Nachhaltigkeitsziel 4 - Bildungsangebote für alle

Claudia Hiesemann

Im Bezirksticker zeigen wir inspirierende Projekte aus Friedrichshain-Kreuzberg, die ganz konkret zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (#SDGs) der UN beitragen. Denn: Global denken – lokal handeln beginnt genau hier bei uns im Kiez.“

Ob Yogilates, veganes Streetfood, Freizeitimkerei, Stressbewältigung oder eine Weiterbildung zum Thema Autismus – der Programmbereich Gesundheit, Bewegung, Umwelt, Persönlichkeitsentwicklung und Familie der Gilberto-Bosques-Volkshochschule deckt mit seinen Angeboten ein vielfältiges Themenspektrum ab. Claudia Hiesemann leitet diesen Bereich seit 2019. Vorher war sie an der Volkshochschule im niedersächsischen Nienburg beschäftigt. Dort leitete sie einen Programmbereich mit einem ähnlichen Zuschnitt.

In ihrem Ressort werden jährlich 400 Kurse mit 90 Dozent*innen angeboten. Sie bespielt mit ihrem Programm drei eigene Standorte, sowie zehn Außenstellen. Dazu gehören beispielsweise Turnhallen für Bewegungsangebote. In 2024 hatten diese Kurse 3.500 Teilnehmer*innen. Im Allgemeinen würden die Kurse in ihrem Programmbereich sehr gut angenommen. „Ich muss sehr wenige absagen unsere Kurse kommen gut an.“

Die gebürtige Berlinerin hat an der Technischen Universität Berlin Landschaftsplanung studiert. Schon während des Studiums interessierte sie sich sehr für den Bereich Umweltbildung und orientierte sich nach dem Abschluss in diese Richtung. Als Berufseinsteigerin fing sie bei einer überbetrieblichen Ausbildungsakademie für Garten- und Landschaftsbau an und stieg so in das Reich der Pädagogik ein. „Ich hatte dort freie Hand und konnte meinen Unterricht sehr selbstständig gestalten. Dabei habe viel auf außerschulisches Lernen gesetzt. Wir waren viel draußen unterwegs. Das hat Spaß gemacht. Außerdem konnte ich genau sehen, welche Früchte der Unterricht trägt.“ Anschließend wechselte sie an eine private Berufsschule, die Umweltschutztechniker*innen ausbildete. Dort war sie als Dozentin und Bildungsreferentin tätig. Von dort aus kam sie dann zur Volkhochschule.

VHS-Kursprogramm

Schnell ausgebucht und Wartelisten

Zu ihren Aufgaben gehört es, qualifizierte Kursleitungen zu suchen und das Angebot entsprechend der Bedarfe der lokalen Bevölkerung zu gestalten. Eine Herausforderung sei es, Räume zu suchen und zu finden. Hier arbeitet sie eng mit dem Schul- und Sportamt zusammen. „Hätte ich mehr Hallen für Bewegungsangebote, könnte ich viel mehr anbieten. Viele Kurse haben Wartelisten. “

Claudia Hiesemann entwickelt Kurse und akquiriert qualifizierte Kursleitende. Auch die Kalkulation fällt in ihren Bereich. Sie sucht nach Kooperationen, und entwickelt ihren Programmbereich kontinuierlich weiter. „Ich schaue, was die aktuellen Trends sind. Wo gibt es neues Wissen? Gerade im Bereich Gesundheit gibt es viele neue Entwicklungen. Auch beim Thema Ernährung ist sehr viel in Bewegung.“ Die Kursleitungen hätten auch viele eigene Ideen für neue Angebote. „Gemeinsam entwickeln wir neue Ideen. Das ist kreativ und macht viel Spaß.“ Für die Bewegungskurse entstehen immer wieder neue Angebote: „Nicht jeder fühlt sich von Yoga oder Pilates angesprochen. Darum habe ich spartenübergreifende Kurse entwickelt, die den Fokus auf Beweglichkeit und Entspannung legen. Die Kurse sind immer schnell ausgebucht.“

Bewegungsraum Volkshochschule

Unterschiedliche Bedürfnisse und Zielgruppen

Ein wichtiger Ort für ihre Angebote ist die Lehrküche am Wassertorplatz. „Aber wir geben nicht nur Kochkurse. Es geht ja auch um Ernährung. Wir möchten Menschen ermächtigen, sich gesund zu ernähren.“ Ein großes Thema sei hier die Ernährungswende, weg vom Fleisch. Mit den Kursen in der Volkshochschule bekämen die Menschen Inspiration für gesunde Rezepte und vegetarisches Essen, das ihnen schmeckt. Generell seien Kochkurse immer ein Renner. Gerade sind Fermentationsworkshops und ein Kurs mit einem Schwerpunkt auf Kichererbsen sehr beliebt.

Natürlich seien die Volkshochschulkurse offen für alle. In manchen Fällen sei es jedoch sinnvoll, einzelne Kurse für spezifische Gruppen anzubieten. Wichtig sei, dass es Angebote für unterschiedliche Zielgruppen gebe.
Ein Beispiel ist der Kurs „Yoga für Männer“. In den regulären Yogakursen seien die Frauen immer in der absoluten Mehrheit. Nicht alle Männer fühlten sich damit wohl. So kam Claudia Hiesemann die Idee, einen Kurs nur für Männer einzurichten. Der Yoga-Kurs für Männer brauchte drei Anläufe, um angenommen zu werden. Inzwischen werde dieser extrem gut gebucht. Auch einen Gymnastikkurs für Menschen mit Bewegungseinschränkungen hat sie gemeinsam mit einer Kursleitung etabliert. Hierfür gab es sogar Dankeschön-Mails von Kursteilnehmer*innen.

Eine Aufgabe sei es, auch ältere Menschen zu erreichen. Nicht alle Altersstufen fühlen sich von Fitnessstudios angesprochen. „Man muss die Leute konkret ansprechen und abholen.“ Daher hat sie spezielle Kurse für ältere Menschen eingeführt.

Hummel auf Blüte

Fokus Umweltbildung

„Umweltbildung liegt mir besonders am Herzen. Als ich angefangen habe, gab es in diesem Bereich noch nicht so viel. Das baue ich sukzessive aus.“ Die Volksschule in Kreuzberg war dann die erste VHS Berlins, die Bildungszeitkurse im Bereich Umweltbildung ins Programm genommen hat. Auch einen Kurs zum Weinbau in Kreuzberg hat die Programmbereichsleiterin beispielsweise eingeführt, gemeinsam mit dem Winzer, der sich im Viktoriapark um den Wein kümmert. Hinzu kommen gartengeschichtliche Führungen in Görlitzer Park und im Viktoriapark, aber auch ornithologische Spaziergänge auf Friedhöfen. Dafür gebe es viele Interessent innen.

Auch weitere Kooperationen hat Claudia Hiesemann aus der Taufe gehoben, wie zum Beispiel mit der Regenwasseragentur. „Wir haben ein gemeinsames Bildungsangebot pro Semester, das seit zwei Jahren läuft und sehr gut etabliert ist.“

Für das Nachhaltigkeitsziel 3 – Gesundheit und Wohlergehen – haben wir im Bezirsticker die bezirkliche Suchthilfekoordinatorin Romy Kistmacher vorgestellt.