Marzahn-Hellersdorf: Sternenstunde im Jugendforschungszentrum

Eine Sternenstunde im Helleum II

  • Kinder- und Jugendforschungszentrum

    Ein besonderer Ort der außerschulischen Bildung

  • Mikroskop

    Im „Helleum II“ werden Lernumgebungen werden aus den Bereichen Chemie, Physik, Informatik, Astronomie und Biologie angeboten.

  • Klangschale

    Experiment mit unterschiedlich großen Klangschalen: Wie laut ist der Schall und wie lange kann er nachhallen?

  • Ozbot-Kugelroboter

    Mit dem Kugelroboter Ozobot gelingt der spielerische Einstieg in die Informatik.

  • Planetentisch

    Am Planetentisch soll man die Himmelskörper nach ihrer Entfernung von der Sonne sortieren.

Runde im Helleum II

Einführung in den Vormittag durch Lernbegleiter Stefan (Mitte) und Dr. Anke Renger (außen).

Das „Helleum II“ will Interesse für MINT-Fächer wecken

Luka 1, Davit und die anderen Jungen haben sich mit ihrer Lehrerin Viola März auf den Weg von Neukölln nach Hellersdorf gemacht. Die Walter-Gropius-Schule hat ihre 9. Klassen während der diesjährigen Frühjahrsprojektwoche in Gruppen aufgeteilt, eine davon ist am „Helleum II“ verabredet. Die Einrichtungsleiterin Dr. Anke Renger und der Lernbegleiter Stefan – von Hause aus Mathematik- und Physiklehrer – lassen die Jugendlichen erst mal im Kreis Platz nehmen. Schon die ungewöhnlichen Sitzgelegenheiten, knallbunte Hocker aus recyceltem Propylen, machen den Jungs deutlich, dass dieser Vormittag ganz anders ablaufen wird, als sie es gewohnt sind.

Der Lernort ist das „Helleum II“. Es wurde im Herbst 2025 nach vier Jahren Bauzeit eröffnet. Baukosten von insgesamt 7,2 Mio. EUR wurden für das futuristische Experimentiergebäude und die Gestaltung der Außenanlagen aufgewendet, davon 4,8 Mio. aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung. Bereits während der Einführung wandern die Blicke der 14- bis 16jährigen durch den hohen Raum. Doch bevor sie die beiden Etagen erkunden können, wird der Ablauf des Workshops geklärt. Dilan findet es erst mal supercool, dass der „Lehrer“ geduzt werden darf und sie sogar bittet, sich mit dem Smartphone ins Netz auf die digitale Pinnwand für den Workshop einzuloggen. Anke Renger ermutigt die Jugendlichen, eigene Fragen ins Smartphone zum Thema Klänge und Signale einzutippen, z.B. die nach der Lautstärke eines Flugzeugs. Dann fährt der Lernbegleiter den Einführungsfilm ab und den Schülern wird klar, sie befinden sich auf einem Flug durch den Weltraum. „Nanu, ist der Ton ausgefallen?“ „Nein“, antwortet Stefan und kann erst mal einen Grundirrtum ausräumen. Im All ist es still. Quasi totenstill. Das wird die Gruppe später mit einem eigenen Versuch nachweisen. Dieses und alle weiteren Lernbereiche hat das Helleum-II-Team der Stiftung Planetarium Berlin entwickelt und aufgebaut. Diese ist nämlich Trägerin der Einrichtung. Deshalb gibt es im „Helleum II“ auch ein Foucaultsches Pendel, das die Erdrotation nachweist, mehrere Fernrohre und auf dem Dach ein Observatorium.

Messung am Computer

Experimentieren, messen und vergleichen…

Die Jungs aus der Gropiusstadt können sich jedoch in diesem Workshop erst einmal mit naturwissenschaftlichen Phänomenen der Akustik und des Schalls auseinandersetzen. Dieses Workshop-Thema „Klänge und Signale” gehört zu den Basiskursen, die das „Helleum II“ Schulklassen anbietet. Solche Einführungen ins Forschende Lernen unterstützen jene Schulen, die weniger gut mit Fachräumen ausgestattet sind oder in denen der Unterricht in den MINT-Fächern zugunsten von Deutsch und Mathe reduziert wurde.

Die Molekularbiologin Dr. Anke Renger kennt die Situation in den Schulen und hat die Lernbereiche so gestaltet, dass die Jugendlichen selbstständig zu eigenen Lernerkenntnissen kommen können – und dies fächerübergreifend. Sie und Stefan begleiten die Jugendlichen entlang ihrer Interessen. Die anfängliche Skepsis weicht nach und nach der Neugier und weckt die Spielfreude. Den kleinen Kugelroboter „Ozobot“ mit Farbcodes so zu steuern, dass er in alle Richtungen fährt, macht sichtlich Spaß und soll vor allem die Scheu vor KI und Informatik nehmen. Nebenan schauen zwei Jungs durch ein hochmodernes Mikroskop und staunen über die Strukturen von Pflanzenteilen. Weiter geht’s zum Planetentisch. Hier können Jugendliche die unterschiedlich großen und eingefärbten Marmorkugeln entsprechend ihrer realen Umlaufbahn sortieren. Einem Jugendlichen gelingt das fehlerfrei, was ziemlich selten ist.

Die Lehrerin Viola März ist mit dem Erfolg des Workshops sehr zufrieden und von der Gesamtanlage überrascht. Dazu gehört der interessante Forschungsgarten. Hier können Schülerinnen und Schüler in der Pause sich interaktiv mit den Themen Boden, Wasser, Sonne und Licht befassen. Man kann Wasserproben aus dem Teich entnehmen, das Leben auf der Magerrasenfläche untersuchen, den Lebenszyklus von Steinen im Geopark begutachten oder verschiedene Lichtspiele beobachten. „Anfassen und Ausprobieren ist unser Hausmotto und dies gilt auch für das benachbarte Kinderforscher*zentrum HELLEUM I auf dem gleichen Areal“, erläutert Dr. Renger den pädagogischen Ansatz der beiden Einrichtungen. Die Außenanlagen des Kinderforscher*zentrums HELLEUM I wurden übrigens ebenfalls über das Förderprogramm Nachhaltige Erneuerung finanziert. Die Einrichtung ist seit 2012 in Betrieb und wird von jährlich 5000 Kindern besucht.
Die Arbeit mit dem Observatorium auf dem Dach des „Helleum II“ wird künftig vom „Verein Sternenfreunde Berlin & Brandenburg“ unterstützt. Ursprünglich sollten alle Jugendlichen durch das große Fernrohr in den Himmel schauen dürfen, doch weil der Aufzug nicht bis ganz nach oben fahren kann, wurde ein Remote-Fernrohr angeschafft. „Dies ist über WiFi mit den Rechnern im Helleum II verbunden, sodass dadurch Beobachtungen am Tag und in der Nacht möglich sind. Das Ergebnis ist vergleichbar. Die Jugendlichen können außerdem in den geplanten Abend-Workshops Planeten und Sterne beobachten“, erklärt die Wissenschaftlerin.
Auch wenn der Workshop inhaltlich und didaktisch vollständig ausgearbeitet ist, bleibt er, wie jeder Lernprozess, dynamisch und wird durch die Perspektiven der Teilnehmenden und des Helleum-II-Teams kontinuierlich partizipativ weiterentwickelt. Für die 9. Klasse aus Neukölln war dieser Tag im Nordosten ein besonderer und voller Erkenntnisse. Luka könnte sich jedenfalls vorstellen, nun auch mal zu speziellen Arbeitsgemeinschaften wie „Jugend forscht” am Nachmittag herzufahren. „So weit ist es nun auch nicht. Vom S-Bahnhof Neukölln ist man ja in 30 Minuten da.“

1) Alle Vornamen der Schüler geändert.