Wettbewerbe als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Metropole Berlin

Perspektive des 1. Preises im Wettbewerb für das neue Begegnungszentrum Zuversicht (Grafik)

Perspektive des Wettbewerbssiegers für das geplante Begegnungszentrum Zuversicht in Spandau

Intelligente städtebauliche und architektonische Lösungen sind in Zeiten des großen Bedarfs an Wohnraum und sozialer Infrastruktur bei gleichzeitig Anpassung an den Klimawandel besonders gefragt. Ausgetretene Wege zu verlassen und neue zu suchen ist wichtiger denn je. Mittel aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung erweitern den finanziellen Spielraum für solche innovativen Projekte. Um Lösungen für komplexe Aufgaben zu finden, nutzen die Bezirke und andere Fördernehmer zunehmend verschiedene Wettbewerbsformate. Doch Wettbewerbe gelten auch als kompliziert, langwierig, personal- und kostenintensiv und so zeigt sich mancherorts noch Skepsis. Dennoch finden sich zahlreiche gelungene Beispiele in der Liste der abgeschlossenen und der aktuellen Projekte von Stadtumbau und Nachhaltiger Erneuerung: vom geplanten Begegnungszentrum im Gebiet Brunsbütteler Damm/Heerstraße über den laufenden Wettbewerb zur grünen Mühlenpromenade im Gebiet Greifswalder Straße bis zur fertigen künstlerischen Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals in Prenzlauer Berg.

Fachgespräch am 27.02.

„Wettbewerbe als Beitrag zur Baukultur“ war das Hauptthema des Fachgesprächs Nachhaltige Erneuerung, das am 27. Februar 2025 als Videokonferenz mit rund 60 Teilnehmenden aus der Senatsverwaltung, den Bezirken und mit Gebiets- und Programmbeauftragten durchgeführt wurde. Einen Überblick zu verschiedenen Wettbewerbsformen, ihren Bedingungen sowie Vor- und Nachteilen vermittelte zur Einführung Bernhard Heitele, Leiter des Referats II D „Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Das Referat ist u.a. für Planungswettbewerbe, Beteiligungsverfahren und Baukultur zuständig und führt neben Projekten von gesamtstädtischer Bedeutung auch größere Verfahren für die Bezirke durch, wie den Wettbewerb Neues Urbanes Zentrum Neu-Hohenschönhausen. Das Team berät aber auch Bauherren und öffentliche Träger zur Vorbereitung und Durchführung rechtssicherer Wettbewerbe und anderer konkurrierender Verfahren.

Wettbewerbe schaffen frühzeitig belastbare Grundlagen für die Planung

Die Wahl des Wettbewerbsverfahrens hängt von der Art und Komplexität der Aufgabe ab. Die vom Wettbewerbsreferat am häufigsten durchgeführten Verfahren sind nicht-offene einphasige und offene zweiphasige Wettbewerbe. Erläuterungen dazu finden sich auf der Website im Bereich Bauen/Wettbewerbe. Ein geprüftes Bedarfsprogramm bildet die Grundlage für die Auslobung eines Hochbau-Wettbewerbs. Bei freiraumplanerischen Wettbewerben gilt es u.a., im Vorfeld nötige Gutachten einzuholen, Leitungsträger und beteiligte Verwaltungen einzubeziehen sowie die Bauherrenschaft, Finanzierung, Unterhaltung und Pflege nach der Fertigstellung zu klären.

  • Schema: Ablauf eines nicht-offenen einohasigen Wettbewerbs

Zu den Erfolgsfaktoren von Wettbewerben zählen laut Bernhard Heitele die Einbeziehung aller relevanten Stakeholder und Entscheidungsträger sowie eine angemessene Beteiligung der Öffentlichkeit im Vorfeld, eine klar formulierte und abgestimmte Aufgabenstellung sowie die Klärung der planungs- und baurechtlichen Genehmigungsaspekte bei der Auslobung. Diese Aufgaben fallen auch bei anderen Arten der Auftragsvergabe an – der Wettbewerb gewährleistet eine besonders effektive und gründliche Vorbereitung für die Planung und Durchführung der Bauvorhaben, weil vorab alle zu klärenden Fragen gestrafft und gebündelt beantwortet werden müssen. Das erleichtert und verkürzt im Anschluss an den Wettbewerb die Auftragsvergabe und die Vorplanung, wie auch die Erfahrungen aus den Bezirken zeigen. Die auch unabhängig vom Wettbewerb anfallende Phase der Vorklärung muss jedoch in der Personal- und Zeitplanung berücksichtigt werden. Der Wettbewerb selbst dauert in der Regel sechs bis neun Monate.

Blick in die Ausstellung zum Begegnungszentrum Westerwaldstraße

Ausstellung zum Wettbewerb Begegnungszentrum Westerwaldstraße im dortigen Klubhaus

Im Rahmen der Vorprüfung vor der Preisgerichtssitzung erfolgt stets eine frühzeitige Prüfung der Kosten. Je nach Aufgabe prüfen hinzugezogene Fachleute auch spezifische Aspekte wie Statik, Energieversorgung u.ä. Die Öffentlichkeit kann kurz vor der Entscheidung ebenfalls wieder beteiligt werden: Bei einer öffentlichen Veranstaltung unmittelbar vor der Preisgerichtssitzung können die Entwürfe vorgestellt und die Meinungen und Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger eingeholt werden, jedoch ohne Berichterstattung in den Medien.

Nach der Wettbewerbsentscheidung durch das mehrheitlich von unabhängigen Fachleuten besetzte Preisgericht werden die Ergebnisse im Rahmen einer längeren Ausstellung öffentlich gezeigt. In der Regel wird der Wettbewerbsgewinner unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Preisgerichts beauftragt.

Planungswettbewerbe fördern Qualität und Innovation, erhöhen die Vielfalt architektonischer Lösungen und gewährleisten durch ihre festgelegten Regeln Transparenz und Fairness. Wettbewerbe tragen außerdem zur öffentlichen Diskussion über Bauprojekte bei und fördern damit die Akzeptanz von Bauvorhaben, so das Fazit von Bernhard Heitele.

Perspektive Koppenhain aus dem Siegerentwurf zum Realisierungswettbewerb Koppenstraße/Palisadenstraße

Perspektive aus dem Siegerentwurf zum Realisierungswettbewerb Koppenstraße/Palisadenstraße

Beispiele aus den Fördergebieten

Für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellte Birgit Beyer, ehemalige Leiterin des Fachbereichs Grünflächen des Straßen- und Grünflächenamtes, das Wettbewerbsverfahren für die Freiflächen Koppen-/ Palisadenstraße im Fördergebiet Friedrichshain-West vor. Vor Wettbewerbsbeginn wurden Meinungen und Vorschläge aus der Bevölkerung, von den Beschäftigten des Gesundheitsamtes und von nahe gelegenen Schulen sowie weiteren Akteuren gesammelt. Zusätzlich fand eine Ideenwerkstatt vor Ort statt. Parallel lief eine Online-Beteiligung. Das Verfahren startete mit einem öffentlichen Teilnahmewettbewerb, nach dem 13 Teams zur Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe zugelassen wurden. Wegen des Widerstands eines Teils der Anwohnerschaft gegen die Umgestaltung des Parkplatzes zugunsten von Spiel- und Freiflächen ist die Realisierung des Siegerbeitrags des Hamburger Büros TREIBHAUS Landschaftsarchitektur in Zusammenarbeit mit ARGUS Stadt und Verkehr PartmbB noch Gegenstand politischer Debatten im Bezirk.

Projektporträt Freiflächen Koppen-/ Palisadenstraße

Lageplan des zukünftigen Vorplatzes am Zentralfriedhof

Lageplan des zukünftigen Vorplatzes am Zentralfriedhof Friedrichsfelde

Für die Gestaltung des Vorplatzes am Zentralfriedhof Friedrichsfelde wählte der Bezirk Lichtenberg ein freiraumplanerisches Gutachterverfahren mit beschränkter Teilnehmerzahl von fünf Büros. Markus Tegeler von der Stattbau GmbH stellte das Verfahren als Beauftragter für das Fördergebiet Frankfurter Allee Nord vor. Die Anzahl von fünf Teilnehmenden sei optimal, um bei relativ wenig Aufwand ein gutes Ergebnis zu erzielen, so Markus Tegeler. Der FAN-Beirat wurde als Interessenvertretung der Bewohnerschaft bereits bei der Erarbeitung der Aufgabenstellung einbezogen. Eine Besonderheit stellte die offene Vorgehensweise dar – die Büros präsentierten ihre Entwürfe vor der Jury-Entscheidung selbst, wegen der Corona-Pandemie allerdings in Rahmen einer Videokonferenz. Zur Realisierung ausgewählt wurde der Beitrag des Büros Franz Reschke Landschaftsarchitektur, der momentan umgesetzt und 2026 fertiggestellt wird.

Projektporträt Vorplatzes am Zentralfriedhof Friedrichsfelde

Perspektive des geplanten Begegnungszentrums Westerwaldstraße aus dem Entwurf des Wettbewerbssiegers

Perspektive des geplanten Begegnungszentrums Westerwaldstraße aus dem Entwurf des Wettbewerbssiegers

Als Beispiel für einen nicht-offenen Realisierungswettbewerb stellte Franziska Bathmann vom Bezirksamt Spandau das Hochbauvorhaben Begegnungszentrum Westerwaldstraße (BZW) vor. Mit dieser letzten großen Investition des Programms Nachhaltige Erneuerung im Fördergebiet Falkenhagener Feld soll die soziale Infrastruktur im Quartier nachhaltig gestärkt und die Quartiersmitte an der Westerwaldstraße baulich und funktional vervollständigt werden. Das BZW ist außerdem Ankerprojekt für zwei auslaufende Quartiersmanagement-Gebiete. Hauptaufgaben des Wettbewerbs waren eine ökologisch-nachhaltige Bauweise und die gemeinsame Nutzung des Gebäudes durch verschiedene Institutionen, Träger und Gruppen. Angestrebt wird der Qualitätsstandard Silber im Rahmen des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB). Der Wettbewerb enthielt auch einen landschaftsarchitektonischen und städtebaulichen Realisierungsteil. Zehn Bearbeitungsteams wurden in einem vorgeschalteten Teilnahmewettbewerb ausgewählt. Der Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung war insgesamt hoch – die Jury umfasste 40 Personen – jedoch konnten viele entscheidende Fragestellungen bereits in dieser Phase geklärt werden. Zurzeit laufen die Vergabeverhandlungen mit den siegreichen Büro SEHW Architektur Berlin mit STED – a part of Vilhelm Lauritzen Architects A/S, Nordhavn, Dänemark. Die Beauftragung soll die Leistungsphasen bis zur fertigen Bauplanungsunterlage umfassen.

Projektporträt BZW

Perspektive für das Zentrum Halemweg im Siegerentwurf des Gutachterverfahrens

Perspektive für das Zentrum Halemweg im Siegerentwurf des Gutachterverfahrens

Für das Fördergebiet Charlottenburger Norden berichtete Renate Bartsch aus dem Stadtentwicklungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf über ein konkurrierendes diskursives städtebauliches Gutachterverfahren für das Gebietszentrum Halemweg mit drei Bearbeitungsphasen und drei teilnehmenden Büros. Da die städtebauliche Aufgabe bezüglich des Flächenbedarfs und der gewünschten Synergieeffekte zu Beginn nicht ausreichend klar formuliert werden konnte, wurde eine offene und transparente Verfahrensweise gewählt, die auch eine umfassende öffentliche Beteiligung in allen Phasen des Verfahrens ermöglichte. Hierzu wurde abschließend eine umfangreiche Broschüre veröffentlicht.

Projektporträt Städtebauliches Konzept für das Gebietszentrum Halemweg

Das Interesse an den Erfahrungen aus den verschiedenen Fördergebieten war groß, was die Anzahl der detaillierten Nachfragen zeigte. Eine Dokumentation wird in Kürze versendet.