Angriff auf ZDF-Kamerateam - Ergänzende Fragen nach Zeugenaufruf

Polizeimeldung vom 29.05.2020
Mitte

Gemeinsame Meldung Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin
Nr. 1323
Nach dem Angriff auf das Kamerateam des Fernsehsenders ZDF am Nachmittag des 1. Mai 2020 hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin ergänzende Fragen zu den bereits bestehenden.

Die Ermittlerinnen und Ermittler fragen:
  • Wer besitzt Foto- oder Videoaufnahmen, die von Teilnehmenden, Beobachtenden oder Medienvertretenden im Rahmen der sogenannten „Hygiene-Demo“ am 1. Mai 2020 im Bereich des Rosa-Luxemburg-Platzes, in der Rosa-Luxemburg-Straße, in der Memhardstraße und/oder in der Dircksenstraße gemacht wurden? Es wird vermutet, dass sich die Angreifenden bereits im Vorfeld in diesen Bereichen aufgehalten haben könnten.
  • Wer hat am 1. Mai 2020 in der Zeit von circa 16 bis 17 Uhr auf dem vermeintlichen späteren Fluchtweg in den Straßenzügen Rochstraße, An der Spandauer Brücke, Oranienburger Straße sowie im Monbijoupark und im James-Simon-Park verdächtige Beobachtungen oder Foto- und Videoaufnahmen gemacht?
  • Wer hat flüchtende Personen gesehen und kann Angaben zu diesen machen?
  • Wer hat beobachtet, dass sich Personen umgezogen und/oder ihrer Kleidung entledigt haben?
  • Welche beiden Personen haben einen Polizeibeamten auf eine weggeworfene Jacke im Monbijoupark aufmerksam gemacht?
  • Wer hat am 1. Mai 2020 die Tat in der Rochstraße beobachten können?
  • Wer kann sonst sachdienliche Hinweise zum vorliegenden Fall geben?

Hinweise bitte an das Landeskriminalamt 523 am Bayernring 44 in 12101 Berlin-Tempelhof unter den Rufnummern (030) 4664-952326 und 4664-952331 (innerhalb der Bürodienstzeiten) sowie 4664-909909 (außerhalb der Bürodienstzeiten), per E-Mail oder an jede andere Polizeidienststelle.

Zeugenaufruf Nr. 1167 vom 12. Mai 2020: Angriff auf ZDF-Kamerateam – Zeugen gesucht
Am Nachmittag des 1. Mai 2020 griffen Maskierte ein Kamerateam des Fernsehsenders ZDF in Mitte an. Gegen 16.20 Uhr befand sich ein siebenköpfiges Team nebst begleitender Sicherheitsangestellter, welches für die „Heute Show“ des Fernsehersenders im Stadtgebiet tätig war, in der Rochstraße 14, auf dem Vorplatz der dortigen Filiale der Supermarktkette Kaufland und legte dort eine Pause ein. Hierbei wurde es plötzlich von bis zu 25 Personen angegriffen. In Kleingruppen traten und schlugen die Angreifer auf die sieben Mitglieder des Teams ein, unter anderem auch mit Metallstangen. Ein 50-Jähriger wurde bis zur Bewusstlosigkeit getreten. Eine 41-Jährige, ein 35-Jähriger und ein 59-Jähriger des Teams erlitten ebenfalls Verletzungen und kamen zu ambulanten Behandlungen in ein Krankenhaus. Drei ebenfalls dazugehörige Männer, 21, 31 und 38 Jahre alt, blieben unverletzt. Die Angreifer waren allesamt dunkel oder schwarz gekleidet und vermummt, entledigten sich aber nach dem Angriff offenbar noch während der Flucht teilweise ihrer Bekleidung oder wechselten diese.

Gemeinsame Meldung Nr. 1080 vom 4. Mai 2020: Ermittlungen wegen des Angriffs auf ein ZDF-Kamerateam vom 1. Mai 2020

Unter Federführung der Staatsanwaltschaft Berlin – Abt. 231 – ermittelt der polizeiliche Staatsschutz gegen eine Gruppe von mehreren Personen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Mitglieder dieser Personengruppe stehen im Verdacht, in Absprache mit den übrigen Angehörigen der Gruppe sechs Mitarbeiter des ZDF gezielt unter anderem mit einem metallenen Gegenstand angegriffen und fünf Mitarbeiter teilweise erheblich verletzt zu haben.

Die Aufklärung der Tat ist angesichts der Dynamik und Unübersichtlichkeit des Geschehens aufwändig und schwierig. Es sind eine Vielzahl von Zeugen zu vernehmen. Die bislang vorliegenden Zeugenaussagen ergeben nicht in allen Details ein einheitliches Bild. Des Weiteren muss Bildmaterial vom unmittelbaren Tatgeschehen, der Tatumgebung und dem Vor- und Nachtatverhalten der Täter gesichtet und ausgewertet werden.

Sechs Personen aus der Gruppe der Angreifer konnten zeitnah nach der Tat in Tatortnähe vorläufig festgenommen werden. Sie sind nach polizeilichen Erkenntnissen teilweise der „linken Szene“ zuzurechnen. Ob dieser Umstand möglicherweise die Tatmotivation begründete, ist aktuell Gegenstand der Ermittlungen, gleichermaßen wie die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Tatbegehung und der Versammlungslage auf dem Rosa-Luxemburg-Platz gibt. Die Voraussetzungen für den Erlass von Haftbefehlen lagen nicht vor, weil die Beweislage für einen dringenden Tatverdacht nicht ausreichte oder keine Haftgründe gegeben sind.

Die Ermittlungen dauern an.