Ein blühender Garten hinter der alten Polizeigarage

Am künftigen „Stadtteilzentrum Frieder“ plant die Nachbarschaft ein neues Stück Stadtgrün mit

Friedrichshain-Kreuzberg hat nicht nur die höchste Bevölkerungsdichte Berlins, sondern nimmt mit 68 Prozent auch die Spitzenposition beim Versiegelungsgrad ein. Das führt dazu, dass es im Bezirk zahlreiche Quartiere mit dem höchsten Hitzebetroffenheitsindex gibt, darunter auch Areale im Fördergebiet Friedrichshain-West. Dies ist gut nachvollziehbar im aktuellen KlimaDashboard von Mai 2025.

Als mögliche Gegenstrategie führt das bezirkliche Klimaanpassungskonzept u.a. die Begrünung von Innenhöfen auf. Ein Hof, der diesem Anspruch bald gerecht werden könnte, befindet sich am künftigen „Stadtteilzentrum Frieder“ in der Friedenstraße 31–32. Dort wird die Remise der ehemaligen Polizeiwache mit Fördermitteln aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung bis zum Jahresende zu einem modernen Multifunktionsgebäude um- und ausgebaut.

Derzeitiger Blick auf die Rückseite der Garage und das Gartengrundstück.

Derzeitiger Blick auf die Rückseite der Garage und das Gartengrundstück.

Der zum Grundstück gehörende Garten ist derzeit verwildert und soll 2026 in eine Oase für Mensch und Natur umgestaltet werden.

Die ersten Ideen dazu wurden zum Tag der Städtebauförderung im Mai gesammelt. Nun fand am 17. Juli ein Planungsworkshop mit allen statt, die die Grünfläche gestalten und nutzen möchten. Das sind neben der Volkssolidarität, als Trägerin des Stadtteilzentrums, auch der Kindergarten „Die kleinen Entdecker“ und die Nachbarn aus dem Umfeld.

Landschaftsarchitekt Markus Schönherr und seine Mitarbeiterin Sara Thiele haben in Vorbereitung des Workshops auf einer Karte das zu planende Areal in vier Nutzungsbereiche gegliedert. Gemeinsam mit Andreas Richter von Stadtkontor, der Gebietsbeauftragten für Friedrichshain-West, erklärten sie an diesem Abend zunächst das geplante Vorgehen.

Die Nachbarn im Austausch. In der ehemaligen LKW-Garage trafen sich Anwohnende, um Ideen für den Nachbarschaftsgarten für das Stadtteilzentrum Frieder zu sammeln.

In der ehemaligen LKW-Garage trafen sich Nachbarinnen und Nachbarn, um Ideen für den Garten am Stadtteilzentrum Frieder zu sammeln.

Die knapp 20 Gäste, die trotz des strömenden Regens den Weg über die Baustelle zur Garage fanden, begrüßten den Vorschlag, einzeln über die unterschiedlichen Garten-Elemente abzustimmen. Dafür hatte das Planungsbüro sechs verschiedene Themenplakate, etwa zur Ausstattung, Beschattung, Bepflanzung sowie zur Gestaltung der Garagenwand und zu den verschiedenen Abgrenzungen des Gartens vorbereitet.

Auf jedem der sechs Plakate waren Beispielfotos abgebildet, auf die die Beteiligten nach und nach ihre Klebepunkte befestigten. So votierten die meisten zum Beispiel für Hochbeete, die man mit dem Rollstuhl unterfahren kann oder für eine schattige Sitzgruppe unterhalb einer Pergola und für viele Beerensträucher und Gemüsebeete. Etliche gelbe Zustimmungspunkte gab es auch zum Vorschlag, die rückwärtige Garagenwand mit einer vertikalen Bepflanzung zu gestalten.

Die meisten Teilnehmenden kamen aus der Umgebung und möchten gern an der Gartengestaltung mitwirken.

Die meisten Teilnehmenden kamen aus der Umgebung und möchten gern an der Gartengestaltung mitwirken.

Zwischen den einzelnen Abstimmungsrunden bot sich die Möglichkeit für Nachfragen. Im Austausch untereinander wurde deutlich, dass die Mehrheit die Abgrenzungen zu den Nachbargrundstücken niedrigschwellig halten möchte. Gewünscht wurde ein fließender Übergang von und zum Stadtteilzentrum, das den Mittelpunkt des Quartiers bilden soll. In diesem Sinne könnte vielleicht lediglich eine Sitzbank die Gartengrenze zur Friedenstraße 33 markieren. Zur Kita hin sollte möglichst ein begrünter Zaun stehen – selbstverständlich versehen mit einem Tor.

Weil die knapp 300 Quadratmeter große Fläche ein echter Nachbarschaftsgarten werden soll, befragte Sara Thiele die Gäste nach ihrer Bereitschaft, diesen nicht nur mit zu planen, sondern sich auch am Aufbau von bestimmten Elementen zu beteiligen und ihn vor allem langfristig zu pflegen. Auch dafür gab es breite Zustimmung, sodass die gemeinschaftliche Umsetzung des Vorhabens im nächsten Jahr angegangen werden kann.

Markus Schönherr dankte für die rege Beteiligung und versprach die Anregungen des Abends in den Vorentwurf einfließen zu lassen.

Markus Schönherr dankte für die rege Beteiligung und versprach die Anregungen des Abends in den Entwurf einfließen zu lassen.

Nach der Sommerpause will man sich ein zweites Mal treffen und möglichst weitere Nachbarn für das Vorhaben begeistern. Das Büro Schönherr erarbeitet aus dem Votum des ersten Workshops nun einen Entwurfsplan und will diesen dann im September vor Ort präsentieren. Schließlich könnten auch diese 300 Quadratmeter – bewachsen mit klimaresistenten Pflanzen – ein Pilotprojekt zum Erreichen von Berlins Klimaziel darstellen. Unabhängig davon wünschten sich die Teilnehmenden, dass das Stadtteilzentrum Frieder und dessen Garten zu einem neuen Treffpunkt für alle Generationen wird.

  • Skizze des Stadtteilzentrums Frieder und dem Garten hinter den ehemaligen Garagen

    Skizze des Stadtteilzentrums Frieder mit dem Garten hinter den ehemaligen Garagen

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