EU vor Ort - Rundgang zu Leuchttürmen der EFRE-Förderung in Hellersdorf

Führung durch ein durchgrüntes Wohngebiet

Rundgang in Hellersdorf, Bezirksstadträtin Heike Wessoly (Mitte im hellen Mantel) neben Staatssekretär Stephan Machulik

Am 18. September 2025 informierten sich Stephan Machulik, Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Heike Wessoly, Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung des Bezirks Marzahn-Hellersdorf, sowie Krystof Studihrad, Desk Officer Berlin & Brandenburg der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der Europäischen Kommission, über Investitionen in Bildungs- sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen in Hellersdorf Nord, die mit EFRE-Mitteln realisiert wurden und werden.

Die Tour, an der auch Mitarbeitende verschiedener Senats- und Bezirksverwaltungen sowie der beteiligten Quartiersmanagements und der lokalen Träger teilnahmen, begann am Jugendbildungshaus „Sonneneck“. Inga Schütt, Vorstandsvorsitzende des Trägers Kids & Co g. e. V., erläuterte die geplante Sanierung und den Umbau des ursprünglich als Kita genutzten Gebäudes mit voraussichtlichen Gesamtkosten von knapp 10 Mio. Euro. Perspektivisch soll der Standort um ein weiteres Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten für Jugendgruppen ergänzt werden.

Architekt Lukas Schwind und Daniel Wehmeyer von Kids & Co g.e.V. informieren über die Erweiterung des Jugendclubs "Senfte 10"

Architekt Lukas Schwind und Daniel Wehmeyer von Kids & Co g.e.V. informieren über die Erweiterung des Jugendclubs "Senfte 10"

Zurzeit ist im Haus „Sonneneck“ auch die Jugendfreizeiteinrichtung „Senfte 10“ untergebracht, denn der rollsport-orientierte Jugendklub am Liberty-Park – ein ehemaliges Sportfunktionsgebäude – wird bereits mit EFRE-Mitteln von 1,24 Mio. Euro bei Gesamtkosten der baulichen Umsetzung von 3,1 Mio. Euro saniert und erweitert. Eine große Herausforderung für beide Einrichtungen des Trägers, doch es lohnt sich, denn die Nutzfläche der „Senfte 10“ wird sich nach der Fertigstellung verdoppelt haben, was angesichts der neuen Wohnquartiere im Umfeld und des hohen Bedarfs auch dringend nötig ist.

Vor dem komplett eingerüsteten Gebäude der „Senfte 10“ informierten Daniel Wehmeyer von Kids & Co und Architekt Lukas Schwind vom Büro Schwind & Wolf über das Projekt. Vom Bau über die Nutzung bis zur möglichen Wiederverwertung der Baustoffe ist das Gebäude nachhaltig konzipiert. Der bestehende Betonbau wird mit einer Holzkonstruktion erweitert, die Holzfassade bekleidet das gesamte Gebäude. Energie wird über eine Photovoltaik-Anlage gewonnen. Das Niederschlagswasser vom Dach fließt in den angrenzenden Beerenpfuhlgraben – ein zurzeit üppig bewachsener Entwässerungsgraben, der die Grundstruktur für den „Aktivpark“ mit Laufbahn „Circus Maximus“, großer Skate-Anlage und den benachbarten Jugendeinrichtungen vorgibt.

Baustelle des Jugendklubs Senfte 10 und des Kids-Track im Libertypark

Vor dem Jugendklub entsteht eine Skaterbahn für Kids

Ein paar Schritte weiter türmen sich die Erdwälle für den Kids-Pumptrack, wo sich noch vor zwei Jahren die Skater auf den großen Holzrampen tummelten. Als in den letzten Jahren immer mehr Wohnungen direkt an der Freizeitfläche entstanden, war diese laute Nutzung, die in Eigeninitiative in den 90er-Jahren entstanden war und vom Senfte-Team betreut wurden, nicht mehr haltbar. Der neue Skatepark in rund 100 Meter Entfernung ist mehr als ein bloßer Ersatz, wovon die Gäste sich direkt überzeugen konnten, er gehört zu den größten Skate-Parks in Berlin. Aber auch im Liberty-Park darf ab dem Spätherbst wieder gefahren werden – nur nicht mehr so laut und wild, sondern schallgedämpft auf dem neuen Kids-Track.

Die angrenzenden Spiel- und Grünflächen des Liberty-Parks werden ab dem nächsten Frühjahr wieder als attraktiver Wohngebietspark für alle Generationen gestaltet. Für den Bau sind insgesamt 2,66 Mio. Euro, davon 1,06 Mio. Euro EFRE-Mittel, eingeplant.

Olga Theisselmann stellt der Gruppe die Arbeit des HELLEUMs vor

Olga Theisselmann stellt die Arbeit des Kinderforscher*zentrums HELLEUM vor

Im Kinderforscher*zentrum HELLEUM informiert dessen Leiterin Olga Theisselmann die Teilnehmenden des Rundgangs über dieses bundesweit einmalige Kooperationsprojekt. Die Ende 2012 eröffnete, mehrfach preisgekrönte Lernwerkstatt nutzen vor allem Klassen der Grundschulen des Bezirks. Jährlich 6- bis 7.000 Kinder erkunden hier naturwissenschaftliche Phänomene und das zu 100 Prozent motiviert und hochkonzentriert, wie Olga Theisselmann versichert.

Die außerschulische Bildungseinrichtung wird von einem Lenkungsgremium gesteuert, dem neben dem Bezirksamt auch die Alice Salomon Hochschule und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie angehören. Neben den halbjährlich wechselnden Tüftellandschaften für die Grundschulen – zurzeit zum Thema Wind – gibt es offene Nachmittags- und Ferienangebote für Kinder und Familien, Arbeitsgemeinschaften und Fortbildungen für Lehrkräfte. Die mit großen Fenstern sehr transparent gestaltete Holzkonstruktion wurde für 851.000 Euro errichtet, die Hälfte davon waren Mittel aus dem EFRE-Programm Zukunftsinitiative Stadtteil (ZIS). Olga Theisselmann freut sich auf die bevorstehende Kooperation mit dem HELLEUM II, dem Jugendforschungszentrum, dass auf eine Initiative des Ideengebers für das HELLEUM, Prof. Hartmut Wedekind zurückgeht und im November den Betrieb aufnehmen wird.

Heike Wessoly u.a. Gäste des Rundgangs vor dem Erweiterungsbau der Pusteblume-Grundschule

Heike Wessoly und weitere Gäste vor dem Erweiterungsbau der Pusteblume-Grundschule

Verwaltet wird das HELLEUM ganz praktisch von der Pusteblume-Grundschule, die auf dem Nachbargrundstück 2016 einen Ergänzungsbau erhielt. Insgesamt flossen über 13 Mio. Euro in die Schwerpunktschule. Aus der Zukunftsinitiative Stadtteil II (ZIS II) wurden die Sanierung des Hauptgebäudes, die Freiflächen des Ergänzungsgebäudes und dessen neue Sportanlage kofinanziert. Die Zahl von aktuell 800 Schülerinnen und Schülern wird noch auf 1.000 wachsen. Schulleiterin Ute Winterberg ist dankbar, eine solche Schule leiten zu dürfen, die bei Gästen regelmäßig Erstaunen und Bewunderung hervorruft. Im armutsbetroffenen Sozialraum Hellersdorf Nord erwarten die wenigsten eine solche Schule mit viel Platz und optimalen Bedingungen zum Lernen und Aufwachsen.

Die Pusteblume-Grundschule gehört wie die anderen bis dahin besuchten Einrichtungen zum Zukunftskiez Hellersdorf – einem Kooperationsnetz von Bildungs-, Kinder-, Jugend- und Familieneinrichtungen, zu dem auch das Quartiersmanagement (QM) Hellersdorfer Promenade zählt. Katharina Zöller vom QM-Team der S.T.E.R.N. GmbH berichtet auf dem Weg zur letzten Station von ihren Projekten und den Vorbereitungen zum Übergang des Fördergebiets des Programms Sozialer Zusammenhalt in die Verstetigung Ende 2027.

Dr. Shiferaw, der Leiter des Haus Babylon, und Staatssekretär Machulik an der letzten Station des Rundgangs

Dr. Shiferaw, der Vorsitzende des Trägers Babel e.V., und Staatssekretär Machulik sprachen zum Abschluss des Rundgangs am Haus Babylon

Hellersdorf Nord bildet einen Schwerpunkt des Wohnungsbaus im Bezirk. In drei Jahren, von Ende 2020 bis Ende 2023, ist die Bewohnerschaft im Gebiet um mehr als 1.800 Personen gewachsen. 48 Prozent der hier lebenden Menschen haben Migrationserfahrung. Ähnliches trifft auch auf das benachbarte QM-Gebiet „Alte Hellersdorfer Straße“ zu. Quartiersmanagerin Stephanie Marsch übernimmt das Mikrofon und führt die Gruppe zum Interkulturellen Zentrum Haus Babylon, an dessen Giebel der Wunsch nach Respekt und Toleranz das Motto für die Arbeit und einen Wunsch an die Nachbarschaft ausdrückt.

Der Vorsitzende des Trägervereins, Dr. Mekonnen Shiferaw, berichtet von der Geschichte des Hauses, das in den 1990er-Jahren nicht selten Anfeindungen erlebte. Mittlerweile ist das Haus Babylon ein Anker für das Quartier mit vielfältigen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien. Manche aus der ersten Generation der Kinder, die hier ein zweites Zuhause fanden, arbeiten heute haupt- oder ehrenamtlich mit. Das ehemalige Kita-Gebäude wurde 2018 bis 2021 mit rund 4,6 Mio. Euro im Programm Stadtumbau saniert und umgebaut, davon 2,3 Mio. Euro aus dem EFRE-Programm ZIS II. Auch die Musikschule des Bezirks hat hier eine Filiale.

Nach ca. zwei Stunden bedanken sich Stephan Machulik, Heike Wessoly und Krystof Studihrad für die interessanten Einblicke in die Entwicklung von Hellersdorf Nord und die engagierte Arbeit der Akteure vor Ort. Stephan Machulik: „Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen setzt seit inzwischen über einem Vierteljahrhundert gemeinsam mit den Bezirken und der lokalen Trägerlandschaft erfolgreich Projekte der nachhaltigen Stadtentwicklung mit Unterstützung europäischer Fördermittel um. Die Fördermaßnahmen, die wir am heutigen Tag besichtigt haben, stehen stellvertretend für eine Entwicklung, die Berlin seit Jahren prägt: Hier entstehen Orte der Begegnung, des Lernens und der kulturellen Teilhabe. Die EU ist mit ihren Institutionen und Programmen auf diese Weise überall in Berlin unmittelbar wirksam und trägt so aktiv zur Festigung demokratischer Strukturen in den Kiezen, Stadtvierteln und Ortsteilen unserer Stadt bei.“

  • Gruppenbild am Ende des Rundgangs zu EQ-Projekten in Hellersdorf Nord