Für ein holzwurmfreies Holzwurmhaus: Sanierung und ökologischer Neubau für Jugendliche und Familien am Lichtenberger Stadtrand

Baustellenfest Holzwurmhaus am Tag der Staedtebaufoerderung 9.5.2026

Das Holzwurmhaus in Neu-Hohenschönhausen machte bis vor kurzem seinem Namen alle Ehre. Gutachter und Bauleute fanden in der 1996 als hölzernes Niedrigenergiehaus errichteten Jugendfreizeiteinrichtung nicht nur quicklebendige Holzwürmer, sondern auch Hausschwamm und andere problematische Mitbewohner. Doch die Kinder und Jugendlichen lieben ihren Klub. Am Tag der Städtebauförderung, dem 9. Mai 2026, kamen sie deshalb in großer Zahl zum Baustellenfest, um sich den Stand von Sanierung und Umbau anzusehen, bevor sie das Haus Ende 2026 wieder beziehen können. Rund 2,5 Mio. Euro kostet die Sanierung, finanziert vor allem aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung sowie aus Eigenmitteln des Trägers SozDia Stiftung Berlin.

Die Stiftung hatte zusammen mit der Gebietsbeauftragten für das Fördergebiet, Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, zu dem Baustellenfest eingeladen. Auch Verantwortliche der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und des Bezirksamtes Lichtenberg informierten sich vor Ort.

Baustellenbesichtigung Holzwurmhaus

Architektin Heike Hinz mit Kindern, Jugendlichen und Teammitgliedern des Jugendklubs Holzwurmhaus

Momentan steht von dem ungewöhnlichen Holzbau nur noch die Konstruktion: Stück für Stück wurden alle Fassaden- und tragenden Teile untersucht und ausgetauscht oder für gut befunden. Dach und Fenster werden komplett erneuert. Die Sanierung wird auch genutzt, um einzelne Räume anders anzuordnen. Klubleiter Karsten Landgraff und sein Team freuen sich, dass ein Großteil ihrer Vorschläge dazu umgesetzt wird, z.B. rückt die Treppe hinauf zum „Turm“ etwas aus dem Zentrum, was die Nutzungsmöglichkeiten des großen Multifunktionsraums im Erdgeschoss verbessert. Die Fenster in vielen Räumen werden vergrößert, außerdem werden Lager-, Büro- und Besprechungsmöglichkeiten geschaffen. Auch ein barrierefreies WC kommt hinzu. Durch abgehängte Decken wird sich die Akustik für die Kinder und das Team deutlich verbessern. Platz ist weiterhin für Billard, Kicker und Co und für den Musikaufnahmeraum. Neu hinzu kommt eine Wärmepumpe. Das Abwasser wird in Zukunft in einer Schilfrohrkläranlage gereinigt.

Baustellenfest Holzwurmhaus

Welche Räume sind im Neubau geplant? Auf dem Baustellenfest kann man es erfahren

Dennoch bleibt genug Platz für ein attraktives Außengelände, denn viele Aktivitäten finden draußen am Rand des Naturschutzgebietes Wartenberger-Falkenberger Luch statt. Vor der Neugestaltung der Freiflächen startet 2027 jedoch erst einmal die nächste Baustelle: Der Träger SozDia lässt neben dem Jugendklub einen Neubau für ein Familienzentrum und zwei queere Jugendwohngruppen errichten. 40 Prozent der 6,3 Mio. Euro hierfür kommen aus dem Programm Europa im Quartier, das aus Mitteln des EFRE-Fonds der Europäischen Union finanziert wird. Aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung werden 3,8 Mio. Euro fließen, auch hier werden weitere Eigenmittel des Trägers eingesetzt.

Hinz Architekten orientierten sich bei dem dreigeschossigen Neubau wie schon bei der Sanierung an den ökologischen und architektonischen Qualitäten des Bestandsgebäudes. Manches, wie der Bewegungsraum oder die Küche, wird allen drei Einrichtungen offen stehen, trotzdem sind genügend separate Flächen für alle Bedürfnisse vorgesehen.

Baustellenfest Holzwurmhaus

Großer Andrang beim Fest auf dem Geländes des Jugendklubs am Tag der Städtebauförderung

Die Pläne für Sanierung und Neubau waren auch draußen auf dem Festgelände einsehbar. Architektin Heike Hinz beantwortete geduldig alle Fragen und berichtete auch von den Tücken dieser naturnahen Baustelle. Auf so vieles ist zu achten – vom Schutz des Lebensraums der Knoblauchkröte bis zur Lage der Einfluglöcher für die vorgeschriebenen Nisthilfen für Singvögel.

Beim Baustellenfest stand neben den Informationen natürlich der Spaß im Vordergrund: Rodeo, Büchsenwerfen und andere Spiele sowie Kaffee, Kuchen und Bratwurst zogen viele Gäste aller Altersstufen an. Am Abend wird wieder Ruhe einkehren, bevor die nächste Woche auf der Baustelle beginnt, wo nun statt des Holzwurms die Zimmerleute am Werk sind.