einerseits wichtig, Bereiche zu entsiegeln und andererseits die nicht bebauten Flächen möglichst grün, artenreich und biodivers zu gestalten. Das gilt nicht nur für öffentliche Bereiche wie Parks und Spielplätze, sondern auch für private Flächen. Da es in Friedrichshain-Kreuzberg nur sehr wenige eigene Gärten und kaum Schrebergärten gibt, nimmt das Umwelt- und Naturschutzamt im Innenstadtbezirk auch Balkons und Hinterhöfe von Mehrfamilienhäusern ins Blickfeld.

In der Grünberatung, die das Amt seit vielen Jahren mit dem Stadtteilausschuß Kreuzberg e.V. umsetzt, können sich Bürger*innen sowohl zu Balkonbepflanzungen informieren als auch die Entsiegelung und Begrünung ihres Hinterhofs fördern lassen. Mieter*innen und Mieter*innengemeinschaften können sich zur Bepflanzung ihrer Hinterhöfe und Vorgärten beraten lassen und Fördergelder bis zu 3.000 Euro erhalten. Es werden Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung gefördert, zu denen die Flächenentsiegelung, die Pflanzung von heimischen Stauden, Sträuchern und Gehölzen sowie das Anbringen von Nisthilfen für Vögel und Insektenhotels zählen. Auch Regenwassertonnen können über die Regenwasseragentur gefördert werden.

Hyazinthe

Beratungen in beiden Ortsteilen

Die Saison der Grünberatung läuft von Februar bis Oktober. Lina Below hat die Funktion als Grünberaterin im Februar dieses Jahres von einer Studienkollegin übernommen. Sie hat Gartenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität studiert. Sie führt die Beratungen an beiden Standorten, in der Bergmannstraße und in der Boxhagener Straße, durch. Die Anfragen erreichen sie sowohl telefonisch, per E-Mail als auch von Laufpublikum. In der Bergmannstraße gebe es deutlich mehr Menschen, die zufällig vorbeikämen. Am Friedrichshainer Standort kämen die Menschen gezielter, beispielsweise auf Empfehlung aus der Nachbarschaft.

„Wir probieren immer neue Wege, um die Menschen im Bezirk auf unser Angebot aufmerksam zu machen.“ So nimmt das Team beispielsweise an Ökomärkten teil, oder präsentiert sich auf dem „Markt for Future“ der Bezirkszentralbibliothek, der im Juli stattfindet. Vieles laufe zudem über Mundpropaganda.

Menschen unterschiedlichen Alters kommen zur Beratung. Sie alle verbinde ein Interesse an Natur und Umwelt. „Es gibt Einzelkämpfer, die allein ihren Hinterhof umgestalten wollen, aber meistens kommen Gruppen von Menschen, die sich gemeinsam einsetzen.“

Die Projekte hätten sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten. „Dafür gibt es viele unterschiedliche Faktoren, eine große Hürde ist aber häufig die Einverständniserklärung des Hauseigentümers.“ Bei Eigentümergemeinschaften sei es teilweise einfacher, diese Einverständniserklärung zu bekommen als bei Hausverwaltungen, die hier zögerlich agierten. Der*die Hauseigentümer*in verpflichtet sich, dass die umgestaltete begrünte Fläche für zehn Jahre erhalten bleibt. „Bei Hausverwaltungen besteht immer mal wieder die Sorge, dass die Zusammensetzung der Bewohner in zehn Jahren eine andere ist und sich niemand um den Hof kümmert.“

Hinterhof

Schlechte Bodenqualität als Herausforderung

Der Erstkontakt verlaufe entweder telefonisch oder im persönlichen Gespräch. Nach Unterschrift des Eigentümers*der Eigentümerin folgt dann die Hofbegehung. Dort guckt Lina Below ganz individuell, welche Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort möglich sind. Beispielsweise schaut sie, ob vor Ort mit Rankpflanzen gearbeitet werden kann. „Wie ist die Bodenqualität? Kann man die Pflanzen in verschiedenen Höhen anlegen?“

Die Bodenqualität sei in der Regel nicht so gut. „Die Böden im Bezirk sind sehr sandig und voller Geröll. Wir müssen meist viel mit Mutterboden und Kompost aufwerten.“ Auch eine Unterkellerung spiele eine Rolle. Das sei eine Schwierigkeit, bei der man in der Regel nur mit Hochbeeten arbeiten könne.

Bei der Zusammensetzung der Pflanzen wird darauf geachtet, dass sie nachhaltig und dynamisch ist, die Pflanzenwelt sich also selbst stabilisiert. Einjährige Pflanzen sollten sich beispielsweise selbst wieder aussähen, damit nicht ständig nachgekauft und gepflanzt werden muss.

Zusätzlich zum Hofbegrünungsprogramm erhält die Grünberatung viele Anfragen zum Thema Balkonbepflanzung, aber auch zum Umgang mit Schädlingen. Auch Dach – und Fassadenbegrünung interessieren die Friedrichshain-Kreuzberger*innen.

Gießkanne

Heimische Arten für den Balkon

Der Fokus bei der Bepflanzung des Balkons sollte auf heimischen Arten liegen. „Generell sollten sich die Balkongärtner fragen, warum sie begrünen möchten. Möchten sie Blütenreichtum oder die Insektenwelt stärken. Hätten sie gern Essbares auf dem Balkon, wie Kräuter oder Erdbeeren?“ Einige dieser Wünsche und Bedürfnisse ließen sich auch gut miteinander kombinieren. Beispielsweise könne die Bepflanzung gleichermaßen eine Augenweide und Bienenfutter sein. Für viele sei es zudem wichtig, dass die Bepflanzung pflegeleicht sei.

Bei schattigen Balkonen gibt es andere Voraussetzungen als bei sonnigen Standorten. Auch unterschiedliche Gießsysteme sollten beachtet werden. „Pflanzen sind wie Kinder. Sie wollen Aufmerksamkeit und gepflegt werden. Man möchte ja nicht, dass nach dem Urlaub alles vertrocknet ist.“

Ein Großteil der Menschen, die in die Grünberatung kommen, seien sehr dankbar für die Tipps und Tricks. Andere kämen mit einem gewissen Vorwissen, weil sie beispielsweise einen Schrebergarten haben und seien dann überrascht, dass sich diese Erkenntnisse nicht auf Hinterhöfe und Balkon übertragen lassen. Für Hinterhöfe, die in der Regel wenig Sonneneinstrahlung bekommen, müsste man auf heimische Pflanzen setzen die sich auch mit weniger Lichteinfall gut entwickeln können. „Wir arbeiten sehr viel mit schattentoleranten Stauden und Gehölzen.“