Für die Werneuchener Wiese im Prenzlauer Berg wird der Boden bereitet

Werneuchener Wiese- Bauvorbereitung - Enttrümmerung

Auf der Werneuchener Wiese wird vor dem Baubeginn der Spiel- und Freizeitfläche sehr viel Erde bewegt

Die Spiel- und Freizeitfläche wird als letztes Projekt im Fördergebiet 2027 fertig

Auf der Werneuchener Wiese an der Nahtstelle zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain rollen seit Mitte November schwere Baumaschinen. Rohre von zwei Metern Durchmesser und große Haufwerke aus Bauschutt und Erde sind zu sehen, in Richtung Margarete-Sommer-Straße wird eine Grube schon wieder aufgefüllt. Die Straße selbst ist ebenfalls im Bau. Als Hauptweg zur sogenannten Schuldrehscheibe und zur geplanten Spiel- und Freizeitwiese wird die Fahrbahn schmaler, der Gehweg dagegen breiter gestaltet. Neben Parkbuchten werden auch 22 Baumscheiben für eine zweite Baumreihe vorbereitet.

Historische Karte mit der Bebauung der Werneuchener Wiese

Ausschnitt aus einem historischen Stadtplan mit der Bebauung der Werneuchener Wiese

Für Birgit Rauch ist es nicht das erste Mal, dass ihre Firma Rauch Consult bei der Planung von Tiefbauarbeiten mit der dramatischen Berliner Geschichte konfrontiert wird. Bevor hier zwischen Margarete-Sommer- und Kniprodestraße nämlich der lang gehegte Wunsch nach einer Spiel- und Freizeitfläche in Erfüllung gehen kann, muss fast die gesamte Fläche neben der Schuldrehscheibe mindestens drei Meter tief ausgehoben und enttrümmert werden. Im Boden liegen die Ziegel-Fundamente von Gründerzeitbauten. Man könne fast jeden Keller und jeden Hinterhof ausmachen, so Birgit Rauch. Manchmal stießen sie auch auf Hausrat, wie Nähmaschinen und Geschirr. Die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Straße mussten im April 1945 ihre Wohnungen Hals über Kopf verlassen, bevor die Gestapo sie für ein freies Schussfeld der Flak-Türme im Volkspark Friedrichshain sprengen ließ. In der Nachkriegszeit wurden auch noch zwei 55 Meter lange Stahlröhren für unterirdische Schießübungen hier versenkt, die nun in 6 Meter breite Teile getrennt und abtransportiert werden.

Bauvorbereitung und Enttrümmerung Werneuchener Wiese

Die beiden Röhren für unterirdische Schießübungen werden größtenteils entfernt

Das ist aufwändig und teuer, aber die Reste der alten Bebauung können nicht im Boden bleiben, denn sie machen durch Metallteile im Schutt den Nachweis der Munitionsfreiheit für die geplanten Spielflächen unmöglich. Vor allem aber genügen die alten Fundamente nicht den strengen gesetzlichen Vorsorgewerten für die Bodenqualität von Versickerungsmulden. Solche Mulden sollen im Sinne des Schwammstadt-Konzepts entlang der neuen Parkwege entstehen, um die Versickerung von Schnee und Regen auf der Fläche zu ermöglichen. Das Wasser wird dem Rasen, den Neupflanzungen und Jungbäumen zugutekommen, die hier in großer Zahl geplant sind. Die nötige Bewässerung in den ersten drei Jahren kann dadurch sparsamer ausfallen. Das aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung finanzierte Projekt erfüllt so auch die Anforderungen der 2024 beschlossenen Bodenschutzkonzeption für Berlin.

Bauvorbereitung und Enttrümmerung Werneuchener Wiese

Fundamente der alten Bebauung aus der Gründerzeit

Die Logistik der Baustelle ist kompliziert, die Fläche zwischen Schuldrehscheibe, Danziger Straße und Tankstelle ist für die großen Haufwerke mit 250 Kubikmetern Schutt recht klein, zumal sie hier zehn Tage lagern und vor dem Abtransport beprobt werden. Deshalb hat die BIM, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, auch ihre Fläche an der Danziger Straße und Kniprodestraße zur Zwischenlagerung zur Verfügung gestellt. Wie schon zuvor, als parallel die Berliner Wasserbetriebe an der Margarete-Sommer-Straße arbeiteten, geht hier alles Hand in Hand. Und auch wenn die Geschichte dieser Straße am Rand des Bötzowviertels nachdenklich stimmt, freuen sich die Beteiligten und die Nachbarschaft schon sehr auf die 5.200 Quadratmeter große Freizeitfläche mit viel Grün, Spiel- und Sportanlagen für Jung und Alt und einer großen, geschwungenen Pergola im Zentrum.

Bau M.-Sommer-Strasse

Baustelle der Margarete-Sommer-Straße

Der Boden dafür soll spätestens bis zum Frühjahr bereitet sein, der eigentliche Bau beginnt in diesem Jahr. Die Margarete-Sommer-Straße wird Ende 2026 fertig sein. Nach dem Lenné-Meyer-Garten und dem 2024 ebenfalls mit Mitteln aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung fertiggestellten Geh- und Radweg an der Kniprodestraße werden die umfangreichen Arbeiten an dieser großen Fläche 2027 vorerst abgeschlossen, auf der bis vor wenigen Jahren nur eine Beachvolleyball-Anlage und eine große Brachfläche existierten.