79. URBAN-Netzwerktagung am 23. und 24. Mai 2024

Besuchergruppe auf dem DAch des ZK/U

Von Europa in den Kiez – wie EU-geförderte Stadtentwicklung für Berliner Quartiere wirkt

Am 23. und 24. Mai 2024 traf sich das Deutsch-Österreichische URBAN-Netzwerk anlässlich seiner 79. Tagung erstmals seit 2015 wieder in Berlin. Empfangen wurden die Teilnehmenden im Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) im ehemaligen Güterbahnhof Moabit.

Den Mitgliedern und geladenen Gästen der Fachplattform aus deutschen und österreichischen Städten, Landes- und Bundesbehörden sowie Vertreterinnen und Vertretern der EU-Institutionen wurde im Verlauf der Tagung neben spannenden Diskussionen zum gegenwärtigen und künftigen Stand der EU-geförderten Stadtentwicklung über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) auch ein umfassender Einblick in die vielfältige Förderlandschaft Berlins geboten. Hiervon konnten sich die Teilnehmenden selbst auch im Zuge zweier Vor-Ort-Begehungen in verschiedenen Förderkulissen der Ressortübergreifenden Gemeinschaftsinitiative überzeugen.

In den QM-Gebieten Beusselstraße und Titiseestraße wurden hierzu neben Best-Practice-Projekten, die im Rahmen von Förderprogrammen der Zukunftsinitiative Stadtteil II umgesetzt wurden, auch aktuelle Fördervorhaben zur integrierten Stadtentwicklung gezeigt, die in der laufenden Förderperiode 2021-2027 über das EFRE-Programm Europa im Quartier (EQ) gefördert werden.

1. Tagungstag

Ausgangs- und Endpunkt des vom QM-Team Beusselstraße zum Abschluss des ersten Tagungstags organisierten Kiezspaziergangs war das ZK/U. Die heutige Residenz für Kunst- und Kulturschaffende in Trägerschaft der Kunstrepublik e.V. wie auch alle weiteren gezeigten Standorte des Rundgangs wurden mit Mitteln des Städtebauförderprogramms Soziale Stadt und des EFRE energetisch saniert und räumlich ausgebaut.

In dem knapp einstündigen Rundgang durch den Kiez machte das Team des QM-Büros Beusselstraße anschließend den etwa 40 Gästen die Trägerlandschaft im Umfeld des ZK/U erfahr- und sichtbar. Entlang der Waldstraße, die in eine verkehrsberuhigte und grüne Straße mit Aufenthaltsqualität sowie Spiel- und Bewegungsangeboten verwandelt wurde, ging es vorbei am SOS-Kinderdorf und Familienzentrum in Richtung der Reformationskirche und des umliegenden Refo-Campus. Steve Rauhut berichtete als Vertreter des REFORMATIONS-Campus e.V. den Interessierten in einem kurzen Impulsvortrag von der bewegten und vielfältigen Fördergeschichte des Refo-Campus, der neben einer Kita, einem Wohnhaus und dem Jugendtheater Theater X ein breites Angebotsspektrum für die Bewohnerschaft im Beusselkiez bietet.

Als letzte Station vor der Rückkehr ins ZK/U machten sich die Exkursionsteilnehmer über die Beusselstraße hinweg auf den Weg zum Stadtschloss Moabit, einem geförderten Stadteilzentrum mit eigener Bibliothek, Bewegungsraum, Café und Kinderetage, das durch seine vielfältigen Freizeit- und Beratungsangebote einen wichtigen Ankerort im Kiez darstellt.

2. Tagungstag

Am Nachmittag des zweiten Tagungstages besuchten circa 30 Teilnehmende der URBAN-Netzwerktagung das Quartier Titiseestraße in Berlin-Waidmannslust. Begrüßt von der Quartiersmanagerin Maryann Gerach erhielten die Gäste zunächst einen Einblick in die Struktur des QM-Gebietes und die Aufgaben des Quartiersmanagements, das am 1.1.2021 hier seine Arbeit aufgenommen hatte.

Das Quartier hebt sich städtebaulich von den umliegenden Einfamilienhäusern ab. Die in den Jahren 1966 bis 1972 von der damals städtischen Wohnungsbaugesellschaft GSW errichteten 4- bis 22-geschossigen Baukörper mit rund 2.500 Wohnungen wurden größtenteils im Rahmen des öffentlichen sozialen Wohnungsbaus errichtet und befinden sich derzeit in überwiegend unsaniertem Zustand. Bei dem etwa 5.600 Menschen umfassenden Quartier sticht die hohe Anzahl der Kinder und Jugendliche besonders hervor: Etwa 1/5 der Bevölkerung ist unter 18 Jahren mit einem sehr hohen Anteil von Transferbeziehern unter 15 Jahren (60,4%).

Diesem Umstand begegnend wurden im Rahmen des Quartiersmanagementverfahrens unter Beteiligung der Bewohnerschaft und des gewählten Quartiersrates seit 2021 acht Projekte umgesetzt, zu denen unter anderem das Kinder- und Jugendbeteiligungsprojekt SAG MAL oder kostenlose Bewegungsangebote unter dem Namen FIT IM QUARTIER zählen. Durch die Finanzierung des Innenausbaus des neuen Stadtteilzentrums mit Mitteln des Programms Sozialer Zusammenhalt wurde zudem ein wichtiger Ankerpunkt im Quartier geschaffen.

Im Laufe des Besuches in der Titiseestraße haben die Teilnehmenden die Baustelle des FACE-Campus besichtigt, eines weiteren aktuell noch entstehenden Ankerpunkts im Kiez. Der geplante Campus umfasst neben dem Neubau eines Familienzentrums und einer Kita auch 126 Wohnungen. Finanziert wird das Vorhaben aus kirchlichen Eigenmitteln, durch die GESOBAU sowie mit Fördermitteln aus den Programmen Sozialer Zusammenhalt und Europa im Quartier.

Die nächste und letzte Station der Exkursion führte die Teilnehmenden zur Kindertagesstätte „Waldshuter Zeile“. Hier ist aus Mitteln der Programme Europa im Quartier und Sozialer Zusammenhalt eine energetische Sanierung vorgesehen. Nach etwa zwei Stunden, vielen Informationen und guten Gesprächen über die Herausforderungen, aber auch den Alltag eines Quartiersmanagements am Berliner Stadtrand verabschiedeten sich die Gäste und beendeten damit zugleich die 79. URBAN-Netzwerktagung in Berlin.

  • Dokumentation der 79. Tagung des Deutsch-Österreichischen URBAN-Netzwerks in Verbindung mit Europa im Quartier als Vorhaben von strategischer Bedeutung

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