Chorvorstellung "haarscharf"

Chor haarscharf

Es ist Montagabend 19.30 Uhr im Eurythmie-Saal der Waldorfschule in Kreuzberg. Seit 24 Jahren probt der Chor haarscharf hier in den Räumen der Schule. Der Frauenchor hat einen Fokus auf Barbershop-Gesang, hat aber auch andere Lieder im Repertoire.

Chorleiterin Irene Gregor wollte ursprünglich nicht explizit einen Frauenchor gründen, sondern einen Chor für Songs im Barbershop-Stil – und in dieser Musikrichtung gab es bis vor einigen Jahren entweder reine Männer- oder Frauenchöre. Da Männer für Chöre immer schwieriger zu finden sind, entschied sie sich daher für die Arbeit mit Frauen. Auch beruflich hat Irene Gregor mit der Stimme zu tun. Sie ist Logopädin mit Schwerpunkt Stimmtherapie und gibt an der Evangelischen Hochschule in Steglitz Sprechbildungsseminare.

In der Ecke steht ein Flügel. Die Stühle sind zum Stuhlkreis aufgestellt. 19 Frauen zwischen 28 und 70 Jahren stehen im Halbkreis und singen sich ein. „Jetzt tut so, als würdet ihr sechs Kerzen auspusten mit Impuls aus dem Bauch“, weist Irene Gregor die Sängerinnen an. Es folgen Lockerungsübungen für den gesamten Körper und das Gesicht wird ausgestrichen. „Lasst nun die Stimme auf einem /m/ klingen und kaut den Ton gut durch.“ „Mjom-mjom-mjom“ tönt es durch den Raum. Irene Gregor tritt an den Flügel und spielt darauf einige Tonfolgen, die die Frauen nachsingen.

Klavier

Vierstimmiger Kriminal-Tango

Nach erfolgreichem Aufwärmen wird der erste Song geprobt. Die Chormitglieder stellen sich im hinteren Teil des Raumes auf und beginnen ohne Notenblätter in der Hand mit dem „Kriminal-Tango“. Die Gruppe singt den Schlager aus den 1950er Jahren komplett a cappella und untermalt die Darbietung mit einzelnen Tanzschritten und Hüftschwung. Für die Zuhörerin klingt das schon perfekt. Man merkt, dass hierfür schon einige Zeit geprobt wurde. Nur bei der Choreografie gibt es noch leichte Unklarheiten in der Gruppe. Die Chorleiterin – Stimmgabel in der Hand – wünscht sich noch: „Leise singen, aber die Spannung halten und gut aufeinander hören. Lächelt ein bisschen, so wird der Klang heller.“ Nach dem dritten Durchgang ist sie zufrieden mit den Sängerinnen. „Wir werden dieses Song ab und an wiederholen, damit wir das Erarbeitete nicht verlieren.“

Der Chor singt vierstimmig. Da viele Stücke für Frauen (vor allem ältere) zu hoch arrangiert sind, lässt Irene Gregor regelmäßig Lieder von ihrem Bruder arrangieren. „Er kennt den Chor und orientiert sich an unseren Fähigkeiten und Stimmumfang.“

Gesangsnoten

25-jähriges Jubliäum in diesem Jahr

Weiter geht’s im Stuhlkreis mit einem Gospelsong. „Close to you, where ever you are, what ever you do“ klingt es durch den Raum. Dieser Song wird noch mit Noten geprobt. „Die Stelle müssen wir nochmal üben, der Akkord klingt noch unsauber. Wenn ihr aufgerichtet seid, habt ihr eine gute Körperspannung. Erhebt euch beim letzten Ton auf die Zehenspitzen, das unterstützt einen sauberen Klang.“ Nach einem weiteren Durchgang gibt es um 20.30 Uhr eine Pause. Wasserflaschen und Thermoskannen werden herausgeholt. Danach geht es mit einem neuen Lied weiter.

25 Jahre wird der Chor in diesem Jahr alt. Die Jubiläumsfeierfindet am 15. November im Paul-Gerhardt-Saal der Ev. Kirchengemeinde in Schöneberg statt. Auch damit bis dahin alle Lieder sitzen, fährt die Gruppe gemeinsam, wie jedes Jahr auf ein Chorwochenende. Bis auf drei Frauen hätten alle zugesagt, erklärt Chorleiterin Irene Gregor. „Das motiviert sehr!“ Begonnen hat „haarscharf“ damals mit amerikanischen Barbershop-Stücken, weil es hierfür einen großen Fundus gab. Im Laufe der Zeit wurde das Repertoire immer vielfältiger. „Ich finde es toll, dass die Sängerinnen offen für Neues sind und sich auch auf Lieder in anderen Sprachen einlassen. Sie haben eine große Begeisterungsfähigkeit. Dadurch ist unser Repertoire schon sehr bunt.“

Notenzettel

Verstärkung gesucht

Was den Chor ausmache, seien Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Offenheit. Besonders freut Irene Gregor, dass die Frauen im Chor sich auch weiterentwickeln wollten. „Sie haben Lust darauf, an sich zu arbeiten.“ Auch für ältere Frauen sei es oft noch möglich, in einer höheren Stimmlage zu singen, allerdings sei dafür ein gewisses Maß an Gesangstechnik notwendig. Dafür werde zum Beispiel am Probenwochenende extra Zeit eingeplant.

Wichtig sei das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe – egal wie unterschiedlich die Sängerinnen sind. „Jede ist, wie sie ist. Ein respektvoller Umgang zeichnet uns aus, so dass wir trotz unserer Individualität gemeinsam einen harmonischen Klang erreichen können. Der Alltag bleibt draußen, hier können wir abschalten und uns dem Singen widmen.“

Der Chor hat sich vor zehn Jahren dem Berliner Chorverband angeschlossen hat. Das vereinfache für einen Hobbychor vieles, etwa Versicherungen bei Auftritten oder GEMA-Gebühren.

Zur Zeit sind Elgin Jaschkin und Sabine Bleich sind die 1. und 2. Vorsitzende des Vereins. Insgesamt zählt der Chor aktuell 27 Mitglieder. Die Sängerinnen kommen aus ganz Berlin und einige nehmen auch längere Anfahrten für die Proben nach Kreuzberg in Kauf. Dabei gibt es eine festen Stamm von zwölf Frauen, die quasi seit der Gründung dabei sind. Doch jetzt gerade haben sich wieder drei neue Sängerinnen dem Chor angeschlossen.

Verstärkung wird dennoch weiterhin gesucht, vor allem im Sopran, aber auch in den anderen Stimmlagen. Ein Vorsingen ist erforderlich. „Gerne kann ein einfaches Volkslied, zum Beispiel ein Schlaflied vorgesungen werden.“ Der Chor hat in der Regel zwei Auftritte pro Jahr.

Wer Interesse hat, den Chor kennenzulernen, kann eine Mail an Sabine Bleich schicken.

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Im September haben wir den Chor The Derries vorgestellt.